Wolf und Krebs: Oberzentrum Eisenach muss kommen

Bildquelle: Werbeagentur Frank Bode | www.werbe-bo.de

„Eine Ausweisung der Stadt Eisenach als Oberzentrum ist unverzichtbar“.

Die Oberbürgermeisterin der Stadt Eisenach, Katja Wolf, und der Landrat des Wartburgkreises, Reinhard Krebs, haben jetzt in einem gemeinsamen Schreiben an das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft die Forderung nach der Ausweisung von Eisenach als Oberzentrum im ersten Entwurf der Teilfortschreibung des Landesentwicklungsprogrammes Thüringen erneuert.

Das Land Thüringen ist in der Pflicht, weitere Schritte zu gehen und überörtliche Funktionen zu stärken, fordern die politischen Spitzen.

Beide betonen in dem Zusammenhang die Bedeutung dieser Neuausrichtung für Westthüringen.

Mit der Neuausrichtung stärkt die Landesregierung nicht nur Eisenach als wirtschaftliches, infrastrukturelles, kulturelles und touristisches Zentrum in der Region, sondern stabilisiert und erweitert die Zukunftsfähigkeit der Stadt im Hinblick auf die vorhandenen Entwicklungsperspektiven, erklärte die Eisenacher Oberbürgermeisterin im Rahmen eines gemeinsamen Pressegesprächs am Mittwoch in Bad Salzungen.

Oberbürgermeisterin und Landrat setzen sich seit Jahren gemeinsam für eine Ausweisung Eisenachs als Oberzentrum ein, forderten zudem immer wieder die Etablierung von Landesbehörden. Diesen Appell richten beide nun erneut an die Landesregierung.

Ich habe mir immer wieder vor Augen geführt, welche zentrale Funktion Eisenach über den Wartburgkreis wahrnimmt. Das beginnt beim Handballspiel, geht weiter mit der dualen Hochschule und setzt sich auch in der Innenstadt beim Einkaufen fort. Das Land ist gefordert, sogar in der Pflicht, entsprechend zu unterstützen, betonte Katja Wolf. Reinhard Krebs ergänzte: Es braucht Signale aus Erfurt. Wir haben Stellung bezogen, haben in einem gemeinsamen Schreiben die Einrichtung des Oberzentrums eingefordert. Wir setzen uns gemeinsam dafür ein, weil wir das beide wollen. Eisenach gehört zwangsläufig in die Reihe der Oberzentren. Zwischen den vier größeren Städten in Niedersachsen, Hessen und Bayern klafft eine Lücke. Die muss Eisenach füllen.

Wie geht es weiter?
Unlängst hatten Stadt und Kreis ihre Stellungnahmen am Beteiligungsverfahren am Landesentwicklungsprogramm (LEP) Thüringen abgegeben. Kreis und Stadt hatten darin darauf verwiesen, dass Eisenach in der Rolle als Oberzentrum ein noch attraktiverer zentraler Ort werden wird, der auch die umfangreichen und funktionalen Verflechtungen ins Umland bis nach Hessen rein stärken kann. Es gebe viele Verbindungen zwischen den Bundesländern, sei es im Bereich Wirtschaft, Kultur und Tourismus oder bei infrastrukturellen Projekten wie der touristischen Erschließung der Werra.

Anzeige

Zudem könne man durch die Nähe zu den hessischen Oberzentren Fulda und Kassel sowie Göttingen im Bundesland Niedersachsen auf Thüringer Seite ein Gegengewicht sein.

Eisenach sei Hochschulstandort, liege verkehrstechnisch sehr günstig, biete zentrale Einkaufsmöglichkeiten und sei auch im Gebilde des Wartburgkreises ein bedeutender Wirtschafts- und Industriestandort, zudem mit einer herausgehobenen Kultur- und Tourismusfunktion, heißt es in der Stellungnahme der Stadt zum LEP.

Der Wartburgkreis fordert zudem, den Raum „westliches Thüringen“ entsprechend seiner Bedeutung neu zu bewerten. Kritisch merkt der Kreis an, dass für das Oberzentrum Eisenach und den Raumstrukturtyp „westliches Thüringen“ keine raumstrukturellen Festlegungen getroffen wurden, dagegen für das Oberzentrum Südthüringen ein neuer Raumstrukturtyp ausgewiesen wurde.

Die Landesregierung wird die Stellungnahmen zum ersten Entwurf des Landesentwicklungsprogramms einarbeiten und einen zweiten Entwurf vorlegen. Vor diesem Hintergrund bekräftigen Wolf und Krebs die Wichtigkeit der Höherstufung. Die Planung soll in der ersten Jahreshälfte 2024 in Kraft treten.

Die Höherstufung Eisenachs vom Mittelzentrum mit Teilfunktion eines Oberzentrums zu einem Oberzentrum ist ein wichtiges Signal für die Stadt, für den Wartburgkreis und für Gesamtwestthüringen, um die hochwertigen Funktionen mit landesweiter Bedeutung zukunftsfähig weiterentwickeln zu können, bekräftigt Landrat Reinhard Krebs.

Beide sind überzeugt, dass die Maßnahme für den Freistaat ebenso wichtig ist und dass durch eine enge Zusammenarbeit mit benachbarten Oberzentren in Hessen und Niedersachsen sowie im bundeslandübergreifenden Verbund- und Kooperationsraum eine zukunftsweisende Entwicklung für die Region gewährleistet werden kann.

Der Wartburgkreis ist Thüringens wichtigste Industrieregion. Die Stadt und ihr Umland sind ein Einpendler- und Arbeitsplatzschwerpunkt mit Sitz von großen Unternehmen wie Opel, Bosch und BMW, aber auch von dynamisch wachsenden innovativen Firmen wie der Lindig-Gruppe oder Petkus Wutha.

Für die weitere infrastrukturelle Entwicklung des Oberzentrums im Wartburgkreis hat die sogenannte „Rennsteigquerung“ oberste Priorität. Sie besteht aus den Vorhaben Neubau Ortsumfahrung Stockhausen im Zuge der Bundesstraßen B 19 / B 84 und „Neubau Bundesstraße B 19 Abschnitt Wilhelmsthal – Eisenach“. Nur durch den hindernisfreien Lückenschluss zwischen den Wirtschaftsräumen von Oberzentrum / Großer Kreisstadt Eisenach und Mittelzentrum / Kreisstadt / Verwaltungssitz Bad Salzungen kann der Wartburgkreis das durchgängige „Rückgrat“ erhalten, das ihn auch für die zukünftigen Aufgaben über die Kreisgrenzen hinaus stärkt und trägt. Insbesondere auch die in 2025 zu erwartende Anbindung der BAB 44 an die BAB 4 über das Dreieck „Wommen“ entlang der historischen „Via Regia“ ist im Kontext der Ausweisung Eisenachs als Oberzentrum potenzialträchtig für die zukünftige Entwicklung der Region. Als Oberzentrum in Thüringen und durch seine unmittelbare Nähe zum Land Hessen wird Eisenach von der Anbindung an das zentral in Deutschland liegende Verkehrskreuz (BAB 44 + 4 und BAB 7) zweifellos profitieren. Für die Rolle Eisenachs als bedeutender westlichster Wirtschaftsstandort Thüringens und als ehemaliges „Westliches Thüringer Handelstor“ (zu Zeiten der historischen „Via Regia“) sowie als Bildungsstandort liegen hier konkret greifbare Entwicklungsmöglichkeiten. Diese müssen jedoch auch tatsächlich und aktiv erschlossen und nutzbar gemacht werden.

Wieso sind Oberzentren wichtig?
Oberzentren haben besonders herausgehobene Aufgaben, sichern unter anderem Arbeitsplätze für das Umland ab und weisen ein umfangreiches Dienstleistungsangebot auf. Sie sind der Sitz von Hochschulen, bedeutender Behörden sowie großer Unternehmen, haben überregionale Krankenhäuser und Kultureinrichtungen mit ständigem Ensemble, bieten leistungsfähige und attraktive Innenstädte oder sind durch größere Stadtteilzentren mit vielfältigen und auch hochwertigen Einkaufsmöglichkeiten geprägt.

Anzeige