Beifallsstürme und Wehmut

Bildquelle: Th. Levknecht – Der große Chor mit Leiterin Susan Unger (li.)
Von klassisch bis modern, laut und leise, nachdenklich und humorvoll – das traditionelle Adventsprogramm des Elisabeth-Gymnasiums begeisterte
Kurz bevor das erneut künstlerisch hochwertige Adventsprogramm des Elisabeth-Gymnasiums traditionell mit dem Lied „Feliz navidad“ ausklang, alle mitsangen und mitklatschten, holte die Schülerinnen und Schüler, die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Gäste in der bis auf den letzten Platz gefüllten Turnhalle das Damoklesschwert vom Ende der Schulgemeinschaft Elisabeth-Gymnasium ein. Die Moderatoren Hannah Gunther und Lene Trescher luden zum wahrscheinlich letzten Weihnachtsprogramm für das nächste Jahr ein. Der Entwurf der Schulnetzplanung, gerade im Eisenacher Stadtrat eingebracht, sieht das Aus für das Elisabeth-Gymnasium vor. Gerhard Sippel, vom 01.09.1991 bis 30.07. 2006 Schulleiter, richtete einen flammenden Appell an alle, für den Fortbestand eines eigenständigen Elisabeth-Gymnasiums zu kämpfen. „Wir haben noch eine berechtigte Chance. Wir müssen stark sein. Wir müssen Überzeugungsarbeit leisten, damit diese Schulgemeinschaft nicht zerschlagen wird“, rief Gerhard Sippel allen zu, donnernden Beifall auslösend.

Schulleiter Matthias Bückert blickte auf ein Jahr vieler Höhepunkte
Matthias Bückert, der aktuelle Schulleiter des Elisabeth-Gymnasiums, ließ eingangs das Jahr Revue passieren. „Ein besonderer Höhepunkt war für mich zum Beispiel der Austausch mit unserer Partnerstadt Sedan: Begegnungen über Grenzen hinweg, neue Freundschaften, gelebte Neugier und Offenheit. Ebenso eindrucksvoll war unser Theaterprojekt – voller Kreativität, Mut und Teamgeist. Oder die im Sommer in Eigeninitiative angegangene Schaffung einer sehr schönen Sitzgelegenheit auf dem Schulhof, die längst so selbstverständlich genutzt wird, als wäre sie schon immer dort. Oder selbstverständlich auch die neue Kooperationsvereinbarung mit dem ThSV. Oder, oder, oder … Diese wenigen Beispiele zeigen eindrucksvoll, wozu junge Menschen fähig sind, wenn sie Freiraum, Vertrauen und Unterstützung haben und wenn wir es schaffen, Lerngelegenheiten auch außerhalb des üblichen Rahmens zu schaffen“, führte Matthias Bücker aus. „Solche Erlebnisse stehen beispielhaft für vieles, was im Alltag vielleicht oft nicht so sichtbar ist: engagierter Unterricht, erfolgreiche Projekte, Wettbewerbe, Gespräche, kleine Gesten und leise Hilfe. All das macht unser Gymnasium lebendig“, ergänzte er. „Zugleich haben uns in diesem Jahr die zahlreichen Diskussionen rund um die Eisenacher Schulnetzplanung begleitet – und sie werden auch im neuen Jahr bestimmend sein. Dass so viele mitdenken und sich einbringen, ist Ausdruck von Verantwortung und Verbundenheit mit unserer Schule. Diese Debatten haben uns gefordert, aber sie zeigen auch, wie wichtig Bildung für diese Stadt ist – und wie sehr uns unser Elisabeth-Gymnasium am Herzen liegt. In diesem Zusammenhang möchte ich mich ganz herzlich beim ehemaligen Schulleiter, Herrn Sippel, für seine unermüdliche Unterstützung für das Eli danken“, unterstrich der Schulleiter. In einer Zeit, in der vieles schneller und lauter geworden ist, die Gemüter erhitzt sind und Meinungen aufeinanderprallen, sei es nicht selbstverständlich, freundlich zu bleiben, zuzuhören und respektvoll miteinander zu diskutieren. „Doch genau das ist es, worauf es meiner Meinung nach jeden Tag ankommt, auch wenn es einem manchmal schwerfällt: ein Guten-Morgen-Lächeln übrighaben, den Mut haben, Neues auszuprobieren, Rücksicht nehmen und sich gegenseitig unterstützen“, betonte Matthias Bückert. „Wenn wir zurückblicken, dürfen wir uns sagen: Es war nicht immer leicht. Aber wir haben trotz allem viel geschafft. Und wir können stolz darauf sein“, so Matthias Bückert, bevor er allen von Herzen für Vertrauen, Respekt, Mitdenken und Mitgestalten dankte, eine ruhige, lichtvolle Adventszeit, frohe Weihnachten sowie Kraft und Gelassenheit für das neue Jahr 2026 wünschte.

Lieder verschiedener Epochen
Das Programm der Schülerinnen und Schüler war wieder ein Genuss. Dabei wurde jenes Klavier genutzt, das Gerhard Sippel Anfang der 90er Jahre auf abenteuerliche Weise „an Land gezogen hatte“. Die Schülerband 3one0 unter Leistung von Anne Matthiesen spielte bekannte Songs. Lucy Albrecht, Lydia Herrmann, Sophia Kurz, Antonia Wilke und Laura Beetz (alle Gesang), Tudor Hategan (Klavier), Jannis Mahret und Louis Guillaume (beide Schlagzeug) sowie Helena Pöhland (Bass) stimmten „So this is Christmas“ von John Lennon (mit Unterstützung des großen Chores), „Have yourself a merry Little Christmas“ von Hugh Martin und Ralph Blane und „Santa Tell me“ von Britney Spears an. Schon erschollen „Bravo-Rufe“. Der Mittelstufenchor unter Leitung von Susan Unger begeisterte mit „Singen wir im Schein der Kerzen“, „Little Drummerboy“ und „Gatatumba“. Ganz still wurde es, als Ahmad Shihada aus der 6. Klasse am Klavier eine Schubert Serenade spielte.
Die Weihnachtsgeschichte auf ungewöhnliche Weise erzählt
Die Theatergruppe unter der Leitung von Anne-Sophie Matthiesen regte mit „Und siehe, es geschah – nichts“ von Markus Mohr zum Nachdenken an. Das Stück erzählt die Weihnachtsgeschichte auf ungewöhnliche Weise: Die bekannte biblische Erzählung wird vom Heiligen Vater im Himmel ohne die Geburt Jesu wiedergegeben, wodurch der Fokus nicht auf dem zentralen Ereignis selbst, sondern auf dem menschlichen Verhalten und den Schwächen der Menschen liegt. Während Petrus der Erzählung zuhört und zunehmend emotional reagiert, zeigt sich, wie sehr die Menschen trotz großer Erwartungen und Geschichten zu eigenen Fehlern neigen. Am Ende unterstreicht der Heilige Vater die Botschaft, dass Gott seinen Sohn nicht allein um seiner selbst willen gesandt hat, sondern der Menschen wegen – und dass die Liebe zu den Mitmenschen im Mittelpunkt stehen soll.

Es wurde warm ums Herz
Der Oberstufenchor unter Leitung von Susan Unger, mit hoher stimmlicher Qualität, sorgte dafür, dass es allen warm ums Herz wurde, Ob Mitschülern, Eltern, Geschwistern, Großeltern, Freunde oder „ganz normalen Gäste“. Von „Fröhliche Weihnacht überall“ über „Go, Tell it on the Mountain“ und „Engel haben Himmelslieder angestimmt“ bis „Carol of the Christmas Bells“. Nach „Feliz navidad“ ging es hinaus in weihnachtlicher Stimmung. Die Gespräche drehten sich rasch wieder um die Zukunft des Elisabeth-Gymnasiums. Nach den besinnlichen Feiertagen geht die Schulnetzplanung – und damit die Zukunft des Elisabeth-Gymnasiums – in die finale Entscheidung.
