Anzeige

Frauenplan: Mauer kommt als Interim

Mit einem Schreiben vom 22.02.2007 hat die Neue Bachgesellschaft (NBG) gegenüber der Stadt Eisenach klargestellt, dass sie als Interimslösung im Bereich der vormaligen Treppe eine Böschung mit einer unteren Abschlusskante (Mauer) errichten wird. Damit folgt die NBG exakt detailgenauen Forderungen der Baudezernentin Gisela Rexrodt vom 24.01.2007.

Von diesen Forderungen war die Baudezernentin indes nach Bekanntwerden in der Presse wieder abgerückt. Sie habe zum Zeitpunkt der Entstehung noch nichts von einer früheren Vereinbarung zwischen der NGB und dem früheren Oberbürgermeister Schneider gewusst, sei neu im Amt gewesen, hieß es.
Das Schreiben der Dezernentin vom 24.01.2007 spricht freilich eine andere Sprache: Hierin heißt es vielmehr wörtlich: «Aufgrund der geänderten Situation muss die mit der Neuen Bachgesellschaft getroffene Vereinbarung vom Juni 2006 im Punkt VI. geändert werden.» Hintergrund sei, dass die Stadt mittelfristig beabsichtige, den mittleren Bereich des Frauenplans zu überarbeiten. Es solle jetzt bis zur Errichtung der neuen Treppenanlage ein geordnetes Stadtbild geschaffen werden. Die Dezernentin forderte: «Bitte veranlassen Sie daher die Herstellung der für die Treppenanlage vorgesehenen Fläche wie folgt: Der ehemalige Durchgang (Mauerlücke) ist als Natursteinmauer zu verschließen. Es ist eine Anböschung der für die neue Treppenanlage vorgesehenen Fläche bis zur Rittergasse vorzunehmen, die am Frauenplan (Vorplatzbereich zum Bachhaus) durch eine Abschlußkante (Mauer) mit einer Höhe von ca. 40 bis 50 cm zu sichern ist.» Die Dezernentin fügte hinzu: «Uns ist bewusst, dass wir dadurch von der Wiederherstellung einer für den Frauenplan wichtigen Wegeverbindung vorübergehend absehen müssen.» Dem Schreiben waren Detailskizzen der geforderten Interimsgestaltung beigefügt.
Die NBG hat diesem Vorschlag vollumfänglich und ohne jede Änderung zugestimmt und bestätigte am 08.02.2007: «Damit ist die Vereinbarung vom 01.06.2006 einvernehmlich geändert». Hintergrund ist auch, dass die NBG trotz der bisherigen Absprachen in Sachen Treppe (Finanzierung durch Städtebauförderung) von der Stadt seit dem 21.09.2006 nichts mehr gehört hatte und die jetzige Unterrichtung so kurzfristig erfolgte, dass eine andere Lösung bis zum 17. Mai finanziell und planerisch schlicht nicht mehr machbar ist.
In dem Schreiben der NBG vom 22.02.2002 stellt diese zudem klar, dass seitens der NBG alle Maßnahmen in engen Absprachen mit dem Amt durchgeführt worden seien. Es sei nichts verschuldet, nichts einfach abgerissen worden. Der erforderliche Rückbau der Südtreppe im vorderen Bereich sei seit dem Wettbewerb aus dem Jahr 2003 Bestandteil der vorliegenden, von der Stadt genehmigten Planung.
Die NBG fordert die Baudezernentin auf, sich in das der Allgemeinheit und der Stadt Eisenach zugute kommende Bauvorhaben positiv und nicht verhindernd einzubringen. Es sei unverständlich, wie die Stadt mit diesem einzigen Museumsneubau in Thüringen umgehe, vollständig finanziert durch von der NBG eingeworbene Fördermittel. Die Stadt selbst habe seit über 50 Jahren die Pflege des im Eigentum der Stadt stehenden, in seiner Substanz völlig verfallenen Bachdenkmals und seiner Umgebung vernachlässigt. Sie könne froh sein, dass sich ein gemeinnütziger Verein seit 100 Jahren der Pflege des Bachgedenkens in Eisenach angenommen hat und das Bachhaus einer weltweiten Öffentlichkeit mit wertvollen Exponaten und einer einmaligen Ausstellung zur Verfügung stelle.
Und wie geht es nun weiter bis zum 100jährigen Jubiläum des Bachhauses und der Neueröffnung des Museums am 17. Mai 2007, zu dem zahlreiche Gäste aus aller Welt erwartet werden? «Es kommt entweder die Interimslösung, oder es kommt gar nichts», so NBG-Vorstand Franz O. Hansen. Im letzteren Fall habe sich die Stadt den Ansehensverlust selbst zuzuschreiben.

Anzeige
Top