Ein Verlies auf Rädern – Die Bürger für Eisenach haben den Storchenturm nachgebaut

Bildquelle: Bürger für Eisenach
Ein Denkmal für Fritz Erbe
Das Motto des diesjährigen Sommergewinns lautet „Bei uns vor dem Georgentor“. Wer einst von dort aus Richtung Stadtmauer blickte, konnte ihn sehen: den Storchenturm. Ein markanter Teil der Eisenacher Befestigungsanlage – und zugleich ein Ort, der untrennbar mit dem Namen Fritz Erbe verbunden ist, der hier von 1533 bis 1540 gefangen gehalten wurde.
Diese Geschichte greift die Freie Wählergemeinschaft Bürger für Eisenach in diesem Jahr auf. Die Idee zum Nachbau hatte Hubert Borchert. Entstanden ist ein detailreicher Festwagen, der den Turm auf einem fünfeckigen Fundament zeigt, ganz nah am historischen Vorbild. Über dem Dach thront ein Storchennest, samt Storch, der sich mithilfe einer raffinierten Mechanik sogar in die Lüfte erheben und wieder landen kann.
Auch an stimmungsvolle Details wurde gedacht. Eine mittelalterliche Hellebarde und ein schmiedeeiserner Fackelhalter unterstreichen das historische Ambiente. Während des Umzugs wird ein bewaffneter Wächter den Gefangenen im Turm bewachen. Beide Rollen übernehmen Mitglieder der Bürger für Eisenach – wer in welche Rolle schlüpft, bleibt allerdings noch ein gut gehütetes Geheimnis.
Zum Gesamtbild gehört auch der traditionelle Blumenschmuck des Festwagens, der gewissermaßen in Eigenleistung entstanden ist: Christel Bindel, Mitglied der Bürger für Eisenach, wirkt seit vielen Jahren bei den Blütenfrauen mit und bindet in sorgfältiger Handarbeit bunte Krepppapierblüten. So trägt auch sie dazu bei, dass der Wagen nicht nur historisch präzise, sondern zugleich farbenfroh und festlich gestaltet ist.
Die Rückwand des Wagens ziert ein großformatiges Foto der Kreuzkirche am alten Friedhof. Von dort aus bietet sich bis heute ein freier Blick auf den Storchenturm – eine Perspektive, die viele Eisenacher gut kennen.
Wochenlange Arbeit am Abend
Mehr als vier Wochen lang trafen sich die Mitglieder der Wählergemeinschaft Abend für Abend in der Werkstatt. „Wir haben von Montag bis Freitag jeden Tag gebaut“, berichtet Lutz Harseim, Sprecher der Bürger für Eisenach. Der Sommergewinn gehört für die Wählergemeinschaft seit Jahren fest dazu. Mit dem aktuellen Projekt rollt bereits der 22. Festwagen durch die Stadt, der vom BfE gebaut wurde.
Eigentlich, so erzählt Jürgen Harz, habe man nach dem 20. Wagen einen Schlussstrich ziehen wollen. Ein rundes Jubiläum schien ein passender Zeitpunkt zu sein – nicht zuletzt, weil die Beteiligten selbst sagen, dass sie alle nicht mehr die Jüngsten sind. Aber dann habe man sich spontan entschieden weiterzumachen. Die Freude am gemeinsamen Arbeiten und am Mitgestalten des Traditionsfestes überwog.
Auch Mathias Wolfgramm vom Vorstand der Sommergewinnszunft, weiß dieses Engagement zu schätzen. Er bedankt sich ausdrücklich bei den Bürgern für Eisenach für die Unterstützung – und lädt sie ein, auch weiter mitzuwirken: „Wir haben noch knapp vier Wochen zu tun, falls euch abends langweilig wird, seid ihr uns als Helfer jederzeit willkommen.“
