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500 Jahre Bibelübersetzung: Festwoche „Kraft der Worte“ feierlich eröffnet

Bildquelle: © Stadt Eisenach/Ulrike Unger
Superintendent Ralf-Peter Fuchs (v. l.), Landrat Reinhard Krebs, Oberbürgermeisterin Katja Wolf und Frau Burghauptmann Dr. Franziska Nentwig eröffneten die Festwoche im Festsaal auf der Wartburg.

Mit dem musikalischen Schauspiel „Luthers Testament – Jazz, Tanz, Thesen“ wurde am Sonntagabend, 11. September, im Festsaal der Wartburg die Festwoche „Kraft der Worte“ eröffnet. Vom 11. bis zum 18. September veranstaltet der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen gemeinsam mit der Stadt Eisenach als Höhepunkt des Jubiläumsjahres 500 Jahre Bibelübersetzung ein fulminantes Programm von inhaltlichem Anspruch und Lebensfreude.

Wie nebenbei dichtete Luther aus dem Wildwuchs der Dialekte den Deutschen eine Sprachheimat, die sie bis heute bewohnen. Aus Eisenacher Lokalgeschichte ist europäische Kulturgeschichte geworden, so Superintendent Ralf-Peter Fuchs. Luthers Übersetzungswerk stellt auch einen Anspruch an unser heutiges Reden und Sprechen dar, sagte Fuchs weiter. Wir hoffen, dass die Festwoche ein starkes Plädoyer wird für ein Reden, das sich nicht im Kritisieren und im Empören erschöpft, sondern dem Miteinander verpflichtet ist. Und das haben wir im Vorfeld schon einmal gelebt. Denn die Festwoche ist auch das Ergebnis einer wunderbaren Zusammenarbeit mit dem Wartburgkreis und der Stadt Eisenach.

Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf wies auf die große Bedeutung der Sprache für den gesellschaftlichen Zusammenhalt hin.

Mit der Macht der Worte werden wir täglich konfrontiert. Worte verbinden, aber sie zerstören auch. Wo Worte versagen, folgt Gewalt. Lassen Sie uns deshalb gemeinsam in der kommenden Woche das Verbindende unserer Sprache in den Mittelpunkt stellen. Das Wort an sich soll in den kommenden Tagen unsere gemeinsame Sonne sein, rief Wolf mit Bezug auf ein Luther-Zitat auf.

Landrat Reinhard Krebs sagte in seinem Grußwort:

Worte haben die Kraft, Welt und Wirklichkeit zu verändern. Welche Wirkmacht Worte haben, erfahren wir in diesen Zeiten medialer Aufgeregtheit jeden Tag aufs Neue. Martin Luther nutzte in seiner Zeit die damals verfügbaren Medien wie kein anderer vor ihm. Die ebenso hochkarätigen wie vielfältigen Veranstaltungen der Festwoche laden ein, uns mit der Kraft und Wirkung der Worte auseinanderzusetzen. Seien Sie herzlich dazu willkommen.

Bildquelle: © Stadt Eisenach/Ulrike Unger
In einer frischen, modernen Art erzählte Ralf-Uwe Beck die Geschichte von Luthers Übersetzung des Neuen Testaments auf der Wartburg.

Die Premiere „Luthers Testament – Jazz, Tanz, Thesen“ verband auf musikalisch-poetische Weise die Eisenacher Jazz-Tradition mit der Geschichte der Bibelübersetzung. Das Musikprogramm gestalteten der renommierte Jazzpianist Alexander Blume, Ralf-Uwe Beck (Wort), Sina Rien (Kontrabass), Maximilian Blume (Drums, Gesang), Linda Ahlers (Gesang) sowie Kiki Havemann (Tanz).

Bildquelle: © Stadt Eisenach/Ulrike Unger
Kiki Havemann tanzte ausdrucksstark zu den jazzigen Klängen von Alexander Blume (Piano), Sina Rien (Kontrabass) und Maximilian Blume (Drums).

Der Programmüberblick

Festwoche – „Kraft der Worte“ 11. bis 18. September 2022

Die Festwoche findet zeitgleich mit den ACHAVA Festspielen Thüringen statt.

Ein Feuerwerk aus Musik, Poesie, Kreativangeboten und bildgewaltiger Illumination gibt es vom 11. bis 18. September 2022 in Eisenach zu erleben. Alle Bürger*innen und Gäste der Stadt sind herzlich eingeladen, gemeinsam dieses Ereignis zu feiern.

Zusammen mit den ACHAVA Festspielen wird am Mittwoch, 14. September, um 19 Uhr im Eisenacher Stadtschloss das Musiktheater „Das denkende Herz“ nach den Tagebüchern der Etty Hillesum zu erleben sein. Am Donnerstag, 15. September, erklingt – ebenfalls im Rahmen der ACHAVA Festspiele – um 19 Uhr an Bachs Taufstein in der Eisenacher Georgenkirche die h-Moll-Messe von Johann Sebastian Bach. Am Freitag, 16. September, sind vor allem Kinder und Jugendliche ganztägig auf die Plätze rund um die Georgenkirche eingeladen. Moderiert wird der Tag von dem Rapper „CRZA“ – Christian Weirich. Er hat eigens für die Festwoche den Rap „Worte“ komponiert. Es gibt 71 Workshop-Angebote rund um „die Kraft der Worte“ für Schulklassen.

Einzigartig wird die Illuminierung des Eisenacher Marktplatzes am Abend des 16. und 17. September. Die Lichtkünstler „Genius Locis Weimar“ zeigen Fassadenilluminationen rund um den Marktplatz sowie eine bewegte und thematische Illumination am Gebäude des Stadtschlosses, die sich mit der Kraft der Worte auseinandersetzen. Am Samstag, 17. September, wird die Eisenacher Innenstadt zum Festivalgelände: Stände, Kreativangebote und Aktionen gibt es auf den Straßen und Plätzen rund um den Eisenacher Markt. Kinderchöre, Gospelmusik, Gitarrenduo, Samba-Klänge,Klezmer, Bläsermusik und vieles mehr wird es auf der Hauptbühne geben. Die Georgenkirche lädt zum großenChorsingen an Bachs Taufstein ein. Für Jugendliche gibt es eine Chill-Out-Area mit dem Rapper „CRZA“ und demGraffitikünstler Max Kosta. Abends spielen Samuel Rösch und Band sowie Dota Kehr und Band auf dem festlichilluminierten Markt.

Am Sonntag, 18. September 2022, wird zu einem ökumenischen Gottesdienst mit dem Landesbischof Friedrich Kramer der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland auf dem Eisenacher Marktplatz eingeladen. Danach gibt es ein großes Markt-Picknick und im Anschluss ein Konzert mit Maybebob, eine der bekanntesten deutschsprachigen A-Cappella-Formationen. Ab 16 Uhr erklingt in der Eisenacher Georgenkirche eine der großen musikalischen Bibelübersetzungen – das Oratorium „Messias“ von G. F. Händel. Aufgeführt wird das Oratorium vom Eisenacher Bachchor unter Leitung von KMD Christian Stötzner. Link

ACHAVA Festspiele Thüringen in Eisenach 11. bis 18. September 2022

Nach der großen Resonanz im Jahr 2021 werden die ACHAVA Festspiele auch in diesem Jahr wieder Station in Eisenach machen. Gemeinsam mit der Festwoche „Die Kraft der Worte“ findet das Projekt „Jüdisches Leben! Christlich-jüdische Fest- und Begegnungswoche in Eisenach“ rund um den Eisenacher Lutherplatz statt. In einem Festzelt auf dem Lutherplatz, in direkter Nähe von Georgenkirche und Lutherhaus, wird ein vielfältiges Festprogramm mit Musik, Lesungen, Diskussionen und Gottesdiensten geschaffen, an dem alle Gäste kostenfrei teilnehmen dürfen.

Dabei werden Einblicke in jüdische Kultur und Religiosität gegeben. Mit prominenten Gästen, Programmen für Schüler*innen, gastronomischen Angeboten und einem jüdischen Gottesdienst entstehen eine stimmungsvolle Atmosphäre und vielfältige Möglichkeiten zu Information und Gedankenaustausch. Besonderer Höhepunkt ist das ACHAVA Festkonzert am 15. September um 19 Uhr mit Johann Sebastian Bachs bekannter h-Moll-Messe in der Georgenkirche. Bachs grandioses Meisterwerk wird vom Thüringer Bach Collegium unter Leitung von Gernot Süßmuth aufgeführt. Deutschlandfunk wird das Konzert aufzeichnen.

Am Sonntag, 18. Juli 2022, wird auf dem Lutherplatz zum traditionellen ACHAVA-Straßenfest eingeladen. Um 14Uhr gibt es unter dem Motto „Tanach – Bibel – Heilige Schrift“ eine Podiumsdiskussion zum „Streitobjekt Bibel“ mitProf. Dr. Jens Herzer und Rabbiner Andrew Steiman im Festzelt am Lutherplatz. Um 19 Uhr klingt das Fest mit demAbschlusskonzert der ACHAVA Festspiele, dem „Romano-Glaszo-Projekt“, aus. Dann wird der Eisenacher Marktplatz in Gypsyklänge, ungarische Volksmusik, jüdische und russische Lieder und viel andere temperamentvolle Musik getaucht. Link

Werk übersetz(t)en …Tschaikowskis Ballett „Der Nussknacker“ in eine konzertante Orchesterfassung übersetzt 15. September 2022

Das Baltic Sea Philharmonic mit dem Dirigenten Kristjan Järvi vereint Musiker rund um die Ostsee, von Dänemark über Estland, Finnland, Deutschland, Lettland, Litauen, Norwegen, Polen, Russland und Schweden. Das Orchester ist dafür bekannt, Werke zeitgenössisch zu bearbeiten und mit Elementen atmosphärischen Lichtdesigns aufwendig zu inszenieren. Der Fachdienst Kultur der Stadt Eisenach konnte Kristjan Järvi, der von 2012 bis 2018 das MDR-Sinfonieorchester leitete, für ein Projekt im Rahmen „500 Jahre Bibelübersetzung“ gewinnen.

Dazu hat Kristjan Järvi Tschaikowskis bekanntes Ballett „Der Nussknacker“ neu in eine konzertante Orchesterfassung „übersetzt“. Außerdem wird das Orchester das aktuelle Programm „Meresillad“ spielen, mit dem es estnische Komponisten der Vergangenheit und der Gegenwart würdigt. Die Premiere des neuen Werks wird am 15. September 2022 im Landestheater Eisenach gespielt. Zuvor wird das Orchester das Werk in für die Öffentlichkeit zugänglichen Proben im Museum „automobile welt eisenach“ vorstellen. Mit öffentlichen Proben an ungewöhnlichen Orten verfolgt das Baltic Sea Philharmonic das Ziel, Menschen aller Zielgruppen den Zugang zu klassischer Musik niedrigschwellig und teilhabegerecht zu ermöglichen. Link

Tickets für das Konzert gibt es online (Link), dem Landestheater Eisenach und der Eisenach-Wartburgregion Touristik GmbH.

12. September 2022 (14 bis 18 Uhr), 13. September 2022 (14 bis 18 Uhr), 14. September 2022 (10 bis 18) Uhr öffentliche Proben im Ehrhardt-Saal des Museums „automobile welt eisenach“ (Friedrich-Naumann-Straße 10)

13. September 2022, 19.30 Uhr Premiere im Landestheater Eisenach

Hintergrund

Das Themenjahr „Welt Übersetzen“ spannt einen Bogen von Martin Luthers Ankunft auf der Wartburg am 4. Mai 1521 bis zum Reformationstag am 31. Oktober 1522. Das große Finale des Jubiläumsjahres knüpft inhaltlich an Luthers sogenanntes September-Testament von 1522 an. Vor genau 500 Jahren wurde Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testaments veröffentlicht und verbreitete sich wie ein Lauffeuer in allen Gesellschaftsschichten. Die Reformation war nicht mehr aufzuhalten. Seit nunmehr anderthalb Jahren feiern die Stadt Eisenach und die Region dieses wirkmächtige Übersetzungswerk Martin Luthers.

Noch bis zum Herbst präsentieren die Stadt Eisenach, der Wartburgkreis und der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen ein umfangreiches Programm rund um Luthers Bibelübersetzung. Dieses wird gemeinsam mit zahlreichen örtlichen Projektpartnern und der Unterstützung unter anderem aus Fördermitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Thüringer Staatskanzlei umgesetzt. Insgesamt hat die Stadt Eisenach 530.000 Euro Fördergeld von Bund und Land erhalten.

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