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Serie zum Tag des offenen Denkmals

Der diesjährige „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, 12. September steht unter dem Motto „Kultur in Bewegung – Reisen, Handel und Verkehr“. Zur Vorbereitung dieses Ereignisses wurden von den Beteiligten Geschichten und Informationen über die für Eisenach bedeutenden Verkehrs-, Reise- und Handelsorte, die zum Denkmaltag geöffnet sind, zusammengetragen und jeweils Beiträge verfasst. Diese Beiträge sollen in einer Artikel-Serie veröffentlicht werden, um auf den Denkmaltag einzustimmen.

Teil 6 – Gasthof „Am Storchenturm“
Vor 850 Jahren hielt der damalige Landgraf von Thüringen „Ludwig II – der Eiserne“ (1172-1190) es für notwendig, die am Fuße der Wartburg entlang führenden Handelsstraßen – unter anderem die „VIA REGIA Lusatiae“ und die „Lange Hessen“ – sowie die in der Entstehung befindliche Ortschaft Isenacha zu schützen. Dazu ließ er der Überlieferung nach mehrere massive, steinerne „Kemenaten“ errichten, die später in die Stadtmauer integriert worden sein sollen.

Einer von 26 Tor-, Wach- und Aufstiegstürmen an der Stadtmauer, mit 16 Metern Höhe der größte von allen, war der so genannte Storchenturm. Da darin die Pulvervorräte der Stadt aufbewahrt wurden, nannte man ihn auch Pulverturm. Die bis heute gebräuchliche Bezeichnung „Storchenturm“ erscheint erstmals im 18. Jahrhundert als „der Turm mit dem Storchennest“.

Neben dem Turm an der Stadtmauer entstand später der einstige Lehnshof derer „von Hellgreve“, einer damals angesehen Familie in Eisenach. Zum Lehnshof gehörten die Kemenate, eine Scheune und weitere Gebäude, die im 15. und 16. Jahrhundert erweitert wurden und das Gasthaus „Zur güldenen Sonne“ beherbergten.

Da im Laufe der Zeit die Stadtbefestigung an Bedeutung verlor, richtete man 1715 in dem Turm zeitweise das Amtsgefängnis ein. Das solide ausgeführte Bauwerk maß 22 Meter Umfang. Als nach und nach die Wehranlagen der Stadt zurückgebaut wurden, wurde auch der deutlich höhere Storchenturm 1835 gekappt und der Höhe der Stadtmauer angepasst.

Lange blieb der Storchenturm unbeachtet, ehe sich die Interessengemeinschaft Denkmalschutz 1983 seiner annahm. Allerdings wurde der Plan, ihn in seiner ursprünglichen Größe und Mächtigkeit wieder herzustellen, bald aufgegeben. Bis 1990 wurde der sogenannte „Hellgrevenhof“ als Wohnhaus genutzt, die Kemenate beherbergte eine Tischlerei; Turm, Hof und Scheune lagen im Dornröschenschlaf.

Nach der Wende bemühte sich die Stadt Eisenach gemeinsam mit Ihrer Partnerstadt Marburg um den Erhalt und die Sanierung des Gebäudekomplexes. Der Seitenflügel wurde zur Wanderherberge mit 24 Betten. In den Vorderhäusern haben heute die Stadtbibliothek und das WartburgRadio 96,5 ihr Domizil. Die Scheune wurde zum Gasthof „Am Storchenturm“ umgebaut und 1997 fertig gestellt. Das Sichtfachwerk wurde dort mit neuen Materialien wie Stahl und Glas ergänzt, eine Wendeltreppe und eine Galerie wurden eingebaut. Der uralte Apfelbaum vor der Scheune bildet ein wunderschönes „Dach“ für die Gartengaststätte.

Ausgrabungen im Untergeschoss des Storchenturms zu Beginn des 20. Jahrhunderts förderten einige Totenschädel zu Tage, die darauf hindeuten, dass der Turm in früheren Jahrhunderten auch als Verlies genutzt wurde. Dies regt bis heute die Phantasie der Menschen an – nicht zuletzt deshalb, weil einst der bekannte Wiedertäufer Fritz Erbe hier eingekerkert war, ehe er auf die Wartburg gebracht wurde.

„Fritz Erbe im Kerker“ ist auch das Thema des Kerkertheaters, das am Denkmaltag im Storchturm zu erleben sein wird. Nähere Informationen zu den Zeiten der Aufführungen sind im benachbarten Gasthof „Am Storchenturm“ erhältlich, in dem man original Thüringer Spezialitäten im historischen Ambiente und bei schönem Wetter auch unter dem Apfelbaum genießen kann.

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