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Ein Seebrücken-Feuerwerk heizt Landestheater Eisenach ein

Bildquelle: Werbeagentur Frank Bode | www.werbe-bo.de

Stürmisch gefeiertes, ausverkauftes Konzert des Baltic Sea Philharmonic begeistert Eisenacher Publikum

Das Baltic Sea Philharmonic und sein Dirigent Kristjan Järvi begeistern ihr Publikum in international herausragenden Konzerthäusern. Im Rahmen der Festwoche zum Themenjahr „Welt Übersetzen“ brachten sie das Landestheater am 15. September mit ihrem begeistert gefeierten Programm „Meresillad“ (zu Deutsch: Seebrücken) fast zum Einsturz. Außergewöhnliche Energien und enthusiastische Freiheitsklänge entfaltete Kristjan Järvi mit einem Ensemble, das in keine Kategorie zu passen scheint. Junge Musiker aus allen Ostseeländern, die 90 Minuten komplett und ohne Pause auswendig spielen, improvisieren, Tschaikowskys Meisterwerk „Der Nussknacker“ mit ganzem Körpereinsatz erzählen und dann noch ein Feuerwerk mit musikalischen Knallbonbons estnischer Meister hochgehen lassen, die das Publikum mehrfach von den Sitzen reißen. Das gibt es kein zweites Mal, das ist eine Klasse für sich.

Aber der Reihe nach. Järvi – bis 2018 Chefdirigent des MDR Sinfonieorchesters – steht für außergewöhnliche Konzertformate. Teilhabe für alle ist seine Devise. Begeisternde Orchestermusik ohne Scheu vor Ausflügen in Jazz, Hip-Hop, Rock oder Techno. Seine Ideen setzt Järvi vor allem mit dem Baltic Sea Philharmonic um. Dem jungen, wilden Orchester schneiderte er Tschaikowskys Ballettklassiker als „Dramatische Sinfonie“ auf den Leib. Und destillierte damit den beliebten Weihnachtsknaller, rund um Klara, die Tochter der Familie Silberhaus, dem Nussknacker-Prinzen und dem Mäusekönig in eine zeitgemäße, mitreißende Version. Dem ging „Ascending Swans“, basierend auf „Schwanenweiß“ aus Sibelius’ „Lobgesang“ voraus. Die ruhig getragene, sich in sanfte Höhen aufschwingende Einleitung erinnert an einen verstorbenen Orchestermusiker und ging nahtlos – wie überhaupt das gesamte Konzert von geschmackvoll improvisierten Überleitung geprägt war – zum Märchenklassiker über.

Und ein Märchen wurde hier tatsächlich erzählt. Mit den Mitteln der Musik und unbändiger, auch pantomimischer Spielfreude führte das Baltic Sea Philharmonic unter der Leitung Järvis, der mal selbst die Rolle des Mäusekönigs oder des Nussknackers, mit weiten Luftsprüngen oder zusammengekauert hockend einnahm, das musikalische Storytelling zu neuen Gipfeln. Da strahlten nicht nur die Augen der Musiker und glühten die Ohren des Publikums, begeisternde Spielfreude pulsierte durch die Reihen des Orchesters, die Musiker tanzten, lachten, machten tumultartigen Lärm und sangen sogar noch, was selbst die weniger bekannten Nummern des Balletts, jenseits vom Marsch der Zinnsoldaten, zu einem Ohrenschmaus werden ließ. Alle Sinne sprach das an – genau das Richtige, um auch den letzten Konzertmuffel hinter dem Ofen hervorzulocken. Doch der krönende Abschluss sollte erst noch kommen.

Die Esten waren an der Reihe. Jaan Räätz‘ hypnotisch pulsierendes Kammerkonzert leitete zu Tubins Setu-Tänzen über, die in die Weiten der estnischen Landschaften und Geschichte entführten. Unüberhörbar die Verwandtschaft zu den ungarischen Tänzen. Den krönenden Abschluss jedoch fand dieses aufsehenerregende Konzert mit Liis Jürgens „The Dream of Tabutabu“. Die junge Musikerin zeigt exemplarisch, wie die Educationarbeit der Baltic Sea Music Education Foundation, dem Trägerverein des Orchesters, Früchte trägt. Kristjan Järvi versucht seine Musiker anzuregen über sich hinaus zu wachsen, selbst kreativ zu werden, neue Projekte anzugehen und zu komponieren. Entstanden ist das Werk Anfang dieses Jahres während der völkerrechtswidrigen Invasion Russlands in die Ukraine und erinnert zugleich an die Zeit des Kalten Kriegs in Estland:

Tabu‘, das polynesische Wort für Dinge, die nicht angesprochen werden dürfen, habe ich gewählt, weil es in Estland eine Zeit gab, in der nicht frei gesprochen werden durfte, in der man über Dinge, die den Menschen wichtig waren, zum Beispiel das Christentum oder estnische Identität, ein Mantel des Schweigens hüllte. Es gab einfach viele Tabus, so die Komponistin des Werkes.

Mit Maul- und Schamanentrommel in brachialen kinematografischen Soundgewittern und einem Orchester, das mit lauten Rufen gegen die Tabus von Sprachverboten anschrie, beschloss ein Konzertritual der Extraklasse. Die Botschaft kam an. Eine Besucherin sagte:

Mir hat dieses Konzert so viel gegeben. Wir brauchen mehr von diesen hoffnungsvollen, positiven, länderverbindenden Energien, auch global. Es war einfach fantastisch.

 

Baltic Sea Philharmonic und Kristjan Järvi – kommt bald wieder, wenn nicht schon gestern, dann so schnell wie möglich.

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