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Zentrales Gedenken zum Volkstrauertag in Eisenach

Bildquelle: © Ulrike Unger/Stadt Eisenach
(von hinten) Henrik Hug, Geschäftsführer des Landesverbandes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Thüringen, Georg Maier, stv. Ministerpräsident des Freistaates Thüringen und Minister für Inneres und Eisenachs Oberbürgermeisterin Katja Wolf gedenken der Toten auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof.

Die zentrale Gedenkveranstaltung des Freistaats Thüringen am Volkstrauertag, 14. November, fand in diesem Jahr in Eisenach statt. Den Gedenktag mit Zeremonie auf dem Hauptfriedhof gestalteten die Thüringer Staatskanzlei, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. und die Stadt Eisenach gemeinsam.

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind 76 Jahre vergangen. Der Krieg ist ein inzwischen ferner, aber kein abgeschlossener Teil unserer Vergangenheit und unserer Sehnsucht nach Frieden, sagte Oberbürgermeisterin Katja Wolf in ihrer Rede.

Das Gedenken an die Toten sei eine Mahnung, aus der Vergangenheit Schlüsse für die Gegenwart zu ziehen – und vor allem zu handeln.

Unser Handeln entscheidet mit, wie das 21. Jahrhundert verlaufen wird. Ob es ein friedvolles, menschliches Jahrhundert wird und wir es schaffen, die tiefen Gräben in unserer Gesellschaft zu überwinden. Das wünsche ich mir, mahnte sie.

Mahnung für die Zukunft
Neben Oberbürgermeisterin Katja Wolf und Henrik Hug, Landesgeschäftsführer des Volksbunds, sprach auch der stellvertretende Ministerpräsident des Freistaats Thüringen und Minister für Inneres und Kommunales, Georg Maier.

Auch nach so langer Zeit müssen uns die Verbrechen des Naziregimes, insbesondere an der Zivilbevölkerung, erschüttern. Gerade das Wissen um die Gräueltaten der Vergangenheit kann uns für die Gegenwart sensibilisieren. Nie wieder darf Deutschland für Hass und Schrecken innerhalb der Völkergemeinschaft stehen. Nie wieder Krieg, Terror und Gewaltherrschaft. Das sind wir den Opfern schuldig, so Innenminister Maier.

In diesem Jahr stand der Volkstrauertag im Zeichen von „80 Jahre Überfall auf die Sowjetunion“, denn vor 80 Jahren begann mit der „Operation Barbarossa“ am 22. Juni 1941 der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. Neben circa sechs Millionen deutschen und zehn Millionen sowjetischen gefallenen Soldaten ist damit untrennbar das Leid vieler Millionen Zivilisten verbunden, welche die Schrecken von Kriegs- und Gewaltherrschaft wie Massenmord, Hungertod, Vertreibung und Zwangsarbeit erleiden mussten. An unmenschlichen Lebensbedingungen sind viele Menschen gestorben. Ihre Gräber finden sich überall in Thüringen, so auch auf dem Eisenacher Hauptfriedhof.

Bildquelle: © Ulrike Unger/Stadt Eisenach
Rainer König singt das russische Friedenslied „Kraniche“ in zwei Sprachen.

Auch Schulen beteiligten sich
Ganz bewusst band die Stadt Eisenach junge Menschen bei der Gestaltung der Zeremonie ein. Die Goetheschule und die Geschwister-Scholl-Schule bereicherten das Programm durch verschiedene Beiträge. Der Posaunenchor Eisenach und ein Musiker des Luftwaffenmusikkorps Erfurt trugen ebenfalls zur Zeremonie bei.

Nacheinander wurden der Sowjetische Ehrenfriedhof sowie die Kriegsgräberstätte für Bombenopfer und Soldaten des Zweiten Weltkriegs besucht. Schülerinnen und Schüler der Goetheschule verlasen an den Gräbern auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof Feldpostbriefe russischer Soldaten. Zwei Schüler der Geschwister-Scholl-Schule berichteten anhand von Archivdokumenten über das Schicksal einer Familie während des Bombenabwurfs über Eisenach im Jahre 1944. Friedensgebete wurden gesprochen und Blumen niedergelegt.

Die Gräber der Kriegstoten sind als steinerne Zeitzeugnisse Mahnung und Verpflichtung, den seit vielen Jahrzehnten in weiten Teilen Europas herrschenden Frieden nicht als Selbstverständlichkeit zu betrachten. Weltweit kümmert sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge deshalb im Auftrag der Bundesregierung auf über 800 Kriegsgräberstätten in 45 Ländern um die Erhaltung von mehr als zwei Millionen Gräbern beider Weltkriege. Allein in Thüringen werden die Gräber von etwa 106.000 Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft des 20. Jahrhunderts in Zusammenarbeit mit den Friedhofsverwaltungen und Ehrenamtlichen gepflegt.

Bildquelle: © Ulrike Unger/Stadt Eisenach
Schülerinnen und Schüler der Goetheschule bastelten Friedensbotschaften für die Kriegsgräber auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof.

Jugend-Work-Camp im nächsten Jahr
Im kommenden Jahr plant der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. ein internationales Jugend-Work-Camp in Eisenach. In den Sommerferien 2022 kommen Jugendliche aus ganz Europa zusammen, um alle Kriegsgräberstätten der Stadt Eisenach zu pflegen und sich auszutauschen. Rainer König, Mitorganisator des Camps und Mitglied des Landesvorstands Thüringen des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge e. V., möchte besonders die Jugendlichen der Partnerstädte der Stadt Eisenach dabei einbinden. Ziel sei es, junge Menschen über die Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs ins Gespräch zu bringen, neue Freundschaften zu stiften und so „Versöhnung über den Gräbern“ zu ermöglichen, erklärte König.

Bildquelle: © Ulrike Unger/Stadt Eisenach
Die Teilnehmenden legen zum Abschluss der Gedenkveranstaltung Blumen an den Grabsteinen der Bombenopfer und Soldaten des Zweiten Weltkriegs nieder. Auch Oberbürgermeisterin Katja Wolf erinnert auf diese Weise an die Toten.

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