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Worms solidarisiert sich mit Freiheitskampf in Belarus

Bildquelle: © Stadtverwaltung Worms, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Margaretha Mohr
Die geladenen Gäste versammelten sich im Heylshofpark zu einem Empfang im Anschluss der Preisverleihung.

Festakt „Unerschrockenes Wort“ mit Bürgerrechtlerinnen

In Worms hat die Preisverleihung „Unerschrockenes Wort“ stattgefunden. Als Lutherstadt ist Eisenach mit seinem Hauptamtlichen Beigeordneten Ingo Wachtmeister vertreten gewesen.

Der Bund der Lutherstädte veranstaltete in diesem Jahr in der Wormser Dreifaltigkeitskirche seine Preisverleihung „Das unerschrockene Wort“. Der Preis ging dieses Jahr an die belarussischen Freiheitskämpferinnen: Weranika Zapkala, Maryja Kalesnikawa und  Swjatlana Zichanouskaja. Zapkala nahm in Begleitung der Schwester der inhaftierten Kalesnikawa, Tatjana Chomitsch, den Preis persönlich entgegen. Swjatlana Zichanouskaja bedankte sich für die Ehrung in einer Videobotschaft. Die belarussischen Ehrengäste trugen sich vor der Verleihung in das Goldene Buch der Stadt Worms ein.

Um das Engagement der belarussischen Bürgerrechtlerinnen zu ehren, durften nur geladene Gäste kommen, für alle anderen ist die Veranstaltung live übertragen worden. Zu den geladenen Gästen gehörten Bundestagspräsident a.D. Prof. Dr. Norbert Lammert, der auch die Laudatio halten durfte und die stellvertretende Ministerpräsidentin Anne Spiegel.

Gastgeber für den Bund der Lutherstädte war in diesem Jahr die Stadt Worms mit Oberbürgermeister Adolf Kessel. Mit dem Preis „Das unerschrockene Wort“, der mit 10.000 Euro dotiert ist,  honorieren die Lutherstädte die Entschlossenheit, das mutige Auftreten und den friedlichen Widerstand gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung.

Oberbürgermeister Adolf Kessel spannte in seiner Rede den Bogen von Widerstandskämpfer Graf von Stauffenberg – anlässlich des 20. Juli – über Reformator Martin Luther hin zu den Freiheitskämpferinnen aus Belarus und überreichte ihnen im Namen der Lutherstädte den Preis:

Durch Luther erhielt die Berufung jedes Einzelnen auf sein individuelles Wissen und Gewissen – unmittelbar gebunden einzig an Gott und an die menschliche Vernunft – einen entscheidenden Impuls, der bis in die heutige Zeit nachwirkt. Aufgrund ihres Einsatzes für Demokratie in Belarus, stellvertretend für tausende Menschen in ihrer Heimat, mit der Berufung auf ihr Gewissen, ihrem unerschrockenen Wort und friedlichen Protest, dürfen wir  – der Bund der Lutherstädte – diesen Preis, „Das unerschrockene Wort“ 2021, in Hochachtung und tiefstem Respekt  an Frau Zapkala, Frau Kalesnikawa und Frau Zichanouskaja überreichen.

Anne Spiegel vertrat kurzfristig die Ministerpräsidentin Malu Dreyer zum Festakt, da diese aufgrund der aktuellen Hochwasser-Katastrophe selbst nicht kommen konnte. Für die Opfer der Flut-Katastrophe legten die Gäste zu Beginn der Preisveranstaltung eine Schweigeminute ein. Die stellvertretende Ministerpräsidentin und Ministerin Anne Spiegel sagte in Worms:

Es braucht Mut und Zivilcourage, sich für die Demokratie einzusetzen. Das galt für Martin Luther vor mehr als 500 Jahren, das gilt heute für die Opposition in Belarus. Daher freue ich mich sehr über die Auswahl der drei belarussischen Bürgerrechtlerinnen Weranika Zepkala, Swjatlana Zichanouskaja und Maria Kalesnikawa. Die drei Frauen stehen stellvertretend für tausende friedlich demonstrierende Menschen. Der Lutherpreis würdigt, dass sie gemeinsam gegen brutalsten Widerstand des autoritären Systems für eine demokratische Zukunft in ihrem Land eintreten.

Die Laudatio hielt an diesem Nachmittag der Bundestagspräsident a.D. Prof. Dr. Norbert Lammert, auch er erinnerte an die deutsche Geschichte unter der Nazi-Diktatur und honorierte den Widerstand der Freiheitskämpferinnen gegen das Regime in Belarus:

Es braucht immer Demokraten, die Verantwortung übernehmen und den Mut haben, aus aussichtslosen Situationen neu anzufangen.

In Anlehnung an das „Hier stehe ich und kann nicht anders“ von Luther, sagte Lammert in Richtung der Preisträgerinnen:

Natürlich hätten sie anders gekonnt, aber sie wollten nicht anders.

Die Reden von Weranika Zapkala und Tatjana Chomitsch übersetzte eine Dolmetscherin für das Publikum. Die beiden „Unerschrockenen“ berichteten von massenweisen Inhaftierungen, größter Folter und unwürdigen Haftbedingungen für Oppositionelle in Belarus. Chomitsch hielt immer wieder ein Plakat ihrer inhaftierten Schwester hoch. Beide sprachen davon, wie angewiesen sie auf die Unterstützung aus Deutschland seien und dass Preisverleihungen wie das „Unerschrockene Wort“ die nötige Aufmerksamkeit auf die schreckliche Situation in Belarus lenken würden. Bei aller Aussichtslosigkeit richteten sie aber auch Worte der Hoffnung an die Zuhörenden und sind sich sicher:

Auf die dunkelste Stunde, folgt stets der Sonnenaufgang.

Liliana Müller an der Violine und Thomas Hoffmann am Klavier von der Lucie-Kölsch-Musikschule der Stadt Worms hatten die Veranstaltung musikalisch begleitet. Der Offenen Kanal Worms übertrug die Verleihung. Seine Aufnahmen sind immer noch frei verfügbar bei Youtube über folgenden Link: https://youtu.be/TiMYdRQ1vW4.

Der Preis „Unerschrockenes Wort“ vergibt der Bund der Lutherstädte alle zwei Jahre an couragierte Persönlichkeiten. Zu ihm gehören:  Marburg, Augsburg, Coburg, Eisenach, Eisleben, Erfurt, Halle (Saale), Heidelberg, Magdeburg, Nordhausen, Schmalkalden, Speyer, Torgau, Wittenberg, Worms und Zeitz.

Bildquelle: © Stadtverwaltung Worms, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Margaretha Mohr
Weranika Zapkala trägt sich im Beisein von Tazjana Chomitsch in das Goldene Buch der Stadt Worms im Ratssaal ein.

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