Finale im Streit um den nächsten Schulnetzplan
Wird der 20. Mai 2026 der schwärzeste Tag in der über Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte erfolgreichen Schulgeschichte unserer Stadt Eisenach?
Wird der Schildbürgerstreich aus meinem ersten Brief realisiert, werden die Bürger unserer Stadt, Touristen, Hergelaufene sich noch in 30 bis 40 Jahren fragen, wie war es möglich, dass der Oberbürgermeister mit seinen beratenden Verantwortlichen für Bildung und zuletzt die Mehrzahl der gewählten Stadträte sich für diesen Standort entschieden haben. Eine Schule – eingeschnürt in die stark befahrene Wartburgallee, dazu die Engstelle Grimmelgasse und die Gebäudestrukturen im nahen Umfeld. Lärm, hohe Emissionswerte, starke Sonneneinstrahlung und begrenzte Außenflächen sind tägliche Begleiter der Schüler und Lehrer im Unterrichtsprozess und der Pausengestaltung.
„Schulgebäude sind ein guter Seismograph für den gesellschaftlichen Stellenwert von Bildung“, so in den Leitlinien für Schulbauten in Deutschland. Leitlinien sollen im Prozess der Neugestaltung helfen, die besten Bedingungen für erfolgreiche Schule zu schaffen. Einer Mitbürgerin unserer Stadt antwortet der Oberbürgermeister auf ihren Brief, mit der Forderung die Schulnetzplanung sofort zu stoppen, mit folgender Formulierung: „Wir haben einen Vorschlag unterbreitet, wie wir ein großes, hochmodernes Gymnasium auf den Weg bringen am Standort Wartburgallee“.
Hier beginnen die Probleme: Am 08.07.2025 wird in einer Pressekonferenz zum Sachstandsbericht Gymnasien kein Vorschlag unterbreitet. Es war eine tolle, verblüffend gut organisierte Show mit der finalen Aussage zur Fusion und dem Ende des Standorts Nebestraße für das Elisabeth-Gymnasium. Allerdings schon im Mai 2025 wurde dieser Standort der Evangelischen Schulstiftung versprochen- das sollte kurzfristig geschehen.
Frage: Hatte der Oberbürgermeister für dieses Versprechen das Mandat des Stadtrats, es geht schließlich um ein städtisches, kein privates Gebäude, ein Haus, ein Standort, mit einer erfolgreichen Bildungseinrichtung.
Am 08.07.2025 erfolgte schon die Begutachtung der Örtlichkeit von Vertretern der Evangelischen Schulstiftung.
Alles, was dann folgte, hatte nur ein Ziel: die Evangelische Schulstiftung muss den Standort Nebestraße für ihren geplanten Schulneubau bekommen.
Die nun folgenden Veranstaltungen dienten als Mäntelchen für einen sogenannten, transparenten Prozess. Informationsveranstaltungen für Lehrer, Schulleiter; Einrichtung einer Steuergruppe, paritätisch besetzt mit Schulleitungen, Lehrkräfte, Eltern-, Schülervertretungen usw.
Alle Fragen sollten rechtzeitig geklärt werden, es sollten Lösungen gefunden werden. Das wirkte, wie gelebte Demokratie. Das Problem: am 08.07. / 09.07.2025 war schon alles in Sack und Tüten. Es gab nichts mehr zu klären. Diesen Eindruck hatten die am Prozess Beteiligten nach jeder „transparenten“ Veranstaltung und ihr Gestaltungswille verebbte allmählich.
Persönlich habe ich mit vielen Beteiligten dieses Geschehens gesprochen, wurde auch von vielen selbst zum Problem angesprochen. Das Ergebnis: nicht ein einziger Bürger dieser Stadt und auch Auswärtige haben JA gesagt zum Standort Wartburgallee; alle nannten die oben aufgelisteten Argumente, ergänzt mit Turnhalle, Anlage für Leichtathletik, zu kleiner Pausenhof u.v.m.
Die Gespräche mit Verantwortlichen der Stadt hatten natürlich ein anderes Ergebnis. Die Wichtigen der Stadt, Oberbürgermeister, Dezernent für Bildung usw., haben eigentlich nur 2 Argumente: Natürlich 2 sehr gewichtige- es geht um sehr viel versprochenes Geld (allerdings ursprünglich für einen anderen Zweck geplant) und um sich verringernde Schülerzahlen. Die erste Position hätte geklärt werden können, wenn der rechtzeitige Wille zu Gesprächen mit Mitgliedern der Landesregierung gesucht worden wäre. Ich habe auch hier positive Signale in meinen Unterredungen gehört. Die zu erzielende Schülerzahl von ca. 600 für das hochmoderne Gymnasium an der Wartburgallee wird erst 2046 erreicht.
Da bin ich wieder beim Schildbürgerstreich.
Ich versuche die wichtigste Erkenntnis meinerseits auf den Punkt zu bringen. Also mein Fazit:
- Die Schulkonferenzen beider Schulen befürworten die Fusion; aber nicht unter diesen Umständen, nicht in dieser Zeit. Sie erwarten und befürworten eine unabhängige Analyse zu Standortfragen (hier fehlen übrigens die Ergebnisse zur Standortklärung aus der vorhergehenden Schulnetzplanung und der versprochenen Überlegung zu einem Campus der Gymnasien).
Schulkonferenz: Hier entscheiden Lehrer, Schüler, Eltern.
- Im Prozess vom 08.07.2025 bis heute wurde sehr viel Porzellan zerschlagen, viel Vertrauen verspielt, mit Tricks, Halb- und Unwahrheiten.
Demokratisches Handeln sieht anders aus. Aber nur daran werden die gewählten Mitglieder der Stadtverwaltung und des Stadtrats gemessen.
- Mit dem vorliegenden Schulnetzplan wird das Ende einer Schule eingeleitet, die sich erfolgreich in die oben erwähnte Schulgeschichte eingereiht hat. Dieses Gymnasium, inhaltlich ausgerichtet auf die Ideale der Elisabeth von Thüringen und Hessen, 1991 gegründet, hat in kürzester Zeit Beachtung in ganz Deutschland erfahren und wurde für das herausragende Engagement bei der Organisation und Ausgestaltung der Treffen mit ehemaligen, jüdischen Bürgern und deren Enkeln vom Bundespräsidenten, Herrn Rau, gewürdigt und geehrt. Hervorragend auch die Mitwirkung der Schüler und Lehrer, Eltern, Handwerker in der Ausgestaltung des Projekts „Hilfe für Kinder in Gusev“. Das besondere Profil des Gymnasiums, ausgerichtet auf Naturwissenschaften, Sprachen, künstlerisch Gestalten, die lebendige Verbindung zum Theater, zum ThSV Eisenach und weiteren Sportvereinen, die Pflege der Schulpartnerschaft nach Sedan, die Teilnahme am ERASMUS-Programm war und ist für uns alle herausfordernd und dem wirklichen Leben angemessen.
Die Schüler würdigten dies und besonders die Abiturienten überreichten der Schule ein Dankesgeschenk. Ein Ergebnis: die stark beschädigte Fassade des Gebäudes in der Nebestraße konnte saniert werden.
- Ich empfehle den Mitgliedern des Stadtrats diesem Schulnetzplan, im Besonderen den Teil über Gymnasien, NICHT zuzustimmen. Prüfen Sie gewissenhaft die Argumente. Immer sollten Gewissen und Herz im Einklang sein. Und Volkeswille sollte über billiges Ansinnen und Vorgegaukeltes stehen.
Ihre Entscheidung sollte nachhaltig und mit Blick auf ein zukunftsfähiges Gymnasium an einem wohlüberlegten Standort mit besten Bedingungen für eine Fortschreibung unserer erfolgreichen Eisenacher Schulgeschichte sein.