Von der Schulbank bis zum neuen Job

Bildquelle: dbi – Mit knapp 1.000 Besuchern ging die Messe zuende. Die Werner-Assmann-Halle war zum zweiten Mal Veranstaltungsort der Messe, zu der auch erstmals viele Schüler gekommen sind.
980 Besucher kamen am Mittwoch zur 13. Berufe-Messe „Let’s talk about…“ nach Eisenach. 60 Unternehmen und Einrichtungen aus Stadt und Wartburgkreis waren dabei – und einige gingen mit mehr nach Hause als nur mit neuen Kontakten.
Eisenach. Zwei Bewerbungsgespräche sind schon verabredet. Damit geht das Team von Adecco am Mittwochnachmittag von der Berufe-Messe. „Da sind sehr viele interessante Gespräche gelaufen“, sagt Herr Quent. „Wir sind durchaus zufrieden.“
Ein paar Stände weiter ist man beim Deutschen Roten Kreuz über etwas anderes erstaunt: Viele Besucher haben ihre Bewerbungsunterlagen gleich mitgebracht. Nicht nur schauen, nicht nur fragen – sondern gleich Nägel mit Köpfen machen. Auch für die Netzwerkarbeit sei der Tag spannend gewesen, freut sich Herr Fuckel.
980 Menschen kamen zur inzwischen 13. Ausgabe von „Let’s talk about…“. Ihnen gegenüber standen 60 Aussteller aus Eisenach und dem Wartburgkreis. Große Unternehmen waren darunter, kleinere Betriebe, Schulen, Kliniken, Behörden, Personaldienstleister und soziale Einrichtungen.

Die Messe ist einmal mit einem deutlich kleineren Fokus gestartet. Die Idee: Menschen mit Migrationsgeschichte und Arbeitgeber aus der Region an einen Tisch bringen. Organisiert wird sie vom Diakonischen Bildungsinstitut Johannes Falk im Rahmen der Richtlinie Integration des Thüringer Bildungsministeriums, unterstützt von Agentur für Arbeit, dem Jobcenter und dem Bildungsträger SBH.
Der Gedanke von damals ist noch da. Nur ist das Publikum längst breiter geworden. Das war in diesem Jahr kaum zu übersehen. Viele Schüler waren unterwegs, daneben Menschen auf Jobsuche, Hilfskräfte, Fachkräfte und Besucher mit ausländischen Berufsabschlüssen. Manche wollten wissen, welche Ausbildung zu ihnen passt. Andere suchten ganz konkret eine feste Stelle.

Thomas Rübsam von Fresenius hatte mit dieser Mischung so nicht gerechnet. Sein Unternehmen brauche vor allem Mitarbeiter, keine Auszubildenden. Entsprechend überrascht sei er von den vielen Schülern gewesen. Dann kamen Jugendliche aus Mihla an den Stand. Fresenius ist dort mit einem Unternehmen ansässig – und trotzdem kannten einige der Schüler den Betrieb kaum. „Allein dafür war es das schon wert“, sagt Rübsam. Für ihn ist das kein Nebensatz. Gerade jetzt müsse in der Region genauer hingeschaut werden, wo neue Arbeitsplätze entstehen können. Während die Krise der Automobilindustrie auch Westthüringen beschäftigt, wachse die eigene Branche. Dafür müssten allerdings Stellen besetzt werden. Internationalität sei im Unternehmen ohnehin Alltag: Mitarbeiter aus 14 Nationen arbeiten nach seinen Angaben bereits dort.
Wie unterschiedlich die Voraussetzungen der Besucher sind, erlebt auch das St. Georg Klinikum. Sandy Fürstenberg spricht von einem „sehr bunt gemischten“ Publikum. Es habe Gespräche mit Menschen gegeben, die bereits eine medizinische Ausbildung mitbringen und Arbeit suchen. Bei Abschlüssen aus dem Ausland beginnt der Weg in den Beruf allerdings nicht selten mit Bürokratie. Die Anerkennung müsse geklärt werden, hinzu kämen teilweise sprachliche Hürden. Trotzdem lautet ihr Fazit: „Die Messe war ein Erfolg.“
Nicht jeder Besucher war schon so weit. Am Stand des Staatlichen Berufsbildungszentrums ging es häufig erst einmal um die Frage, wie der eigene Bildungsweg weitergehen kann. Besonders groß sei das Interesse am Abitur gewesen, berichtet Frau Rudlof. Aber auch die anderen Angebote der Berufsschule seien gefragt gewesen.

Bei Weidmüller stand Tom Siller selbst auf der anderen Seite des Messestandes. Der Auszubildende beobachtete, dass auch viele Menschen vorbeikamen, die mit technischen Berufen bisher wenig zu tun hatten. Genau dort habe man Interesse wecken können. Zugleich sei auffällig gewesen, wie oft nach festen Stellen gefragt wurde. Und manchmal lohnt sich eine Messe auch wegen der Gespräche, die mit Personalgewinnung zunächst wenig zu tun haben.
Das Haus Hohenhaus war nach Angaben von Herrn Ullrich-Busse das einzige Unternehmen aus dem Gastro-Bereich. Entsprechend viel Betrieb herrschte am Stand. Interessant seien für ihn aber auch die Kontakte zu anderen Akteuren gewesen: Welche Fördermöglichkeiten gibt es? Wie lassen sich schwer zu besetzende Wochenendschichten auffangen? Welche Unterstützung können Personaldienstleister bieten?
Solche Fragen gehören inzwischen genauso zu „Let’s talk about…“ wie die Suche nach Ausbildung oder Arbeit. Aus einer Messe, die vor allem Menschen mit Migrationsgeschichte den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern sollte, ist damit über die Jahre ein Treffpunkt für sehr unterschiedliche Menschen geworden. Der Ursprung ist noch erkennbar – aber längst nicht mehr die ganze Geschichte. Vor allem wurde am Mittwoch nicht nur über Arbeitskräftebedarf, Nachwuchssorgen oder fehlendes Personal gesprochen. Diejenigen, die jemanden suchen, und diejenigen, die etwas suchen, standen sich direkt gegenüber. Manchmal mit einer Frage. Manchmal mit einer Idee. Und manchmal bereits mit dem nächsten Termin im Kalender.
