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Eisenach gedenkt Pogrom an jüdischer Bevölkerung im Jahr 1938

Bildquelle: © Stadt Eisenach/Ulrike Unger
Die Teilnehmenden der Gedenkveranstaltung legten an der Synagogen-Gedenkstätte Blumen nieder.

Am 9. November 1938 gab es auch in Eisenach einen verheerenden Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung der Stadt. Daran erinnern Jahr für Jahr zahlreiche Vertreter*innen von Vereinen, Verbänden und Institutionen an jedem 9. November.

Auch in diesem Jahr lud die Stadt Eisenach gemeinsam mit dem Evangelischen Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen, der katholischen Kirchgemeinde St. Elisabeth, dem Eisenacher Bündnis gegen Rechtsextremismus und dem Deutschen Gewerkschaftsbund zu einer Gedenkveranstaltung ein.

Den Auftakt bildete ab 17 Uhr ein gemeinsames Gedenken an der Synagogen-Gedenkstätte in der Karl-Marx-Straße.

Wir erleben gerade, wie wichtig und dringend es ist, an die Schande der Geschehnisse der Nacht vom 9. bis 10. November 1938 zu erinnern. Trotz aller Mahnungen nimmt der Antisemitismus weiter zu und breitet sich wie Gift in unserer Gesellschaft aus. Hass und Hetze werden in einem erschreckenden Ausmaß salonfähig und Jüdinnen und Juden müssen wieder Angst um ihr Leben haben. Hier mitten unter uns, im Jahr 2022, sagte Oberbürgermeisterin Katja Wolf in ihrer Gedenkrede.

Pfarrer Stephan Köhler der Evangelischen Kirchgemeinde Eisenach sprach einige geistliche Worte. Im Rahmen der Gedenkveranstaltung wurde im Beisein von Oleg Shevchenko als Vertreter der jüdischen Landesgemeinde Thüringen feierlich das Straßenschild der Synagogenstraße enthüllt.

Eine Straßenumbenennung in ihre alte Bezeichnung macht kein Unrecht wieder gut, sühnt kein Verbrechen. Aber es ist ein wichtiges Symbol, das zeigt, dass sich die Stadt Eisenach ihrer Geschichte stellt, so die Oberbürgermeisterin.

Synagogenstraße
Die Synagogenstraße wurde 1885 im Zuge der Einweihung der neuen Synagoge benannt. Vorher war dieser Abschnitt noch unbenannt. Bereits durch die Nationalsozialisten wurde der Bereich 1933 in Wilhelm-Rinkens-Straße umbenannt.

Die Wiederbenennung der Straße entstammt der Idee von Frank Rothe. In Gesprächen mit Freunden und auch im Bündnis gegen Rechtsextremismus Eisenach reifte die Idee. Auch wenn Eisenach keine Synagoge mehr hat, hat die Wiederbenennung eine große Symbolwirkung. Allein, wenn im Stadtplan der Name zu lesen ist, sagt das viel aus. Eisenach sieht sich als eine weltoffene Stadt, die das Feld nicht den rechten Gruppierungen überlassen möchte. Der Wunsch war, im Gedenken an 80 Jahre Deportation, dem südlichen Abschnitt der Wilhelm-Rinkens-Straße seinen ursprünglichen Namen zurückzugeben. Über das Bündnis gegen Rechtsextremismus wurde ein Antrag geschrieben und in die Parteien getragen. Der Stadtrat der Stadt Eisenach beschloss in seiner Sitzung am 4. Juli 2022 die Wiederbenennung der Synagogenstraße.

Gegen 17.45 Uhr begann der Gedenkmarsch in Richtung Bahnhof – entlang der Strecke, die hunderte jüdische Einwohner*innen Eisenachs im Mai 1942 auf dem Weg zu ihrer Deportation gehen mussten. Der Weg führt von der Synagogen-Gedenkstätte über die Karl-Marx-Straße und die Goethestraße. Hier wurde an der Villa Klebe der Deportation der jüdischen Bürger*innen der Stadt vor 80 Jahren gedacht. Im Anschluss wurde der Gedenkmarsch über die Schillerstraße und den Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) bis hin zum Bahnhof fortgesetzt. Dort wurde eine Gedenktafel enthüllt und mit einem Gebet von Pfarrer Dr. Christian Bock der Katholischen Kirchgemeinde Eisenach der Opfer des Pogroms und der Deportation gedacht.

Bildquelle: © Stadt Eisenach/Ulrike Unger
Enthüllen das neue Straßenschild „Synagogenstraße“: Stadtratsvorsitzender Philipp Hofmann (von links), Oberbürgermeisterin Katja Wolf, Frank Rothe (Bündnis gegen Rechtsextremismus Eisenach) und Oleg Shevchenko (Vertreter der jüdischen Landesgemeinde Thüringen).

Gedenktafel im Bahnhof
Die Idee für die Tafel entstand bereits im Herbst 2021 im Bündnis gegen Rechtsextremismus Eisenach. Sie soll den Bürger*innen der Stadt Eisenach, welche durch die Nationalsozialisten deportiert wurden, einen Namen geben. Im Hauptbahnhof befindet sich bereits eine Tafel zum Gedenken. Sie wurde durch die neue Tafel ergänzt. Gefertigt wurde die Gedenktafel von Handwerksmeister Hans-Peter Walther von der Gravieranstalt Walter aus Eisenach. Alle darauf befindlichen Namen wurden in der Zeit von März bis August 2022 zwischen Frank Rothe und Dr. Reinhold Brunner, Leiter des Fachbereichs Bildung, Jugend, Stadtentwicklung und Kultur, abgestimmt. Dieser beantragte daraufhin über den Eisenacher Geschichtsverein Lottomittel zur Finanzierung, welche im Juni 2022 durch die Staatskanzlei mittels Bewilligungsbescheid aus Lottomitteln in Höhe von 3500 Euro an den Geschichtsverein Eisenach zugesagt wurden. Die Entstehungskosten der neuen Tafel betragen insgesamt 3736,60 Euro.

Bildquelle: © Stadt Eisenach/Sophia Spangenberg
Im Eisenacher Bahnhof gibt es nun eine weitere Gedenktafel, die die Namen der von den Nationalsozialisten deportierten Eisenacher Bürger*innen trägt. Oberbürgermeisterin Katja Wolf (von links), Oleg Shevchenko von der jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Bahnhofsmanagerin Christine Kromke und Frank Rothe vom Bündnis gegen Rechtsextremismus Eisenach weihten die Tafel im Rahmen des Pogromgedenkens gemeinsam ein.

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