Eisenach gedenkt der Opfer von Zwangsarbeit

Der Hauptamtliche Beigeordnete Ingo Wachtmeister hat gestern (11. April) im Beisein von Vertretern demokratischer Parteien und Mitgliedern des Bündnisses gegen Rechtsextremismus der Opfer von Zwangsarbeit gedacht.

Wie in jedem Jahr fand in Eisenach die Gedenkfeier am KZ Außenlager Emma zwischen Eisenach und Hötzelsroda statt. Ingo Wachtmeister fand mahnende Worte und erinnerte an die Opfer von Zwangsarbeit und Unterdrückung.

In vielen Eisenacher Werken und Fabriken, wurden tausende Zwangsarbeiter in der Produktion eingesetzt. Untergebracht waren sie in Barackenlagern, die sich über das gesamte Stadtgebiet zogen, sagte der Hauptamtliche Beigeordnete.

Das Ausmaß der Demütigungen, der Verachtung, Schikanen und Folter, die die Menschen in den Lagern ertragen mussten, sei unvorstellbar.

Die Intensität der Berichte und des Grauens sollten uns mahnen und den Blick immer wieder – und im Hinblick auf die aktuellen Entwicklungen umso mehr – in die Gegenwart lenken. Es ist eine gesellschaftliche, aber auch Aufgabe jeder und jedes Einzelnen, Mitmenschlichkeit zu wahren. Es gilt, aufeinander aufzupassen, sich gegenseitig wertzuschätzen und achtsam miteinander umzugehen. Das ist eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung für eine friedliche und demokratische Zukunft.

© Stadtverwaltung Eisenach
Der Hauptamtliche Beigeordnete Ingo Wachtmeister spricht zum Gedenktag der Befreiung des KZ Außenlagers Emma in Hötzelsroda.

Für die evangelische Kirchgemeinde sprach Pfarrer Armin Pöhlmann:

Ich frage mich, wie das 80-jährige Gedenken wohl begangen wird nach Ausgang dieses Superwahljahres. In den letzten Monaten ist viel in Bewegung gekommen, viele Menschen sind aufgewacht.

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Man dürfe nicht darauf vertrauen, dass Demokratie schon bleibt, sondern müsse etwas dafür tun.

Ich habe den Wunsch, dass wir nächstes Jahr wieder so hier stehen.

Jörg Rumpf vom Bündnis gegen Rechtextremismus sagte.

Mit dem Erinnern ist es so eine Sache – am liebsten erinnert man sich natürlich an die schönen Dinge. Lange Zeit wollten sich die Menschen nicht erinnern, an die Verbrechen, die begangen wurden. Doch heute erinnern wir an deren Opfer. Wir mahnen dringlicher denn je: nie wieder.

Denn nie wieder sei jetzt und man müsse demokratisch auf Grundlage der Verfassung gegen die rechten Strömungen vorgehen.

Daher ist es wichtig, sich jetzt zu erinnern, sodass unsere Kinder und Kindeskinder sich später an die schönen Dinge erinnern können.

Die Gedenkstele am ehemaligen Eingang zum Werksgelände auf dem Dürrerhof erinnert seit 2006 an den Einsatz von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen insbesondere im BMW-Flugmotorenwerk. Nach dem letzten Luftangriff der Alliierten auf Eisenach wurde das KZ Emma am 16. Februar 1945 evakuiert. Alle noch inhaftierten 383 Häftlinge wurden zunächst nach Buchenwald gebracht, wo jedoch für viele ihre Odyssee noch nicht zu Ende war. Viele von ihnen wurden noch weiter in andere Lager geschickt.

An der Stele wurden von den Anwesenden Kränze niedergelegt.

Zwangsarbeiter im Flugmotorenwerk

Am 11. April 2024 jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald. Das Datum 11. April ist in Eisenach zudem das Datum, an welchem traditionell der Opfer von Zwangsarbeit und Inhaftierung im Außenlager Emma gedacht wird. Unter der Herrschaft der Nationalsozialisten wurden Menschen aus ideologischen oder Gründen der nationalsozialistischen Rassenhygiene verfolgt, verhaftet, gequält und ermordet. Viele Opfer wurden über die Internierung in Konzentrationslagern zur Zwangsarbeit herangezogen, um den kriegsbedingten Arbeitskräftemangel auszugleichen – auch in der Wartburgstadt.

Ab 1940 sind in Eisenach große Zahlen Kriegsgefangener dokumentiert: Im Kohlehandel, im Forst, im Gas- und Wasserwerk oder der Friedhofsverwaltung, aber vor allem im BMW-Flugmotorenwerk Eisenach wurden Tausende von Zwangsarbeitern in der Produktion eingesetzt, die in Barackenlagern im gesamten Stadtgebiet untergebracht waren. Ab April 1944 kamen dazu Häftlinge aus dem KZ Allach und später aus dem KZ Buchenwald, die im Außenlager mit dem Decknamen Emma direkt im Werksgelände des Flugmotorenwerkes in einer Fabriketage untergebracht und dort auch eingesetzt wurden. Die durchschnittlich 300 bis 500 Menschen wurden hier von SS-Angehörigen und Luftwaffensoldaten streng bewacht und unter unmenschlichen Bedingungen zur Arbeit gezwungen.

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