Pogromgedenken in Eisenach

Bildquelle: © Stadt Eisenach/Birgit Schellbach – Rund 200 Menschen gedenken an der Eisenacher Synagogen-Gedenkstätte der Geschehnisse der Pogromnacht.
Rund 200 Menschen haben am 9. November an der Synagogen-Gedenkstätte in Eisenach der Geschehnisse der Pogromnacht von 1938 und der Verfolgung, Vertreibung und Ermordung von Jüdinnen und Juden gedacht. Oberbürgermeister Christoph Ihling betonte in seiner Rede die historische Bedeutung der Eisenacher Synagoge, die 1885 eingeweiht wurde: „Die 140 Jahre erinnern uns daran, dass jüdisches Leben Teil unserer städtischen Geschichte und Identität ist. Unsere Stadt trägt die Verantwortung, die Erinnerung lebendig zu halten – in den Schulen, an den Orten des Gedenkens und im täglichen Miteinander.“
In der Pogromnacht 1938 wurde die Eisenacher Synagoge bis auf die Grundmauern zerstört. Max von Trott vom Bündnis gegen Rechtsextremismus fand eindringliche Worte dafür, wie es den Nazis gelungen ist, die Angst gegen Jüdinnen und Juden zu schüren. Heute sei es wieder wichtig, Antisemitismus, Hass und Ausgrenzung entgegenzutreten.
Pfarrer Dr. Christian Bock lud zum Moment der Stille und zur persönlichen Fürbitte ein.

Gedicht, Musik und Blumen
Zwei Schülerinnen der Goetheschule und eine Vertreterin der „Omas gegen Rechts“ trugen das Gedicht „Ich will leben“ von Selma Meerbaum-Eisinger vor. Als verfolgte Jüdin ist die begabte Lyrikerin im Alter von 18 Jahren in einem Zwangsarbeitslager an Fleckfieber gestorben.
Für die musikalische Umrahmung sorgte Saxophonist Martin Scholz. Teilnehmerinnen und Teilnehmer legten Blumen an der Synagogen-Gedenkstätte nieder. Anschließend zogen sie zum Hauptbahnhof – auf dem Weg, den auch die Eisenacher Jüdinnen und Juden nehmen mussten, als sie aus der Stadt vertrieben und in die Vernichtungslager deportiert worden sind.
An der Gedenktafel in der Bahnhofshalle erinnerte Pfarrer Armin Pöhlmann an das millionenfache Leid der Opfer des Nationalsozialismus und lud zum gemeinsamen Gebet ein. Die musikalische Begleitung gestaltete Malik Alkhalifa mit einer Klangschale.
Das Pogromgedenken ist eine gemeinschaftliche Veranstaltung der Stadt Eisenach mit dem evangelischen Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen, der katholischen Kirchgemeinde St. Elisabeth, dem Eisenacher Bündnis gegen Rechtsextremismus und dem Deutschen Gewerkschaftsbund.