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Reger Ausstausch zur Podiumsdiskussion zum Thema „Welche Sprache spricht Gott“

Exzellenzcluster Religion & Politik

Zum Abschluss des Jubiläums „500 Jahre Bibelübersetzung“ organisierte die Stadt Eisenach in Kooperation mit dem Exzellenzcluster Politik und Religion der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster die öffentliche Podiumsdiskussion „Welche Sprache spricht Gott?“. Prof. Dr. Holger Strutwolf und Prof. Dr. Dr. h.c. Hubert Wolf – beide lehren an der Universität Münster – referierten am vergangenen Freitag, 14. Oktober 2022, im Ehrhardt-Saal des Museums „automobile welt eisenach“. Die Gesprächspartner könnten unterschiedlicher kaum sein: Während Prof. Dr. Hubert Wolf Kirchengeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät unterrichtet, geht der Kirchenhistoriker und neutestamentliche Textforscher Prof. Dr. Holger Strutwolf der Frage aus evangelischer Sicht nach. Letzterer ist auch als Leiter des Bibelmuseums Münster bekannt.

Im Namen von Oberbürgermeisterin Katja Wolf begrüßte Bürgermeister Christoph Ihling die Gäste. Er erinnerte daran, dass im Rahmen des Jubiläums „500 Jahre Bibelübersetzung“ bereits zwei bemerkenswerte Projekte gemeinsam mit Partnern aus Münster in Eisenach durchgeführt wurden: Die Ausstellung „Übersetzen“ der Kunstakademie Münster im Mai und Juni sowie die Schülerakademie „Zwischen Poltern und Poesie“ in Zusammenarbeit mit der Akademie Franz Hitze Haus im September.

Münster als Ort des Westfälischen Friedens, der den 30-jährigen Krieg beendete, und Eisenach als authentischer Wirkungsort Dr. Martin Luthers passen hervorragend zueinander, sagte Bürgermeister Christoph Ihling.

Der Journalist Jörg Vins moderierte die lebhafte Diskussion, die immer wieder durch Video-Einspielungen aufgelockert wurde.Neben theologischen und kirchengeschichtlichen Details konzentrierten sich die Redner auf das Verhältnis, das evangelische und katholische Christen zur Bibel allgemein haben.

Für Katholiken sprach Gott bis 1962 Latein, sagte Prof. Dr. Hubert Wolf etwas zugespitzt und spielte damit darauf an, dass erst nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil der katholische Gottesdienst in deutscher Sprache abgehalten werden durfte.

Er eröffnete damit einen durchaus respektvollen Schlagabtausch mit seinem evangelischen Kollegen. Denn die evangelische Kirche ist von je her Luthers Bibelübersetzung in Deutsch stark verbunden.

In der evangelischen Tradition ist die Bibel ein Hausbuch, also das Buch, das zuhause gelesen wird, erklärte Prof. Dr. Holger Strutwolf.

Voneinander lernen kann nur, wer miteinander streitet

Im Fazit wurde deutlich: Martin Luthers Übersetzung des Neuen Testaments war nicht nur eine sprachliche Meisterleistung, sondern ein kirchenpolitischer Akt – immerhin leitete sie die Abspaltung der evangelischen von der katholischen Kirche ein. Unversöhnlich gingen die Gesprächspartner dennoch nicht auseinander. Im besten Fall finden Anhänger*innen unterschiedlicher Religionen im Dialog und in der Hingabe ihres jeweils eigenen Gottesverständnisses zueinander. So näherten sich die beiden Wissenschaftler im Laufe des Gesprächs im Sinne eines ökumenischen Lernprozesses einander an.

Lernen kann man aber nur, wenn man den anderen kennenlernt – und wenn man ab und an gemeinsam streitet, sagte Katholik Prof. Dr. Hubert Wolf abschließend.

Beim Empfang im Anschluss ließen die Gäste die Eindrücke des Abends auf sich wirken. Die Veranstaltung schließt den Veranstaltungsreigen der Stadt Eisenach zum Jubiläum „500 Jahre Bibelübersetzung auf der Wartburg“ ab. Der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Eisenach-Gerstungen sowie die Katholische Pfarrei St. Elisabeth in Eisenach unterstützten die Podiumsdiskussion. Einen Überblick zum Themenjahr „Welt Übersetzen“ finden Sie hier: https://www.eisenach.de/kultur/welt-uebersetzen-2022/

Hintergrund Im Jahr 1904 hatte der Papst zum letzten Mal das Verbot ausgesprochen, dass katholische Christen keine Bibel in ihrer Landessprache besitzen durften. Luther hingegen stand bereits vor 500 Jahren dafür ein, dass die Bibelübersetzung von den Menschen verstanden werden sollte und nahm sich daher zum Maßstab, bei seiner Übersetzungsarbeit „dem Volk aufs Maul“ zu schauen. Diese jeweils unterschiedliche theologische Tradition wirkte in die Lebenswirklichkeit der Gläubigen hinein und prägte die beiden Kirchen über Jahrhunderte. Das Themenjahr „Welt Übersetzen“ greift die Bibelübersetzung Martin Luthers auf und stellt insbesondere deren sprachliche Wirkmacht sowie die Auswirkungen bis heute in den Vordergrund.

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