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Wie oft haben Sie heute schon auf Ihr Smartphone geschaut?

Im Bus, auf der Straße, im Restaurant, auf dem Spielplatz, an unzähligen Orten kann man immer öfter beobachten, wie Männer und Frauen, Jugendliche und auch Kinder starrend auf ihre Smartphones aneinander vorbei laufen, neben einander sitzen oder essen. Im Wartburgkreis wurden im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Frühen Hilfen des Jugendamtes nun zahlreiche Plakate finanziert vom Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport zur „Nutzung digitaler Medien in Anwesenheit von Kindern“ der Verkehrsgesellschaft Wartburgkreis in Bad Salzungen übergeben. Diese werden für mindestens drei Monate in den Bussen der Wartburgregion zu sehen sein. Insbesondere Eltern sollen mit der Kampagne angesprochen werden. Ziel ist es, die Eltern dafür zu sensibilisieren, bewusster mit den Medien umzugehen und darauf zu achten, wie oft durch die Nutzung des Smartphones die Begegnung mit dem Kind, die Zuwendung zum Kind und die Konzentration auf das Kind verhindert oder eingeschränkt werden.

Laut einer Studie in Norwegen gaben 11 Prozent der befragten Mädchen und Jungen an, dass sie sich wegen des Internets von ihren Eltern vernachlässigt fühlen. Die Kinder bemängeln nicht etwa die körperliche Abwesenheit, sondern die mentale: Über Smartphones und andere Internetzugänge würden die Eltern einfach verschwinden. Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Yougov bestätigt diesen Trend für Schweden. Dort ist es sogar jedes dritte Kind, das darunter leidet, dass sich seine Eltern oft lieber mit ihrem Handy als dem eigenen Nachwuchs beschäftigen. Zwölf Prozent der Eltern gaben zu, ihre Kinder auf Spielplätzen oder in Schwimmbädern nicht genügend beaufsichtigt zu haben, weil sie mit ihren Smartphones beschäftigt waren. Es gibt noch keine Zahlen, die den Umgang von deutschen Eltern mit der Smartphone-Nutzung und einer möglichen reduzierten Aufmerksamkeit auf die Kinder belegen, aber ein Blick auf die heimischen Spielplätze, Freizeitanlagen oder ähnliches zeigt häufig ein ähnliches Szenario. (Quelle: Internetseite des Landes Mecklenburg-Vorpommern, wo die Kampagne ihren Ursprung hat)

Die schönsten und wichtigsten Momente im Leben können so verloren gehen – einfach weil Eltern sie nicht wahrnehmen oder nur am Rande erleben.

In Anlehnung an die im Mai 2018 für die Fachkräfte aus der Region vom Landratsamt Wartburgkreis organisierten und durchgeführten Fachtagung mit dem Thema „Gesund groß werden – Was brauchen Kinder?“  möchten die Frühen Hilfen des Jugendamtes mit der Plakatkampagne die Eltern direkt erreichen. Am Fachtag stellte Dr. med. Eckhard Schiffer, Facharzt für Nervenheilkunde, psychosomatische Medizin und Psychotherapie aus Quakenbrück die Frage „Warum sind heutzutage so viele Kinder sprachgestört?“ Die Ursachen sieht der Referent u. a. darin, dass mit den Kindern zu wenig gesprochen wird und Eltern sich den Kindern zu wenig zuwenden. Die direkte Ansprache von Angesicht zu Angesicht, das Zeigen von Interesse und das Abschalten von Störfaktoren sind nicht nur für die sprachliche, sondern auch für die ganzheitliche gesunde Entwicklung des Kindes Grundvoraussetzung. Ebenso benötigen Kinder positive Bestärkung in ihrem Tun, damit sie Lernfreude und Lernfähigkeit aufbauen können. Markus Bach, Inhaber und Leiter vom Marte Meo Institut Herleshausen, führte in diesem Zusammenhang aus, dass der Mensch sein ganzes Leben lang auf Antwort seines Gegenübers angewiesen ist. Wichtig sei es dabei, dass man gesehen, gehört und verstanden wird. Gute und Sicherheit gebende Beziehungen und Bindungen haben eine positive Wirkung auf die Gesundheit. Besonders in den ersten Lebensjahren erfolgt die Kommunikation verstärkt über Blickkontakt und Aufmerksamkeit. Die Vorbildfunktion hat im Umgang mit dem Smartphone eine besondere Bedeutung, mehr als gezielte Erziehungsmaßnahmen oder wortreiche Erklärungen.

Um gesund aufzuwachsen, brauchen Kinder Eltern, die aufmerksam sind, die hinschauen und Blickkontakt halten, die loben, wenn den Kindern etwas gelingt und trösten, wenn etwas schief geht, die Sicherheit, Anregung und Motivation geben.

Also, wie oft haben Sie heute auf Ihr Smartphone geschaut? Legen Sie es auf die Seite und schauen Sie, was Ihr Kind gerade macht oder Ihnen zeigen will!, fordern die Mitarbeiter des Jugendamtes Wartburgkreis auf.

Andrea T. | | Quelle:

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