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Stadtführung mal anders

Zur Umsetzung des Lokalen Aktionsplan «Vielfalt tut gut» Eisenach und Wutha-Farnroda, gefördert vom Bundesprogramm „TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN“, entstand in Kooperation mit dem Trägerverein Bühne Schlachthof Eisenach e.V. und dem Verein Eisenacher Gästeführer e. V.ein weiteres Einzelprojekt zum Thema:

«Stadtführung in Eisenach mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern innerhalb eines Orientierungs-
Sprachkurses erarbeitet und erlebt»

Menschen aus unterschiedlichen Ländern der Erde, aus verschiedenen Kulturen mit unterschiedlicher sozialer Herkunft, Weltanschauung und Religion friedlich und fröhlich vereint an einem Tisch – das ist keine schöne Utopie, sondern Realität und das mitten in Eisenach.

Nach einem ca. 6-monatigen Sprachkurs am Bildungsinstitut «Sprache & Bildung», wo Lehrkräfte mit viel Engagement und Einfühlungsvermögen seit vielen Jahren Migrantinnen und Migranten Kenntnisse der deutschen Sprache und Kultur vermitteln, fiel der Abschied allen sichtbar schwer.

Neu war an diesem Kurs der letzte Teil, ein zweiwöchiger Orientierungskurs in der Zeit vom 8. bis 23.10.2012, der gemeinsam mit dem Verein Eisenacher Gästeführer e. V. gestaltet wurde.

Die acht Gästeführerinnen (Helga Stange, Ina Conrad, Margit Stephan, Cornelia Braun, Stefanie Ruhkamp, Renate Ridlewsky, Ulrike Frank, Alexandra Husemeyer) hatten für die Vermittlung der Stadtgeschichte eine ganz andere Vorgehensweise als sonst gewählt: in kleinen Schritten und mit vielen Bildern. Am Anfang stand ein Stadtrundgang, bei dem die Teilnehmer die Stadt mit ihren eigenen Augen entdeckten und für sie interessante Dinge mit dem Fotoapparat festhielten. Diese Fotos und andere Illustrationen waren dann Grundlage für 4 Workshops, bei denen in kleinen Arbeitsgruppen Geschichte und Sehenswürdigkeiten der Stadt so anschaulich wie möglich besprochen wurden. Themen waren nicht nur die Sehenswürdigkeiten der Stadt und die großen Persönlichkeiten der Weltgeschichte, die sich hier aufgehalten haben, sondern z. B. auch das Leben in der DDR und die in der Stadt verlegten «Stolpersteine».

Zum Projekt gehörte auch ein Museumsbesuch, der mit freundlicher Unterstützung von Wartburg-Stiftung, Bachhaus und «automobile welt» erfolgte. Die 22 Kursteilnehmer, die aus 12 verschiedenen Ländern stammen (Brasilien, Russland, Indien, Spanien, Thailand, Tschechien, Vietnam, Rumänien, Lettland, Türkei, Afghanistan, Jemen), fertigten persönliche Arbeitsmappen an, die teilweise mit sehr viel Liebe gestaltet wurden. Neben Notizen fanden darin Flyer, Stadtplan und Fotos Einzug sowie eine besonders gestaltete Seite mit dem «Favoriten». Das ist der jeweilige Ort in Eisenach oder die Person, die den Teilnehmer am besten gefällt, wie beispielsweise die Wartburg, der Panoramaweg oder die heilige Elisabeth.

Am Ende des Projekts wurden die Rollen getauscht. Die Kursteilnehmer waren nun die Stadtführer und die Stadtführer waren die Gäste. Bei einem Abschlussrundgang durch die Stadt lauschten sie den Ausführungen ihrer «Schützlinge», die mit viel Eifer und Freude bei der Sache waren.

In dem Projekt ging es um weit mehr als bloße Vermittlung von Geschichte. Ziel der Stadtführerinnen war es auch, den Migrantinnen und Migranten das Einleben in eine neue Umgebung und zum Teil auch Kultur zu erleichtern. Sie haben so in ihrer aufgeschlossenen freundlichen Art einen schönen Beitrag zur interkulturellen Verständigung geleistet.

Ein gelungenes Projekt, für beide Seiten bereichernd und nicht die letzte Aktion dieser Art.

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