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Plätze im Waldorfkindergarten waren begehrt

Holzklötze, Tücher und Kastanien ersetzen Legosteine, Matchboxautos und Barbies. Die Brötchen zum Frühstück werden selbst gebacken, im Garten wächst eigenes Gemüse und Ausflüge führen zu jeder Jahreszeit in den Wald. Das sind nur einige Kennzeichen des «Waldorfkindergarten Eisenach», der am 5. Oktober im Eichrodter Weg eröffnet wurde.

Bereits vor drei Jahren wurde in der Wartburgstadt ein Verein mit dem Ziel gegründet, eine Tagesstätte auf Grundlage der Pädagogik Rudolf Steiners zu eröffnen. Nachdem die Verwaltung zunächst nichts im Bedarfsplan frei hatte, wurde Anfang dieses Jahres signalisiert, dass im Herbst neue Plätze gebraucht werden. Da im Rahmen der Waldorfschule so kurzfristig keine Räume zur Verfügung standen, erklärte sich eine Familie bereit, das Erdgeschoss ihres Hauses anzubieten.
Die 1895 gebaute «Villa Therese» (Eichroder Weg) liegt idyllisch am Waldrand und ist trotzdem zentrumsnah, zudem ist ein großes Grundstück nutzbar – ideale Bedingungen für den Kindergarten. Die Vereinsmitglieder haben die ehemalige Wohnung größtenteils in Eigenleistung saniert. Strenge Vorschriften mussten eingehalten werden, unter anderem um den Brandschutz zu gewährleisten, und jedem Kind mindestens zweieinhalb Quadratmeter Fläche anzubieten. Ein Gruppenraum, eine Teeküche und Toiletten sind entstanden. Der Aufwand war enorm, beispielsweise für Ausschachten, einen weiteren Eingang schaffen, Verputzen und Malern. Arbeiten wie das Erneuern der Elektro- und Sanitäranlagen sowie Einbauen einer Fußbodenheizung wurden durch Fachleute übernommen. Zum Schluss kamen allein ehrenamtlich mehr als 2000 Arbeitsstunden zusammen, wobei auch Kinder fleißig mithalfen.
Die Eltern investierten so viel Zeit und Arbeit, weil sie von der Waldorfpädagogik überzeugt sind. Dabei wird davon ausgegangen, dass die ersten Jahre sehr entscheidend für ein Kind sind, da es durch seine Tätigkeiten und Gefühle das Gehirn entwickelt. Je differenzierter das Tun ist, umso mehr wird die Intelligenz gefördert. Deshalb sollen die Kinder soviel wie möglich selbst machen – beispielsweise backen sie die Brötchen für ihr Frühstück, versorgen Beete und bereiten Feste vor. Das Erlernen von Zusammenhängen ist besonders wichtig, sodass sie beispielsweise den Weg vom Korn bis zum Brot in allen Schritten nachvollziehen können. Dabei sollen sie auch wertschätzen lernen, was die Natur bedeutet, und durch tägliche Aufenthalte im Wald wird das Erleben der Jahreszeiten ermöglicht.
Um ihnen eine Vielfalt an Eindrücken zu bieten, wird weitgehend auf fertiges Spielzeug verzichtet. Stattdessen sind zahlreiche einfache Materialien im Angebot, die durch die Fantasie des Kindes gestaltet werden. Da ist ein Bauklotz mal ein Handy, mal ein Auto und mal ein Bügeleisen, so die Erfahrung. Die Grundsätze, die in der Waldorfpädagogik seit Jahrzehnten gelten, wurden durch neueste Ergebnisse der Hirnforschung bestätigt.
Der Kindergarten «Wurzelkinder» ist mit 17 Plätzen zunächst ausgelastet, aber Eltern können ihre Kinder auf Wartelisten vermerken lassen. Die Betreuung ist von 6.30 bis 17 Uhr angedacht, kann nach Bedarf aber auch geändert werden. Der Elternbeitrag liegt ab dem gesetzlichen Anspruch ebenso hoch wie in den anderen städtischen Einrichtungen.
Neue Vereinsmitglieder sind jederzeit willkommen, ebenso wie Sach- oder Geldspenden, wofür Quittungen ausgestellt werden können. Zudem wäre es vorstellbar, dass Betriebe oder Einrichtungen, denen die Erziehung von Kindern am Herzen liegt, Patenschaften übernehmen.
Spendenkonto: VR-Bank Eisenach, BLZ 82064088, Konto 6599338, Verwendungszweck «Sterntaler»

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