Die ganze Wahrheit

Bildquelle: Th. Levknecht – Elisabeth-Gymnasium in Eisenach, Nebestraße

Der vorliegende Schulnetzplan bis 2031/32 ist ein Armutszeugnis für den Bildungsstandort Eisenach!

Wie ein erfolgreiches, gut vernetztes, mit vielen Auszeichnungen gewürdigtes Gymnasium in kürzester Zeit ausgelöscht wird. Abiturienten vieler Jahrgänge haben sich bei ihrem Gymnasium am Ende ihrer Schulzeit mit beachtenswerten Geschenken für eine großartige Zeit bedankt (Beispiel: Geld für Fassade gesammelt und v.m.). In den letzten Jahren konnte man beobachten, dass nur noch wenig Geld, obwohl vom Stadtrat genehmigt, in das Gebäude Nebestraße investiert wurde. War da schon eine Absicht zu erkennen?

Am Anfang war ein unseriöses, vielleicht sogar illegales Versprechen. Danach folgte am 8.07.2025 ein sensationeller Presseauftritt, der bestens organisiert, zeitlich so gestaffelt war, dass Schulleitungen, Lehrer, Eltern, Schüler die Öffentlichkeit die Dimension des Geschehens weder erleben noch begreifen konnten, sie waren in den Ferien, man könnte meinen, sie sollten überrollt werden und in großer Naivität glauben, es ist schon alles organisiert, abgeklärt und die Weichen sind gestellt.

Es war auch furchterregend, erschreckend was auf die „Schafe“ (ich benutze einen Ausdruck aus: Farm der Tiere von Orwell) einprasselte. Junge Frauen waren nach dem Westen gegangen und hiesige junge Frauen hatten zu wenige Kinder in die Welt gebracht. Im Ergebnis gibt es dramatische Rückgänge der Schülerzahlen, die Oberstufe und das Kurssystem (wer kannte sich mit diesen Formulierungen schon aus?) waren nicht nur gefährdet, nein wir müssen schnellstens zusammenlegen, damit es noch ordentlichen Kursunterricht geben kann (an der Lutherschule wird seit Jahren mit ca. 380 Schülern das Kurssystem erfolgreich gestaltet, in unserem ländlichen Thüringen betrifft das viele Schulen) und nun wurde es ganz heftig. In wenigen Jahren würde die Schülerzahl an den Gymnasien so gering sein, dass wir schnellstens die Schulen vereinen müssen. Der Plan – die 440 Schüler des Elisabeth Gymnasiums müssen kurzfristig ihre Schule verlassen und in das Haus 2 Ernst-Abbe-Gymnasium (EAG) am Theaterplatz und Haus 1 EAG, Wartburgallee umziehen. Dabei ist umziehen ein Begriff, der unter uns etwas mit planen, vergewissern, beste Möglichkeiten ausloten, usw. zu tun hat. Das war nicht vorgesehen: in zwei Jahren sollte dieser Prozess beendet sein, weil es dann für den Schulstandort Nebestraße einen Nachmieter gibt, auch das wurde in geradezu euphorischer Weise vorgetragen. Die evangelische Schulstiftung würde diesen Standort gnädig übernehmen und der Stadt würden erhebliche Kosten erspart werden.

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Das war alles so schlüssig, dass sehr viele Lehrer, Eltern, Schüler, Bürger der Stadt im Allgemeinen und das gesamte Wahlvolk erstaunt waren. Was dann folgte war der Versuch Weniger, noch zu retten, was zu retten war und die Stadtverwaltung zu vernünftigen Überlegungen zu überreden. Am Anfang waren es wenige; aber es wurden immer mehr die an Rechtsstaatlichkeit und Recht glaubten. Wir versuchten über Einwohneranfragen auf die Problematik Schulhofgröße, Freiflächen, Turnhallen und Verkehrssicherheit im Bereich Standort Wartburgallee hinzuweisen. Ergebnis: diese Faktoren wurden alle nicht berücksichtigt. Die auffällige Besonderheit: der Standort Wartburgallee ist erst 2046/47 für die geplante Schülerzahl von ca. 600 geeignet. Im Ergebnis unserer Recherchen sind wir zu der Erkenntnis gekommen: der Standort Wartburgallee ist für das moderne, zukunftsfähige, nachhaltige, städtische Gymnasium nicht geeignet.

Unter den „Schafen“ gab es aber auch einige die Sachargumente der verschiedensten Art sammelten, die gut vernetzt waren, die auch mit verschiedenen Mitgliedern des Stadtparlaments Argumente austauchen konnten, siehe da es fanden sich erhebliche Unredlichkeiten, wie falsch interpretierte Statistiken, Nichteinhaltung elementarer Forderungen aus den Schulbaurichtlinien. Die Schülerzahlen der Gymnasien, Regelschulen und Grundschulen nehmen nicht so dramatisch ab wie beschrieben. Der vorgesehene Bau einer Mittelschule im Auftrag der evangelischen Schulstiftung wurde im Mai 2025 gestoppt. Langsam dämmerte es uns, und das war erschreckend, der gesamte Prozess, generalstabmäßig gestaltet, hatte und hat nur ein Ziel: der Schulstandort Nebestraße/Zeppelinstraße muss schnellstens geräumt werden, damit die evangelische Schulstiftung für ihre Schule (ein tolles Projekt, Kosten ca. 30Mio.) diesen Bereich, dieses Haus mit Anbindungen an Sporthallen, Wartburgstadion, Schwimmhalle, großzügiger Schulhof, relativ neue Fassade übernehmen kann. Damit wird das obengenannte Versprechen zwischen einem hochrangigen Vertreter der Stadtverwaltung Eisenach und einem hochrangigen Verantwortlichen der evangelischen Schulstiftung, vom Mai 2025 eingelöst. Damit spart die evangelische Schulstiftung viele Millionen Euro ein- Da steht schon ein Haus, das sofort genutzt werden kann. Und nun- Ihr erinnert euch- die Stadt sprach von Einsparung größerer Nachfolgekosten. Die Wirklichkeit ist: ein privater Schulträger erhält ein kommunales Gebäude und Gelände. Die Frage ist, gibt es dafür schon einen Stadtratsbeschluss. Eine Recherche über möglichen Lobbyismus konnten wir in der kürze der Zeit nicht weiterverfolgen.

Fazit: 

  1. Die bisherigen Veröffentlichungen zur Weiterentwicklung des Gymnasialen Schulnetzplanes für die Jahre 25/26-31/32 sind unredlich und gesetzwidrig. Sie dienten nur dem Ziel, der Übergabe des Schulstandorts Nebestraße an die evangelische Schulstiftung, ein privater Schulträger. 
  2. Im aktuellen Schulnetzplan wird gefordert, Überlegungen anzustellen für ein mögliches städtisches Gymnasium, um damit Vorbereitung für eine zukünftige Fusion in den Folgejahren einzuleiten. Hier gibt es konkrete Hinweise in den Schulbaurichtlinien des Landes Thüringen. Dieser Aufgabe ist die Stadtverwaltung und hier besonders der Dezernent für Bildung in keiner Weise gerecht geworden.
  3. Der jetzt vorliegende aktuelle Schulnetzplan für 26/27 – 31/32 muss im Bereich Gymnasium gestoppt, überarbeitet und den Wählern, den Bürgern, den Abgeordneten neu vorgelegt werden.

Mein Ziel mit dem ersten und dem jetzigen Brief ist es, Schaden von meiner Stadt Eisenach abzuwenden und einem Schildbürgerstreich vorzubeugen. Mein wichtigstes Ziel ist es: unsere Demokratie zu stärken, dafür zu sorgen, dass demokratische Grundregeln eingehalten werden, Abgeordnete und die „Schafe“ vor unredlichem Handeln zu schützen. Es liegt nun an uns. Wir haben nicht die Machthebel in der Hand, aber wir sind eine Macht und wir können mit unserem gemeinsamen Auftreten noch viel erreichen. Am Ende tut es mir ein bisschen leid, dass ich diesen Brief schreiben musste; aber meine vielen Lebensjahren und Lebenserfahrungen haben mich eines gelehrt: Bleib aufrecht und trete für die Wahrheit ein.

Gerhard Sippel, Eisenach