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Leserbrief: Ein Besuch im Eisenacher Stadtschloss

Bildquelle: Werbeagentur Frank Bode | www.werbe-bo.de

Ein Zustand, der erschreckend ist. Auf dem Weg zu dem wunderbar rekonstruierten Rokokosaal kommt man an einem verstaubten, einer Müllhalde ähnelnden Ausstellungsraum vorbei, den man, wenn man auf die Gästetoilette will, auf jeden Fall wahrnimmt. Der Gang durch den Marstall war von gähnender Leere geprägt. Beim Rokokosaal sah ich denn zum ersten Mal die sehr schönen rekonstruierten Räume, die wiederum durch ihre Leere erschreckend wirkten. Ich stellte mir an dieser Stelle die Frage, was ist mit der Curt Elschner Sammlung geschehen, die dort vorher ausgestellt war? Und: was will die Museumsleitung mit den leeren Räumen vermitteln? Könnte man nicht wenigstens den Ablauf der Bauarbeiten mit Bildern darstellen, damit man sich vom früheren Eindruck bis zum heutigen Tag ein positives Bild der geleisteten Arbeit machen kann? Auch einen durch Pfeile dargestellter Rundweg habe ich vermisst, was ich nur durch die Ortskenntnis aus früheren Besuchen ausgleichen konnte.

Im Bereich der Ausstellung im vorderen Stadtschloss Richtung Marktgasse fehlen durchweg die Beschriftungen der Ausstellungsstücke. Man hatte das Gefühl, man hat ein Lager betreten, denn es sah aus, wie hingestellt, statt ausgestellt. In jenem Teil der Ausstellung, der mir noch bekannt war, erkannte ich dann wieder die Handschrift ehemaliger Mitarbeiter, die eine Beschreibung der einzelnen Ausstellungsstücke mit ausgehangen hatten.

Was waren das noch für Zeiten, als die Berufsschüler der Medizinischen Fachschule Eisenach fachkompetent durch die alte Berkaer „Schwan-Apotheke“ geführt wurden! Oder die legendären Weihnachtsausstellungen mit Spielzeug und die „Museums-Plätzchen“, die mit Schülern Eisenacher Schulen gebacken wurden!

Ich bin kein Experte, aber ich denke, mit dem vorhandenen Sammlungsbestand, über den unser Museum verfügt, kann auch mit geringem Budget eine interessante Ausstellung aufgebaut werden. Warum nicht kulturelle und historische Themen der Stadt für interessante Ausstellungen im Schloss nutzen, z. B. in Ergänzung einer Wartburgausstellung (Carl Alexander im Kontext mit der Herzogin von Orleans)? Als Resümee sagte ich mir dann, der schönste Anblick vom Museum war der Blick aus dem Fenster auf den „grünen“ Markt.

Wenn ich im Vergleich an die Museen in Gotha denke, wo man ständig wechselnden Ausstellungen hat, kann man nur vor Neid erblassen.

Oder mit den Worten von Heinrich Heine in abgewandelter Form: „Denke ich an die Zukunft des Eisenacher Museum in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht“.

Helga Schlütter

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