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Bildquelle: © Dr. Eike Biedermann / Landratsamt Wartburgkreis
Zugewachsener Hackenteich vor der Entschlammung

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Zugewachsener Hackenteich vor der Entschlammung

Wer pflanzt Schilf in den Hackenteich?

Der Hackenteich bei Schweina ist seit 1988 als Flächennaturdenkmal ausgewiesen und bekannt. Er existiert aber schon wesentlich länger und ist bereits auf einer Flurkarte von 1722 dargestellt, rechts eines von der Profischer Höhe zur Anhöhe Schäfersruh führenden Verbindungsweges. Einen Zufluss hat der Teich nicht, er wird nur über das Regenwasser der umliegenden landwirtschaftlich genutzten Flächen gespeist. Das Gewässer ist fischfrei und war deshalb in der Vergangenheit besonders interessant, sowohl als Lebensraum von Libellen sowie als Laichgewässer für verschiedene Molch- und Froscharten. Von zahlreichen Vogelarten des Offenlandes sowie durchziehenden Schnepfenvögeln wurde es zudem als Rast- und Nahrungsplatz genutzt. Dies zeigt die hohe naturschutzfachliche Bedeutung des Hackenteiches in der Vergangenheit.

In den letzten Jahren konnte eine starke Verlandung und Verschilfung beobachtet werden, so dass die ökologische Funktion nicht mehr gegeben war (Titelbild). Die offene Wasserfläche wurde sukzessive kleiner und ist letztlich verschwunden, weshalb eine naturschutzfachliche Aufwertung dringend angeraten war. Im vergangenen Jahr bestand die Möglichkeit, den Teich im Rahmen einer Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme von Schilf und Schlamm zu beräumen. Nach der Maßnahme war der Anblick wenig attraktiv für den Menschen (Bild 2), aber die Anwesenheit von verschiedenen Molch- und Libellenarten in diesem Frühjahr zeigt, dass diese es anders sehen.

Bildquelle: © Dr. Eike Biedermann / Landratsamt Wartburgkreis
Hackenteich nach der Entschlammung

Auch der streng geschützte Kammmolch ist mit einer beachtlichen Population vertreten. Mittlerweile hat sich die Umgebung begrünt, so dass dieses Gebiet auch dem menschlichen Schönheitsempfinden wieder näher kommt (Bild 3).

Bildquelle: © Dr. Eike Biedermann / Landratsamt Wartburgkreis
aktueller Zustand noch mit gepflanztem Schilf im Hintergrund

Die Amphibien und Libellen brauchen gut besonnte und fischfreie Gewässer für eine erfolgreiche Fortpflanzung. Leider wurde beobachtet, dass im Randbereich ca. 18 Schilfpflanzen neu gesteckt wurden. Sie wurden vermutlich sogar in einem Baumarkt käuflich erworben. Eine solche Pflanzung ist hier aber aufgrund der oben beschriebenen naturschutzfachlichen Anforderungen nicht gewünscht und konterkariert die Anstrengungen des Naturschutzes. Mit Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde und ehrenamtlichen Naturschützern wurde das Schilf wieder entfernt. Ansonsten wäre der Teich innerhalb kürzester Zeit wieder zugewachsen und müsste mit öffentlichen Mitteln freigeräumt werden.

Vermutlich ist die Pflanzung mit besten Absichten erfolgt ist, da der Naturschutz üblicherweise das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern begrüßt. In diesem konkreten Fall widerspricht die Pflanzung aber den Artenschutzinteressen. Alle Amphibienarten gehen in ihrer Population zurück und bedürfen deshalb eines besonderen Schutzes. Deshalb bittet die Untere Naturschutzbehörde des Wartburgkreises alle Pflanzungen sowie das Eintragen von Pflanzen und Pflanzenresten in den Hackenteich zu unterlassen. Ebenso wird von einem Besatz mit Fischen dringend abgeraten. Der Hackenteich soll sich natürlich entwickeln, ohne dass die Lebensgemeinschaften künstlich verändert werden. Dies gebietet bereits der Status als Flächennaturdenkmal. Wer sich für den Naturschutz engagieren möchte, kann sich  im Naturschutzzentrum „Alte Warth“ oder bei der Unteren Naturschutzbehörde des Wartburgkreises melden.

Andrea T. | | Quelle:

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