Austausch mit französischer Partnerstadt: Stadtverwaltungen trafen sich in Sedan

Als Oberbürgermeisterin Katja Wolf im Mai des vergangenen Jahres zuletzt in die französische Kleinstadt im Norden Frankreichs reiste, entstand im Gespräch mit Bürgermeister Didier Herbillon die Idee, ein Treffen der beiden Stadtverwaltungen zu initiieren. Dieser gemeinsame Austausch mit Mitgliedern der Stadtverwaltung in Sedan fand vom 29. bis 31. Januar statt.

Neben der Oberbürgermeisterin nahmen sechs Vertreter*innen der Eisenacher Stadtverwaltung und die beiden Dolmetscher*innen Dr. Benno Kretzschmar und Katrin Huillet teil. Aus der Stadtverwaltung in Sedan beteiligten sich neben Bürgermeister Herbillon acht Vertreter*innen aus verschiedenen Bereichen an dem Treffen.

Austausch über Themen zur Stadtentwicklung
Die Eisenacher Delegation wurde nach ihrer Ankunft im Haus des Kulturerbes in Empfang genommen. Schwerpunkte des Austausches mit der Partnerstadt bildeten die Themen Stadtentwicklung und Soziale Stadt.

Die Stadt Sedan macht bemerkenswerte Fortschritte bei der Altstadtsanierung. Dahinter steht ein spannendes Konzept, das wir uns gerne vor Ort näher betrachten und erklären lassen wollten, so Oberbürgermeisterin Katja Wolf.

Sedan ist als eine von 13 französischen Städten, die in das nationale Innenstadtsanierungsprogramm aufgenommen wurde. Wie bei ähnlichen Programmen in Deutschland werden Sanierungen oder Abriss und Neubau mit einer Förderquote von 80 Prozent durch den französischen Staat unterstützt. So hat die Stadt die Chance, aus alter Bausubstanz städtebaulich etwas Neues zu schaffen und hierdurch die Attraktivität der Wohnviertel zu erhöhen. Weitere Schwerpunkte des Gesprächs waren sowohl der Umwelt- und Klimaschutz als auch die Energiekrise und ihre Folgen, denn auch Frankreich ist von den Auswirkungen der Energiekrise stark betroffen. In gemeinsamen Gesprächen wurden Impulse für Wege zu mehr Nachhaltigkeit und dem sparsamen Umgang mit Energie ausgetauscht. Sedan hat zudem als eine der ersten Städte in Frankreich in der Zeit von 0 Uhr bis 5 Uhr die städtische Beleuchtung ausgeschaltet.

Sozialarbeit und Eingliederungsprojekte vorgestellt
Auf dem Friedhof St. Charles und im Sozialzentrum Torcy-Cités konnte sich die Delegation aus Eisenach während ihres Besuches einen Eindruck von den Eingliederungsprojekten der Stadt machen. Auf dem Friedhof werden beispielsweise Maßnahmen gefördert, Menschen wieder ins Berufsleben zu integrieren. Das Sozialzentrum ist eine zentrale Einrichtung für Gemeinschafts- und Nachbarschaftsentwicklung.

Es war wirklich spannend zu sehen, wie das französische Sozialsystem aufgebaut ist und funktioniert, so die Oberbürgermeisterin.

Teilweise ähnelt das französische Sozialsystem dem Deutschen. An der ein oder anderen Stelle sind allerdings auch große Unterschiede zu sehen, insbesondere bei den Zuständigkeiten. Während in Frankreich weitestgehend die Kommune für die sozialen Angelegenheiten ihrer Bürger zuständig ist, fallen in Deutschland diese Kompetenzen auf verschiedene Träger zurück.

Das macht Soziale Arbeit in französischen Kommunen deutlich einfacher und effizienter, so die Oberbürgermeisterin.

Allerdings hat Sedan dennoch mit einer hohen Arbeitslosenquote (11 Prozent) zu kämpfen. In Eisenach liegt diese beispielsweise bei knapp 7 Prozent.

Auch in die Umweltschutzmaßnahmen der Stadt Sedan erhielt die Eisenacher Delegation Einblick. Unter anderem wurden nachhaltige und insektenfreundliche Maßnahmen der städtischen Grünpflege vorgestellt sowie der Umgang mit Abfall in der Stadt. Ein wichtiges Thema war die Eindämmung der Energiekosten. In diesem Zusammenhang wurde der Aufbau der städtischen Fernwärme vorgestellt. Die Stadt Sedan betreibt ein eigenes Heizkraftwerk und versorgt so die Bürger*innen der Stadt auf einer Strecke von 17 Kilometern Länge mit Energie. In dem Heizkraftwerk wird vorrangig Abfall von Grünschnitt (Hackschnitzel) verbrannt und zur Energieerzeugung genutzt.

Das ist wirklich sehr beeindruckend, wie Sedan bereits seit über 20 Jahren dieses Heizkraftwerk nachhaltig betreibt, so Katja Wolf weiter.

Zum Abschluss vereinbarten Oberbürgermeisterin Katja Wolf und Bürgermeister Didier Herbillon einen Rückbesuch in Eisenach, der die in Sedan zusammengetragenen Impulse vertiefen und sich unter anderem mit der Frage beschäftigen soll, wie in einer Stadt mit vergleichsweise geringer Einwohnerzahl dennoch eine hohe kulturelle Dichte geschaffen werden kann.

Hintergrund Sedan liegt im Norden Frankreichs in unmittelbarer Nähe zur Grenze nach Belgien und ist für die gleichnamige Burg bekannt. In den Jahren 1870 und 1940 fanden dort verlustreiche Schlachten zwischen deutschen und französischen Soldaten statt. Die Stadt Eisenach pflegt seit dem Jahr 1991 eine Städtepartnerschaft mit Sedan.

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