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 | Bildquelle: © Stadt Eisenach

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Eisenacher Straße erhält Namen von Julie von Bechtolsheim

Im entstehenden Wohngebiet „Fischweide“ trägt eine neue Straße jetzt den Namen einer historisch bedeutenden Eisenacher Persönlichkeit: der Dichterin Julie von Bechtolsheim. Oberbürgermeisterin Katja Wolf enthüllte heute (17. November) gemeinsam mit dem Geschäftsführer der SWG, Wilhelm G. Wagner, und Christian von Bechtolsheim das neue Namensschild der „Julie-von-Bechtolsheim-Straße“.

Den Namen für diese neue Verbindungsstraße zwischen der Damaschkestraße und Moritz-von-Schwind-Straße hatte die Städtische Wohnungsgesellschaft mbH (SWG) als Eigentümerin des Baugebietes auf Anregung eines Eisenacher Bürgers vorgeschlagen. Im Juni dieses Jahres hatte der Stadtrat diesem Vorschlag zugestimmt.

In einem neuen Wohngebiet eine neue Straße einzuweihen zeigt mir, dass sich in Eisenach beim Wohnungsbau etwas bewegt. Mich freut besonders, dass diesmal eine Frau die Namensgeberin für die neue Straße ist – eine Frau die sich in ihrer Zeit sehr für soziale und kulturelle Belange engagierte, sagte Katja Wolf zur Verleihung des Straßennamens.

Ausdrücklich dankte sie für diesen Vorschlag und zugleich auch den Nachfahren der Namenspatronin für ihre Zustimmung.

Die SWG ist Eigentümerin der Baugebietsfläche in der Fischweide. Dort sollen Wohngebäude für Familien und Senioren gebaut werden. Im vorigen Jahr wurden für das Areal in Regie der SWG die Erschließungsanlagen gebaut – unter anderem diese Anlieger-Straße.

Julie Freifrau von Bechtolsheim (1751 – 1847) lebte von 1776 bis 1847 als Dichterin in Eisenach. Sie war eine enge Vertraute Goethes und stand in dauerhafter brieflicher und persönlicher Verbindung mit ihm. Mit 24 Jahren kam Julie von Bechtolsheim als junge Mutter mit ihrem Mann und Sohn nach Eisenach. Julies Söhne Gustav und Louis kamen in Eisenach zur Welt. Die Familie verlebte im Palais am Jakobsplan dreißig glückliche Jahre.

Ihre literarischen und musischen Neigungen verwirklichte Julie von Bechtolsheim, indem sie ihren Gefühlen dichterischen Ausdruck gab, einen umfangreichen Briefwechsel mit bedeutenden Persönlichkeiten führte und den Salon im Palais zum geistigen Zentrum Eisenachs werden ließ. Da ging „…kein durchreisender Gelehrter, kein Künstler, Welt- und Staatsmann von einiger Bedeutung…“ vorbei, schreibt ein Zeitzeuge.

Julie von Bechtolsheim setzte sich unermüdlich für die Menschen ein, die durch den Krieg gegen Napoleon in Not und Elend geraten waren. Sie gründete das „Patriotische Fraueninstitut“ in Eisenach und förderte die Bildung von Frauenvereinen in der Stadt und auf den Dörfern. Damit junge Mädchen kostenlos Nähen, Stricken und andere Tätigkeiten lernen konnten, entstand dank ihrer Bemühungen eine „Arbeitsschule“. Sie richtete eine „Armenspinnerei“ und ein Altersheim für fünfzig verarmte Dienstboten ein. Für unverschuldet in größte Not geratene Eisenacher erbat sie vom Großherzog Carl Friedrich und von der Großfürstin Maria Pawlowna in Weimar erfolgreich finanzielle Hilfe. Bis ins hohe Alter wurden ihr von allen Seiten Liebe und Verehrung entgegen gebracht für ihre Wohltätigkeit, Leutseligkeit und Warmherzigkeit, die sich auch in ihren Gedichten ausdrückten.

Foto: © Stadt Eisenach

Andrea T. | | Quelle:

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