Die Bibel an ungewohnten Orten entdecken

Zu einer Podiumsdiskussion lud die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Eisenachs am Dienstag, 20. Juni, in die Friedhofskapelle auf dem Eisenacher Hauptfriedhof ein. Der Abend stand unter dem Thema: „Bestattungs- & Erinnerungskultur  – Stadtgesellschaft und Glauben“. Pfarrer Jürgen Stolze leitete und eröffnete den Abend für die rund 35 Teilnehmer.

Die prächtige Kulisse der teilrestaurierten „Feierhalle“ bot den passenden Rahmen für diese Veranstaltung.  Die Podiumsdiskussion führten Pfarrer Stolze und Bürgermeister Christoph Ihling gemeinsam mit Rainer König, städtischer Sachbearbeiter Grünflächen und Friedhof und Nicole Lehmann, Fachgebietsleiterin Friedhof.

Der Wandel der Bestattungskultur, Bedürfnisse von Angehörigen erkennen und ein zeitgemäßes Angebot an Grabarten entsprechend erarbeiten, diese Zielsetzung verfolgte die Stadt Eisenach bei der Erarbeitung der neugefassten Friedhofssatzung. Bürgermeister Ihling erläuterte warum der Satzungsentwurf daher keine anonyme Urnengemeinschaftsanlage (bekannt als „Grüne Wiese“) mehr vorsieht:

Die anonyme Urnengemeinschaftsanlage gilt neben der Seebestattung als hinderlichste Bestattungsart im Hinblick auf eine gelingende Trauerbewältigung. Den Angehörigen wird die Verortung des so wichtigen Ort des Trauerns und das Wiederspiegeln des Namens als Ort des Gedenkens genommen.

In der Praxis führt dies immer wieder zu Problemen und Umbettungswünschen, welche aus Urnengemeinschaftsanlagen grundsätzlich aufgrund der mehrfachen Störung der Totenruhe ausgeschlossen sind. Hinzu käme die zusätzliche finanzielle Belastung für die Angehörigen, welche die Umsatzsteuerpflicht u.a. für die Grabart mit sich bringen würde.

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Theologisch betrachtet gibt es eine ganz klare Aussage: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich bei deinem Namen gerufen (Jesaja, 43,1)“ – ein Bibelvers der von der Taufe bis zum Ausblick auf das ewige Leben gelten sollte also auch am Grab. Hierauf ging Pfarrer Stolze in seiner Einleitung ein. „Sich über die persönliche Vorstellung zur letzten Ruhestätte schon zu Lebzeiten auszutauschen, ist nicht das Thema was wir beim Abendessen im Kreis der Familie besprechen“ weiß Nicole Lehmann aber man weiß unter den Fachleuten auch um die Last, welche die Entscheidung der „richtigen“ Grabstätte in der emotionalen Ausnahmesituation eines Trauerfalls die Angehörigen zu tragen haben.

Fehlentscheidungen bei der Grabauswahl vermeiden, indem über das Angebot aufgeklärt wird, muss gemeinsames Ziel von Friedhofsverwaltung und Bestattern sein.

Zum Abschluss lud Pfarrer Stolze zu einer offenen Fragerunde ein, welche rege von den Gästen genutzt wurde. Die Themen reichten von dem Angebot der Baumgräber über Sicherheit und Diebstahl auf Friedhöfen, bis hin zum Fahrradfahrverbot oder der Eisenacher „Gießkannenproblematik“.

Alle Fragen wurden ausführlich beantwortet, natürlich wurde auch das Vorhaben um die Kapellenrestaurierung thematisiert. Die Kollekte der Andacht in Höhe von 74 Euro kommt der Spendenaktion der treuhänderischen Denkmalstiftung Eisenach der Deutschen Denkmalstiftung und der Wartburgsparkasse zu Gute, die alle eingehenden Spenden verdoppelt bis ein Betrag von 20.000 Euro für die Fortführung der Restaurierung der Kapelle erreicht ist. Spendenmöglichkeiten dafür finden Sie hier.

Die Teilnehmer wurden mit der herzlichen Einladung des Bürgermeisters verabschiedet, den „Tag des Friedhofs“ am 17. September 2023 in Eisenach zu besuchen, dem Aktionstag aller in der Friedhofsbranche tätigen Gewerke. Interessante Führungen und Ausstellungen werden in ungezwungener Atmosphäre für die Besucher vorbereitet.

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