Leserbrief:
Soziale Schieflage im Wartburgkreis: Wenn Gewerkschaften die Spaltung weiter vorantreiben

Bildquelle: Werbeagentur Frank Bode GmbH
Die NGG (Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten) Thüringen hat in einem Punkt recht: Die Schieflage ist real. Doch die Diagnose greift zu kurz. Die eigentliche Ursache sozialer Ungleichheit liegt nicht beim Unternehmer, nicht bei der Dividende und nicht beim Ehegattensplitting. Sie liegt in Berlin und Brüssel – in Ministerien, die Arbeit systematisch verteuern, Energie politisch rationieren und Betriebe mit Berichtspflichten überziehen.
Im Wartburgkreis stehen 58.800 Beschäftigte nicht gegen 23 Einkommensmillionäre. Sie stehen gemeinsam gegen eine Politik, die jeden Arbeitsplatz mit einem Abgabenkeil von 49,3 Prozent belegt – dem zweithöchsten Wert unter 38 OECD-Ländern. Er trifft die Lohnabrechnung des Facharbeiters in Eisenach, den Handwerksbetrieb in Bad Salzungen, den Gastronomen in Dermbach.
Dass im Wartburgkreis 23 Einkommensmillionäre existieren wird skandalisiert. Doch woher stammt die Unterstellung der NGG, diese Menschen hätten ihr Vermögen „fast mühelos durch Börsengewinne und Dividenden” angehäuft? Wahrscheinlicher ist: Es handelt sich um Unternehmer, die mit persönlichem Risiko, privatem Kapital und jahrelanger Arbeit Betriebe aufgebaut haben – und dabei Arbeitsplätze geschaffen haben, von denen viele der 58.800 Beschäftigten im Wartburgkreis leben. Wer diese Leistung pauschal als mühelosen Kapitalertrag abtut, betreibt Klassenkampf-Rhetorik, keine Analyse.
Die NGG beklagt, dass Arbeit mit 43 Prozent belastet wird, während Kapitaleinkünfte nur 25 Prozent zahlen. Diese Zahl ist richtig – die Schlussfolgerung ist falsch. Die Antwort kann nicht sein, Kapital noch stärker zu besteuern und damit Investitionen und Arbeitsplätze von morgen zu vertreiben. Die Antwort muss sein: Arbeit endlich zu entlasten. Wer Kapital auf das Niveau von Arbeit hebt, schafft keine Gerechtigkeit. Er schafft Gleichheit im Abstieg.
Die verschwiegenen Kostentreiber sind konkret: Der Gesamtsozialversicherungsbeitrag liegt 2026 bei 42,3 Prozent. Das Energieeffizienzgesetz deckt den Gesamtenergieverbrauch so rigide, dass die Wirtschaft laut ifo-Institut bis 2030 um 14 Prozent schrumpfen müsste. Die Bürokratiekosten betragen 64 Milliarden Euro jährlich. Das ifo-Beschäftigungsbarometer sank im April 2026 auf den tiefsten Stand seit Mai 2020 – über drei Millionen Menschen sind arbeitslos, 77.000 mehr als im Vorjahr.
Ein echter „Tag der Arbeit” 2026 wäre der Tag, an dem Gewerkschaften aufhören, mehr Staat als Lösung zu fordern – und anfangen, den Staat als Teil des Problems zu benennen. Denn der größte stille Profiteur jeder deutschen Lohnabrechnung sitzt nicht im Büro des Unternehmers. Er sitzt in Berlin, erhöht ständig weiter die Ausgaben, schwächt die Wirtschaft und vernichtet Arbeitsplätze. Aber den Gewerkschaften fällt wieder einmal nicht besseres ein, als mit Klassenkampfrhetorik Spaltung zu betreiben.