Lutherhaus Eisenach seit 70 Jahren Museum der Evangelischen Kirche

Bildquelle: Anna-Lena Thamm – Lutherhaus Eisenach
Jubiläum mit freiem Eintritt, Mitmach-Angeboten und Geburtstagstorte
Am kommenden Sonntag (17. Mai) wird in Eisenach das Jubiläum 70 Jahre Lutherhaus als Museum der Evangelischen Kirche gefeiert. Zwischen 10 und 18 Uhr gibt es in dem international bekannten und mehrfach preisgekrönten Museum ein umfangreiches Programm für die ganze Familie mit Mitmach-Angeboten aus Luthers Werkstatt, Führungen und freiem Eintritt. Zum feierlichen Abschluss werden Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Dr. Michael Brodführer, Landrat des Wartburgkreises, und Christoph Ihling, Oberbürgermeister von Eisenach, gemeinsam mit Museumsdirektor Dr. Jochen Birkenmeier die Geburtstagstorte anschneiden.
Das Lutherhaus steht seit über 750 Jahren in Eisenach, ein Museum ist es aber erst seit 70 Jahren. Dessen Gründung im Mai 1956 gibt nun Anlass, Bestehen und Wirken der international bekannten Lutherstätte zu feiern. Als einer der letzten noch in kirchlicher Trägerschaft befindlichen Erinnerungsorte der Reformation steht das preisgekrönte Museum heute nicht nur für die zeitgemäße Vermittlung kulturhistorischer Inhalte, sondern auch für die selbstkritische Aufarbeitung der dunklen Kapitel der Kirchengeschichte.

Als die Wartburg und die Lutherstätten in Wittenberg unter die ideologische Kontrolle des SED-Staats gerieten, förderte der damalige Landesbischof Moritz Mitzenheim den Ankauf des Hauses, das zwischen 1898 und 1954 als reformationszeitliches Themenrestaurant („Lutherkeller“) und privater Luther-Gedenkort betrieben worden war. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen wollte so sicherstellen, dass die Erinnerung an Martin Luther und die Reformation nicht der kirchenfeindlichen Propaganda des sozialistischen Staates überlassen blieb. Mit der Ausstellung von Exponaten aus dem „Evangelischen Pfarrhausarchiv“ im Herzen des historischen Gebäudes begann so die eigentliche Museumsgeschichte.
Das Lutherhaus blieb in der Folge im kirchlichen Besitz und bot der Thüringer Landeskirche die einzigartige Möglichkeit, Ausstellungen zu kirchlichen Themen mit eigenen Akzenten und Sichtweisen zu präsentieren. Das Museum stellte fast über die gesamte Dauer der DDR einen Ort des kirchlichen Eigensinns und der christlichen Selbstbehauptung im atheistischen SED-Staat dar.
Heute beherbergt das Lutherhaus neben den berühmten Lutherstuben von 1356 auch die moderne Dauerausstellung „Luther und die Bibel“. Eindrucksvoll ist zu erfahren, wie, warum und mit wem Luther die Bibel übersetzte und welch enorme Wirkung die Lutherbibel in den letzten 500 Jahren auf Sprache, Literatur und Musik hatte. Weitere Ausstellungen des Hauses beschäftigen sich mit dem kirchlichen „Entjudungsinstitut“ während der NS-Zeit sowie mit dem Verhältnis zwischen Kirche und Staat in der frühen DDR. Im Innenhof zeigt das Museum die Skulptur „man in a cube“ des renommierten chinesischen Künstlers Ai Weiwei. Die erfolgreiche Impulsausstellung „Jugend, Gott und FDJ. Der Kampf der Kirchen in der frühen DDR“ wurde bis Ende 2026 verlängert.