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Neuer Sozialmonitor für Eisenach gibt Auskunft über soziale Lage der Stadt

Weg von gefühlten Problemlagen, hin zu einer fundierten, bedarfsgerechten Sozialplanung. Diesen Weg können Stadt, Verwaltung, lokale Akteure und die Politik jetzt mithilfe des neuen Sozialmonitors gehen. In dem 206 Seiten starken Bericht sind ausführliche, bis zu fünf und zehn Jahre zurückreichende Daten rund um die sozialen Lebensverhältnisse der Eisenacher enthalten. Das Nachschlagewerk garantiert eine einheitliche Datenbasis, soll die Arbeitsgrundlage für die gesamte Verwaltung sein und ämterübergreifend genutzt werden. Der Bericht ist einer von drei Schritten auf dem Weg zu einer integrierten Sozialplanung. Es folgen in Schritt zwei ein Lebenslagenbericht zur Kinder- und Jugendarmut (Sommer 2018) sowie als dritter Schritt eine Armutspräventionsstrategie (Sommer 2019).

Wie viele 1-Personen-Haushalte gibt es in Eisenach? In welchem Stadtteil leben die meisten Familien? Wie ist die Altersstruktur in den Eisenacher Ortsteilen? Welche erzieherischen Hilfen werden wie lange in Anspruch genommen? Welche Altersgruppe wächst am stärksten? Wie viele Haushalte haben ein niedriges Einkommen? Diese und viele andere Daten zur sozialen Lage der Stadt Eisenach beantwortet der neue Sozialmonitor. Oberbürgermeisterin Katja Wolf und Sozialdezernent Ingo Wachtmeister stellten den 206 Seiten langen Bericht heute (16. Januar) zusammen mit Astrid Weimer (Leiterin der Stabsstelle Soziale Stadt) und Christin Mäder (Sozialplanerin der Stabsstelle Soziale Stadt) in einem Pressegespräch vor.

Was für ein großer Gewinn der Sozialmonitor für die Stadt, die Verwaltung, lokale Akteure und die Politik ist, wird schnell klar. Auf 206 Seiten präsentiert er Daten zu den sozialen Lebensverhältnissen der Eisenacher Bürger.

Damit kommen wir weg von gefühlten Problemlagen und können mithilfe einer fundierten Datenbasis noch bedarfsgerechter planen, fasste Katja Wolf zusammen.

Das bedeutet nicht, dass die bisherigen Sozialplanungen an den Menschen vorbei gegangen sind.

Wir können jetzt anhand von einheitlichen Daten sehr viel genauer sehen, wo welche Angebote benötigt werden und unsere künftige Stadtentwicklung darauf ausrichten, so die Oberbürgermeisterin.

Sie setzt sich gemeinsam mit Ingo Wachtmeister dafür ein, dass der Sozialmonitor d a s Arbeitsinstrument aller Ämter innerhalb der Verwaltung wird. Wie in einer Datenbank können und sollen die Mitarbeiter unterschiedlicher Fachrichtungen ihre Daten aus dem Sozialmonitor entnehmen und somit alle mit denselben Daten arbeiten.

Ein Beispiel: In Eisenach soll ein neues Wohngebiet mit Einfamilienhäusern ausgewiesen werden. Die Stadtentwicklung kann vor der Aufstellung des Bebauungsplanes im Sozialmonitor nachschlagen, wie die Altersstruktur in dem Stadtteil ist, in dem das neue Wohngebiet entstehen soll. Ebenso kann abgeglichen werden, ob möglicherweise Kindergärten und Schulen in diesem Bereich fehlen und das Wohngebiet mit Einfamilienhäusern aufgrund des fehlenden Angebotes an anderer Stelle besser passen würde.

Der Sozialmonitor funktioniert wie ein Lexikon, in dem ich nachschlagen kann. Das ist für uns ein erster Schritt auf dem Weg zu einer integrierten kommunalen Berichterstattung, sagte Ingo Wachtmeister.

Hinzu kommt, dass aufgrund der bis zu fünf oder sogar zehn Jahre zurückreichenden Daten sogar Veränderungen und Trends ablesbar sind.

Ausgewählte Eisenacher Beispiele: In dem Bericht sind für die Stadt Eisenach Daten für folgende Themen aufgelistet: Bevölkerung, Familie, Kinderschutz und erzieherische Hilfen, Bildung und Betreuung, Wohnen, Gesundheit, Ökonomische Situation/Arbeitsmarkt, Kriminalität, Gesellschaftliche Teilhabe, Gleichstellung sowie Migration. „Zum Teil sind überraschende Erkenntnisse dabei herausgekommen und zum Teil ist bereits Geahntes mithilfe der Daten bestätigt worden“, so Katja Wolf. Beispielsweise waren im Berichtsjahr 2016 die meisten Privathaushalte in Eisenach alleinstehende Haushalte ohne Kinder – 17.333 von insgesamt 28.258 Privathaushalten in Eisenach. „Daraus lässt sich ableiten, dass wir in der Stadt einen großen Bedarf an Einraumwohnungen haben und unsere Wohnangebote darauf ausrichten müssen“, erklärte Katja Wolf. Denn der Sozialmonitor zeigt, dass Einraumwohnungen am wenigsten in Eisenach verfügbar sind. 2012 waren es 328, 2013 339, 2014 339, 2015 359 und 2016 gab es 360 Einraumwohnungen. „Sie machen am gesamten Wohnraumbestand der Stadt gerade einmal zwei Prozent aus. Das ist zu wenig“, so die Oberbürgermeisterin.

Ein überraschendes Ergebnis kam bei der Datenerhebung zum Thema Gleichstellung zutage.

Hier haben wir gesehen, dass bezüglich der Bildungssituation von Frauen erkennbar ist, dass in Eisenach kontinuierlich mehr Mädchen Abitur machen, sagte Ingo Wachtmeister.

2011/12 machten 74 Mädchen Abitur, 62 Jungen; 2012/13 waren es 69 Mädchen und 52 Jungen; 2013/14 waren es 82 Mädchen und 63 Jungen; 2015/16 112 Mädchen und 65 Jungen. Ebenso unerwartet ist das Ergebnis der Datenanalyse zur Altersstruktur in den Eisenacher Ortsteilen. Die meisten Bewohner in den Ortsteilen sind im Alter zwischen 25 und unter 55 Jahren. Demgegenüber sind nur wenige Ortsteilbewohner zwischen 18 und 25 Jahre alt.

Wenn also die Ortsteile für Jugendliche und junge Erwachsene attraktiv sein wollen, muss es vor Ort auch zielgruppengerechte Angebote geben, betonte Katja Wolf. Es ist unsere gemeinsame Aufgabe – Verwaltung, Politik und lokale Akteure – die richtigen Schlüsse auf Grundlage der vorliegenden Daten zu schließen und entsprechend zu handeln, sind sich Katja Wolf und Ingo Wachtmeister einig.

Die zukünftigen Planungen der Stadt werden sich daher am neuen Sozialmonitor orientieren und ziel- sowie ortsgerechter Angebote schaffen.

Informationen zum Sozialmonitor: Der Sozialmonitor ist im Rahmen des Projektes zur „Förderung der Kompetenz lokaler Akteure in der Armutsprävention“ entstanden. Er wird gefördert vom Freistaat Thüringen aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Im Hauptteil des Sozialmonitors wird die soziale Lage der Gesamtstadt Eisenach abgebildet. Daran anknüpfend werden einige Indikatoren aufgegriffen und kleinräumig betrachtet, um soziale Phänomene auch räumlich verorten zu können. Als letztes folgt ein interkommunaler Vergleich. Die zusammengetragenen Daten des Sozialmonitors stammen zum größten Teil vom Landesamt für Statistik sowie dem Thüringer Online Sozialstrukturatlas. Zusätzlich wurden Daten der Bundesagentur für Arbeit, des „Wegweiser Kommune“ sowie des Eisenacher Bürgerbüros, der Ausländerbehörde und des Jobcenters Eisenach verwendet.

Schlaglichter aus dem Sozialmonitor (Daten 2015/2016):

  • der größte Eisenacher Bevölkerungsteil ist zwischen 25 und unter 55 Jahren alt
  • bis 2035 wird der größte Zuwachs bei den 65-Jährigen und älteren erwartet
  • in Eisenach gibt es 2006 Alleinerziehenden Haushalte
  • in Eisenach leben 17.331 ledige Personen
  • 4448 Schüler lernen an allgemeinbildenden Schulen
  • in Eisenach gibt es 579 Wohnungen je 1000 Einwohner
  • 4017 Straftaten fanden statt
  • die meisten Tatverdächtigen sind 21 Jahre und älter
  • die häufigste Todesursache der Eisenacher sind Herz-Kreislauferkrankungen
  • 243 Ärzte praktizieren in der Wartburgstadt
  • das Jugendamt ergriff 40 vorläufige Schutzmaßnahmen – am häufigsten aufgrund Überforderung der Eltern
  • 494 Langzeitarbeitslose sind in Eisenach registriert
  • 56,9 Prozent der Haushalte haben ein niedriges Einkommen
  • die Frauenbeschäftigungsquote in Eisenach steigt
  • die stärkste Altersgruppe in den Ortsteilen ist die im Alter von 25 bis unter 65 Jahren
  • die meisten Ausländer leben im Bereich Nordplatz
  • unter den Eisenacher Vereinen sind die Sportvereine am häufigsten vertreten
  • der Eisenacher Bevölkerungszuwachs liegt über dem Thüringer Schnitt

Andrea T. | | Quelle:

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