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Bildquelle: © Stadt Eisenach

Sanierungsarbeiten am „Stern“ laufen

Städtebaulicher Missstand wird beseitigt: Jugendstilsaal wird erhalten

Die am Gebäude der ehemaligen Traditionsgaststätte „Stern“ in der Kasseler Straße aufgestellten Gerüste machen deutlich, dass die Sicherungsarbeiten weiter gehen. Der unter Denkmalschutz stehende Jugendstilsaal soll durch die Sanierung der vom Schwamm befallenen Hölzer und einer neuen Dacheindeckung gesichert werden. Oberbürgermeisterin Katja Wolf machte sich heute (4. Juli) vor Ort ein Bild von den Sicherungsarbeiten. Architektin Kerstin Rolf erläuterte, dass die Arbeiten am denkmalgeschützten Saal vom Architekturbüro „die bauhütte“ aus Mühlhausen begleitet werden. Nach einem öffentlichen Vergabeverfahren sind Gerüstbau-, Dachdecker-, Zimmer- und Maurerarbeiten ebenso vergeben worden wie Rückbauarbeiten und restauratorische Leistungen.

Im Ergebnis wurden Aufträge mit einem Gesamtvolumen in Höhe von 172.000 Euro Brutto vergeben, fasste Katja Wolf zusammen.

Nachdem die Gerüste am Saal stehen, geht es aktuell mit Zimmerer- und Dachdeckergewerken weiter, die ihre Arbeiten aufgenommen haben. Parallel hierzu erfolgen die Vorbereitungen zum Rückbau des Vorderhauses sowie die Sicherung der Malereien des Saales. Nach dem Rückbau des Vorderhauses sollen hier die Archäologischen Untersuchungen beginnen. Aufgrund der historischen Bausubstanz kann der Umfang der Arbeiten derzeit noch nicht genau beziffert werden. Vorläufig ist geplant, die Sicherungsarbeiten am Saal im vierten Quartal 2019 abzuschließen.

Für uns war klar, dass wir als Stadt das Vorkaufsrecht nutzen. Der Stern ist ein Eisenacher Kulturdenkmal, das es zu erhalten gilt, betonte Katja Wolf.

Stern-Außenansicht (von links): Oberbürgermeisterin Katja Wolf, Architektin Kerstin Rolf und Christian Bätzel (Hochbauingenieur Amt für Tiefbau und Grünflächen, Stadt Eisenach).

Foto: © Stadt Eisenach • (von links): Oberbürgermeisterin Katja Wolf, Architektin Kerstin Rolf und Christian Bätzel (Hochbauingenieur Amt für Tiefbau und Grünflächen, Stadt Eisenach).

Die Stadt übernimmt die Sicherung des Saalbaus. Die Gebäude in der Kasseler Straße 1 sind seit langem ein städtebaulicher Missstand im Stadtbild. Teilweise müssen Gebäudeteile abgerissen werden. Zu beachten ist, dass sich das Grundstück im Erhaltungssatzungsgebiet Georgenvorstadt und im Sanierungsgebiet Katharinenstraße befindet. Auch deshalb kann die Stadt auf verschiedene Förderprogramme zurückgreifen, aus denen die Sanierungsarbeiten finanziert werden.

Ist das Vordergebäude erst einmal abgerissen und das Saalgebäude frei gestellt, werden die Malereien und Jugendstilstuckaturen im Saal gesichert. Das heißt, dass die Gemälde und die Stuckelemente konserviert werden, so dass diese bei den Baumaßnahmen nicht zu Schaden kommen. Dies ist abhängig von der Beschaffenheit des Untergrunds, des bestehenden Schädigungsgrades und der Lage der Elemente. Zu sehen sind im Jugendstilsaal Malereien der Art déco (französisch für dekorative Kunst, 1920-1940). Der Eisenacher Jugendstilsaal ist einer der wenigen Säle, in denen eine solche Malerei vollständig ist.

Im Anschluss daran geht es an die Statik. Die Gebäudesubstanz des Saales muss ertüchtigt werden. Für diese Arbeiten gibt es Fördermittel in Höhe von 275.600 Euro aus dem Städtebauförderprogramm Stadtumbau. Die Bundes- und Landesmittel finanzieren die Sicherungsarbeiten zu 100 Prozent, so dass ein städtischer Eigenanteil entfällt.

Foto: © Stadt Eisenach

Archäologische Untersuchungen
Im Rahmen von bauhistorischen Untersuchungen wurde festgestellt, dass sich das heutige Grundstück Kasseler Straße 1 auf dem ehemaligen Zisterzienserinnenkloster St. Katharina befindet. Vermutlich befinden sich Überreste der Klosterbebauung aus dem 13. Jahrhundert und erhebliche archäologische Befunde unterhalb des heutigen Bodenniveaus. Die Stadt Eisenach wird in Zusammenarbeit mit dem Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie gemäß der denkmalschutzrechtlichen Erlaubnis archäologische Untersuchungen und bodendenkmalpflegerischen Arbeiten durchführen lassen. Dazu werden in diesem Jahr die archäologisch relevanten Strukturen und Funde frei gelegt, dokumentiert, gesichert, gereinigt und inventarisiert. Die archäologischen Untersuchungen werden zeitgleich mit der Sicherung des Saalgebäudes gemacht und mit 67.000 Euro Städtebaufördermittel aus dem Bund-Länder-Programm Städtebaulicher Denkmalschutz unterstützt, wovon die Stadt einen Anteil von 22.000 Euro trägt. Mithilfe von Haushaltsmitteln der Stadt Eisenach in Höhe von 50.000 Euro wird der Rückbau von einzelnen, nicht zu erhaltenden Gebäudeteile vorgenommen.

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Zum „Stern“:
Das 1906 errichtete Gebäude „Stern“ in der Kasseler Straße beherbergte einen Gasthof. Bis zu DDR-Zeiten bewirtschafteten zahlreiche Besitzer und Pächter das Objekt. Auch Kommersch-Abende des Sommergewinns fanden in dem Jugendstilsaal statt, den nach der Wende ein Möbelhaus nutzte. Danach stand der „Stern“ leer. Einmal gab es noch ein großes Konzert der Band „Northern Lite“. Ideen zum Erhalt des „Stern“ scheiterten. Im Dezember 2016 übte die Stadt Eisenach ihr Vorkaufsrecht aus, um den Erhalt des Kulturdenkmals zu ermöglichen. Die Stadt ist derzeit Besitzerin der Immobilie.

Foto: © Stadt Eisenach

Andrea T. | | Quelle:

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