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Bachhaus Eisenach zu Gast im Berliner Dom

Bachs Johannes- und Matthäus-Passion gehören heute zu seinen beliebtesten Werken. Doch sie entstanden unter spannenden musikgeschichtlichen Bedingungen: Während Leipzig noch an der alten lutherischen Passionstradition festhielt, hatten in Frankfurt und Leipzig an der italienischen Oper orientierte moderne «Passionsoratorien» Einzug gehalten. Bach war es in seinem Dienstvertrag verboten worden, theatralische oder opernhafte Kirchenmusik zu machen, doch musste er auch den neuen Stil berücksichtigen, um seine Zuhörer nicht zu langweilen.

Gleich acht Arientexte übernahm Bach aus der Hamburger Brockes-Passion, dem beliebtesten und blutrünstigsten Passionsoratorium seiner Zeit.

Die Ausstellung des Bachhauses erzählt diese und andere Geschichten um Bachs Passionen in kleinen Trickfilmen: Denn die Ausstellung muss´sich in den engen Rundgang des Berliner Doms einfügen, den jährlich eine Million Touristen passieren. Wie Ostereier finden die Besucher die vier Videostelen des Bachhauses im Rundgang verteilt: auf Treppenabsätzen, im Kuppelumgang, in der Krypta. Zusätzlich gibt es eine Audioinstallation in einer Loge: Hier wird die Arie «Eilt, ihr angefocht’nen Seelen» in sieben verschiedenen Fassungen zu hören sein. Denn nicht nur Bach, sondern auch Händel, Telemann, Stölzel, Mattheson und der Hamburger Opernhausdirektor Reinhard Keiser haben diesen Text in ihren Passionen vertont. Zusätzlich erklingt hier Bachs Musik zu einem Text von Friedrich Nietzsche. Denn das Berliner Projekt «ha’atelier» wagte es 2012, Bachs Johannes-Passion mit neuen Arien-Texten aus verschiedenen Kulturkreisen aufzuführen.

In einer Vitrine zeigt das Bachhaus Originaldokumente aus der Aufführungsgeschichte der Passionen. Bei der Ausstellung arbeitet das Bachhaus zusammen mit der Berliner Domverwaltung sowie mit dem Regisseur Christoph Hagel, der im Berliner Dom vom 21. Februar bis zum 29. März Bachs Johannes-Passion mit den Berliner Symphonikern und dem Symphoniechor Berlin in einer neuen choreographischen Inszenierung darbietet. Christoph Hagel ist besonders durch Crossover-Projekt wie «Flying Bach» (das «Wohltemperierte Klavier» mit Breakdance) oder «Die Zauberflöte in der U-Bahn» bekannt geworden.

Die Trickfilme erstellt die Potsdamer Design-Werkstatt «Die Buchstabenschubser», die zuletzt die Animationen für das neueröffnete Heinrich-Schütz-Haus in Weißenfels sowie für die Ausstellung «Glaubens-Sachen» im Jüdischen Museum Berlin verantwortete.

Das Ausstellungsprojekt des Bachhauses wird vom Freistaat Thüringen gefördert.

«Bachs Passionen». Sonderausstellung des Bachhauses Eisenach im Berliner Dom, 14.2.-7.4.2013. Mo.-Sa. 9.00 – 19.00 Uhr, So. 12.00 – 19.00 Uhr.

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