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Gaswerk-Gelände: Rückbau alter Teergruben fast abgeschlossen

Auf dem Gelände des ehemaligen Eisenacher Gaswerkes ist der zweite Bauabschnitt zur Sanierung des Areals fast abgeschlossen. Im Januar dieses Jahres hatten die beauftragten Firmen BAUER Resources GmbH und Lobbe Industrieservice GmbH & Co KG mit den Arbeiten begonnen. Oberbürgermeisterin Katja Wolf stellte heute (17. Mai) den aktuellen Stand der Sanierungsarbeiten auf dem Gaswerkgelände vor.

Bereits im Januar 2018 waren im ersten Bauabschnitt alte Werksgebäude abgerissen worden, unter denen eine Teergrube bekannt war. Nach dem Abriss von zwei flachen Gebäuden und einer Schornsteinruine wurden 1.300 Tonnen kontaminierter Bauschutt und 70 Tonnen weitere Abfälle entsorgt. Anschließend sollte die mit Teerrückständen kontaminierte Betongrube (acht Meter im Durchmesser, vier Meter tief) fachgerecht geleert werden. Doch während der Abrissarbeiten fanden die Bauleute eine weitere acht Meter breite, 22 Meter lange und 2,2 Meter tiefe Teergrube sowie eine etwa 200 Quadratmeter große Fläche, auf der rund 600 Tonnen Gasreinigermasse zwei Meter hoch abgelagert war.

Um diese umfangreichen Rückstände der ehemaligen Gasfabrik fachgerecht entsorgen zu können, musste der vorhandene Sanierungsplan für die eine Teergrube erweitert und ergänzt werden.

Der Freistaat Thüringen hat dankenswerter Weise die projektbezogene Zuwendung nochmals um 855.000 Euro aufgestockt und unterstützte die Stadt beim Beseitigen dieser Altlasten mit insgesamt 1,355 Millionen Euro, betonte die Oberbürgermeisterin. Die Gesamtkosten sind mit rund 1,84 Millionen Euro veranschlagt.

Der nun fast abgeschlossene zweite Bauabschnitt umfasste das Leeren und den Rückbau der beiden Teergruben, die mit flüssigen bis pastösen Teerstoffen gefüllt waren. Während der Arbeiten wurde festgestellt, dass die runde Teergrube noch größer als erwartet war. Aus beiden Teergruben wurden zuerst 103 Tonnen eines Teer-Wasser-Gemischs mit Saugwagen abgepumpt. Im Anschluss wurden insgesamt 918 Tonnen Teerstoffe (57 Lkw-Ladungen) aus den Gruben geholt.

Darüber hinaus waren weitere 666 Tonnen verbrauchter Gasreinigermasse, die unterirdisch abgelagert waren, auszuheben und zu entsorgen. Auch hier stellte sich die zu sanierende Fläche als deutlich größer heraus. Zudem wurden unterirdisch noch mehrere Rohrleitungen gefunden, die früher zum Befüllen der Gruben genutzt wurden. Ob sich noch weitere Anlagen oder Behälter in oder unter den angrenzenden Gebäuden befinden, kann derzeit nur vermutet und im nächsten Bauabschnitt ergründet werden.

Erst nach dem Leeren der Gruben konnte schließlich mit dem Rückbau der Grubenbauwerke begonnen werden. Die Leerung und der Rückbau der größeren runden Teergrube waren wie geplant zum 18. April abgeschlossen, sodass die fünf eigens installierten Absenkbrunnen sowie die Grundwasseranlage außer Betrieb gehen konnten. Im Anschluss erfolgte noch der Rückbau des Bauwerkes der flacheren eckigen Teergrube.

Alle teerhaltigen Stoffe und kontaminierte Abfälle mussten unter besonderen Vorsichtsmaßnahmen behandelt und entsorgt werden. Dazu gehören neben den Vorschriften des Arbeits- und Emissionsschutzes auch ein ständiges Überwachen der Luftbelastung im Arbeitsbereich sowie eine lückenlose Dokumentation aller Arbeitsschritte. So mussten beispielsweise eine Schwarz-Weiß-Anlage und eine Reifenwaschanlage für Baufahrzeuge eingerichtet werden, die Fahrerkabinen der Baumaschinen mit Filter- bzw. Druckluftanlagen ausgestattet sein, die Baugrube kontinuierlich belüftet (Baugrubenbewetterung) sowie Schutzkleidung gegen flüssige Chemikalien und Atemschutz-Vollmasken benutzt werden. Die Bauüberwachung hatte die Pöyry Deutschland GmbH übernommen.

Außerdem wurde strikt darauf geachtet, dass das Grundwasser nicht weiter belastet und wenn nötig, gereinigt wird. Vor Baubeginn wurden deshalb fünf Absenkbrunnen eingerichtet, die das Grundwasser auf sieben Meter unter dem Gelände abgesenkten. Zudem wurde eine Aufbereitungsanlage samt Abwasserleitung für das geförderte Grundwasser installiert. Diese Anlagen zur Grundwasserreinigung waren bis Ende April in Betrieb und sind inzwischen wieder abgebaut.

Im letzten Schritt des zweiten Bauabschnitts wurden die Baugruben mit Schottermaterial und Erdreich wieder aufgefüllt. Zudem mussten auf der Freifläche noch mehrere, zusätzlich gefundene Fundamente (je etwa 50 Tonnen) beseitigt werden. Alle Erdarbeiten sind jetzt abgeschlossen. Derzeit sind noch Bauschutt und Bodenabfälle zu verladen und abzutransportieren. Die Arbeiten werden bis Mitte Juni 2019 dauern. Die Gesamtmaßnahme wird von der Abteilung Umwelt des Bau- und Umweltamtes der Stadt Eisenach fachlich betreut.

Wir werden diesen Sanierungsabschnitt wie geplant beenden können – sowohl in der Bauzeit wie auch im Rahmen der zur Verfügung stehenden Finanzmittel, sagte die Oberbürgermeisterin nach der Vorstellung des Arbeitstandes, und dies trotz unvorhersehbarer, zusätzlicher Arbeiten und zu entsorgender Mengen an kontaminierten Materialien.

Eisenacher Gaswerk
Seit Dezember 1898 war das zweite Eisenacher Gaswerk in der Gaswerkstraße 9 in Betrieb. Hergestellt wurde zunächst Leuchtgas für Straßenlaternen. Die Einführung des „Kochgases“ führte um 1910 zur Erweiterung des Werkes auf die doppelte Leistung. Gegen Ende der 20er Jahre wurde die bestehende Ofenanlage durch eine moderne Kammerofenanlage ersetzt. Sie ließ eine erhebliche Steigerung der Gasproduktion zu. Das Kochgas wurde aus Steinkohlegas gewonnen. Für den Kohletransport verfügte das Gaswerk über einen eigenen Gleisanschluss. Die Gasproduktion wurde bis zum Mai 1945 eingestellt. In den Betriebsjahren 1950 bis 1969 gab es viele Um- und Neubauten sowie Erweiterungsmaßnahmen. Das Eisenacher Gaswerk stellte 1982 seinen Betrieb ein, die technischen Anlagen waren verschlissen. Die Lage am Stadtrand, mit Gleisanschluss, war für eine Verlagerung des Kohlenhandels günstig. Dieser nutzte das Gelände bis 1992 als Ent- und Umladestation der Kohlezüge. Mit dem Ausbau des Ferngasnetzes und anderer Energieträger war der Bedarf für den Brennstoff Kohle in Eisenach stark rückläufig, der Kohlehandel wurde eingestellt. Als Industrieruine stellt das Werksgelände eine Sanierungsfläche dar. Wegen des fast 100-jährigen Betriebs des Gaswerkes und seiner teilweise immer noch bestehenden Betriebsanlagen ist es auf der Fläche zu massiven Schadstoffeinträgen in Boden und Grundwasser gekommen. Über das Grundwasser haben sich die Schadstoffe ausgebreitet. Die Schadstofffahne reicht inzwischen über das Gaswerkgelände hinaus.

Andrea T. | | Quelle:

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