Wenn höhere Spritpreise angeblich kein Problem sind

Bildquelle: Dragana Gordic; Adobe Stock

„Die meisten Menschen können die höheren Spritpreise verkraften.“ 

Mit diesem Satz sorgt Wirtschaftsweise Monika Schnitzer für Aufregung. Und sie legt nach: Man könne dann eben „vielleicht zwei Tage weniger in Urlaub fahren“ oder „einen Pullover weniger“ kaufen. Für viele, die jeden Monat jeden Euro umdrehen müssen, klingt das wie Hohn. 

Tankstelle als Luxusproblem? Von wegen!

Auf dem Papier wirkt das alles ganz einfach: Sprit wird teurer, also fahren die Leute weniger Auto, bilden Fahrgemeinschaften oder steigen um. Preise sollen wehtun, damit sie wirken. So weit die Theorie. 

In der Realität heißt das: 
– Der Pendler vom Land fährt nicht zum Spaß 40 Kilometer zur Arbeit. 
– Die Pflegekraft, der Handwerker, der Außendienstler können den Kleinwagen nicht einfach stehen lassen. 
– Der Paketdienst, der Bäcker, der Installateur müssen trotzdem zu den Kunden kommen. 

Für diese Leute sind 30, 40 oder 60 Euro mehr im Monat eben nicht „mal schnell wegzustecken“. Da geht es um den Wocheneinkauf, die Winterjacke fürs Kind oder die nächste unerwartete Rechnung. 

Spritpreis-Schock kommt dreifach zurück

Die Wahrheit ist: Der Aufschlag an der Zapfsäule ist nur der Anfang. 

– Erstens zahlen Autofahrer direkt mehr beim Tanken. 
– Zweitens werden Transporte, Lieferdienste und Handwerkerfahrten teurer – das landet auf der Rechnung. 
– Drittens kämpfen Betriebe mit höheren Kosten, die irgendwo wieder reingeholt werden müssen: in Preisen, in Löhnen, bei Investitionen. 

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Am Ende kommt der Spritpreis-Schock im Portemonnaie gleich mehrfach an – im Supermarkt, bei der Rechnung vom Handwerker und bei vielen anderen Dienstleistungen. Von „verkraftbar“ bleibt dann oft nicht mehr viel übrig. 

Pullover weniger? Für viele ist längst Schluss

Die Botschaft „dann kaufen Sie eben einen Pullover weniger“ mag in einer gut abgesicherten Akademikerwelt noch locker klingen. Für Familien, Alleinerziehende, Normalverdiener mit hoher Miete und hohen Nebenkosten ist der Spielraum aber ohnehin längst ausgereizt. 

Wer jeden Monat exakt durchrechnet, was nach Miete, Strom, Heizung, Versicherungen und Kita-Gebühren übrig bleibt, hat den „Pullover weniger“ schon hinter sich. Da geht es nicht um Luxus-Verzicht, da geht es um Grundausstattung. 

Ja, Preise müssen wirken – aber bitte ehrlich

Ja, es ist richtig: Dauer-Rabatte und immer neue Subventionen sind keine Lösung. Der Staat kann nicht jede Preisbewegung glattbügeln. Preise haben eine Lenkungsfunktion, auch beim Sprit. 

Aber wer so argumentiert, muss auch ehrlich sagen, wie hart dieses Preissignal in der Realität einschlägt – bei denen, die auf das Auto angewiesen sind, und entlang der ganzen Kette von Produktion, Transport und Handel. 

Zu tun, als ginge es nur um ein paar Euro mehr für Leute, die „sich ja immerhin ein Auto leisten können“, ist zu kurz gesprungen. Der Spritpreis ist längst kein Randthema mehr. Er ist ein Stellrad, das im Hintergrund an ganz vielen Stellen gleichzeitig anzieht. 

Wenn man den Leuten schon erklärt, sie müssten das aushalten, dann sollte man wenigstens das ganze Bild auf den Tisch legen – und nicht so tun, als sei es mit einem Pullover weniger erledigt.

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