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Theater am Markt wird 10 Jahre alt: Zeit für Bekenntnisse

Im Jahr 2018 feiert das Theater am Markt sein 10-jähriges Bestehen. Am 29. November 2008 präsentierte sich das TAM mit der Premiere von „Hysterikon“ zum ersten Mal einem Publikum. Bis zum Sommer 2008 war das „Theaterpädagogische Zentrum (tpz)“ noch Bestandteil des Landestheaters Eisenach. Mit dem Intendantenwechsel und dem Zusammenschluss mit der Meininger Kulturstiftung  sollte das Ende der Einrichtung beschlossen sein. Doch Marcus Coenen und Timo Bamberger hatten anderes im Sinn und gründeten unter der Trägerschaft des Stadtjugendring Eisenach das TAM in den Räumen ehemaliger Gastronomiebetriebe in der Goldschmiedenstraße.

Wir hatten damals kein Geld und keine Lobby aber eine starke Idee. Im Kultusministerium und in der damaligen Dezernentin Frau Lieske fanden wir Unterstützer für unsere Vision, ein Amateurtheater mit fester Spielstätte, generationsübergreifendem Ensemble und regelmäßigem Spielplan zu gründen. Wir wollten Leute aus unterschiedlichen politischen, kulturellen und sozialen Milieus zusammenbringen, Gemeinsamkeiten statt Trennendes in den Mittelpunkt stellen und zusammen dafür arbeiten. Ein soziales Experiment eben, ein Versuchslabor für praktische Gesellschaftsutopie., beschreibt TAM-Gründer Bamberger die Vision von 2008.

10 Jahre später ist diese Vision schon lange Wirklichkeit geworden. Relativ gleichbleibend war die Ensemblegröße immer zwischen 50 und 60 Menschen im Alter zwischen 8 und 70 Jahren. Manche Spieler und Spielerinnen sind jetzt 16 und von Anfang an dabei, andere sind jetzt fast sechzig und seit Beginn im TAM engagiert. Somit ist die Entwicklung des TAM vor allem eine Entwicklung der beteiligten Menschen.

Mit dem Spielzeitmotto ‚Bekenntnisse‘ geben wir unserer Entwicklung sowohl als Organisation aber auch der Entwicklung der beteiligten Menschen ein gemeinsames Arbeitsthema. Wir haben uns mit unserer Kunst immer zu unserer Heimat, dem Wert von einem Miteinander, gesellschaftlicher Mitbestimmung, Vielfalt, Veränderungsbereitschaft und Gestaltungswillen bekannt. Das macht uns aus, wir sehen uns als Teil einer Gesellschaft und wir wollen diese Gesellschaft aktiv mitgestalten., sagt Bamberger weiter.

Mit insgesamt 57 Premieren seit der Gründung 2008, ca. 750 Aufführungen und rund 25.000 Besuchern ist dieser Gestaltungsanspruch zu einer beeindruckenden Realität geworden. Doch damit ist die Motivation aller TAMaten noch nicht ausgeschöpft. Die Organisation entwickelt sich weiter, maßgeblicher Richtungsgeber hierfür ist die Ensembleversammlung, denn Partizipation aller Mitstreiter und Mitstreiterinnen ist die größte Stärke des TAM.

Wir sind ein Bürgertheater. Das heißt, das Bürgerinnen und Bürger nicht nur unsere Vorstellungen besuchen sondern vor allem, dass Bürgerinnen und Bürger dies durch ihr ehrenamtliches Engagement überhaupt ermöglichen. Das stellt natürlich sehr hohe Ansprüche an eine zeitgemäße Organisationsentwicklung. Wir sehen uns da auch als Vorreiter bei den Themen Selbstführung, Verantwortungsübernahme, flache Hierarchie und hierarchiefreie Räume. Das setzt die meisten Potentiale frei. Die künstlerische und organisatorische Leitung dient nicht der Führung, sondern der Erlebensermöglichung dieser Themen.  Das TAM ist ein Lernort und gleichzeitig eine lernende Organisation, Impulsgeber für jeden und jede Beteiligte, vielleicht sogar Impulsgeber für unsere Heimatregion., resümiert Timo Bamberger seine Aufgabe als Leitung des TAM seit 2008.

Das Engagement des ehrenamtlichen Ensembles erhält regelmäßig Unterstützung. Unterschiedliche Spender und Sponsoren beteiligen sich aktiv an der Ermöglichung des TAM. Neben der Wartburg Sparkasse und der EVB sind wieder die Druckerei Husemann, Jo West mit seiner Firma Deja-Vu, Timo Eißmann mit seinem Telekom-Partner Shop und Claudia Schneeweiß mit Ihrem Spielzeugladen ‚Die Murmel‘ maßgeblich an der Finanzierung beteiligt.

Mit unserem Vermieter Herrn Ulrich Marth aus Bad Hersfeld haben wir einen Unterstützer gefunden, der auch maßgeblich an der Gründung des TAM beteiligt ist. Seit 10 Jahren spendet Herr Marth einen Großteil der Mietzahlungen an uns zurück. Somit gibt es einen Leerstand an Gewerberäumen weniger in der Innenstadt und obendrein ein attraktives Kulturangebot mehr., beschreibt Vereinschef Andreas Artschwager, wie einfach Unterstützung leistbar ist und welcher Mehrwert für die Stadt bzw. die Region daraus entstehen kann.

Nach Spielzeitthemen wie ‚Heimat-Kaff der guten Hoffnung‘ oder ‚®evolution‘ wird sich das TAM 2018 und 2019 mit ‚Bekenntnissen‘ beschäftigen. Einige Premieren sind wieder geplant. Darunter „Der kleine Prinz“ nach dem Roman von Antoine de Saint-Exupery, „Baumeister Solneß“ von Henrik Ibsen, „Ungehaltene Reden von ungehaltenen Frauen“ von Christine Brückner und eine Eigenproduktion mit dem Titel „Bekenntnisse“. Die Premiere von „Bekenntnisse“ wird am 30.11.2018 stattfinden, also fast genau auf den Tag fallend, an dem vor 10 Jahren die erste Premiere stattfand. Bei „Bekenntnisse“ werden die Spieler und Spielerinnen mit eigenen Erlebnissen und Erfahrungen zu Wort kommen.

Das wird wahrscheinlich die persönlichste und intimste Produktion des TAM werden, denn die Spieler erzählen uns, was ihre Zeit im TAM mit ihnen gemacht hat, wie sich Haltungen und Einstellungen geändert haben, wann sie gescheitert sind und erfolgreich waren., erläutert Beate Göbel als Regisseurin die Grundidee für die Produktion.

Zur Premiere wird auch ein kleiner Empfang stattfinden, um das Jubiläum entsprechend zu feiern. Gäste aus der Thüringer Staatskanzlei haben sich bereits angekündigt. Ein besonderes Geburtstagsereignis wird die Veröffentlichung eines Buches mit dem Titel „Bekenntnisse“ zum Jahresende sein.

Nach 10 Jahren TAM gibt es viel aus Sicht des Ensembles und des Publikums zu berichten. Neben kleinen Texten, Interviews, vielen Fotos und Originaldokumenten werden sich noch einige Fachartikel mit kultureller Bildung, Theater als gelebte Demokratie und bürgerschaftliches Engagement als gesellschaftlichen Beteiligungsprozess beschäftigen., stellt Diana Schiffer als Vorstands- und Ensemblemitglied die Idee vor. Mit der Druckerei Husemann und der Firma bbs-Medien haben wir für die Veröffentlichung des Buches Partner gefunden, die unsere Arbeit mit einem druckhandwerklichen Qualitätsprodukt wertschätzen wollen. Das ist perfekte Kooperation, bei der alle Beteiligten einen großen Mehrwert generieren, ergänzt Vorstandmitglied Sven Raab.

Die neue Spielzeit im TAM wird wieder spannend. Die erfolgreiche Geschichte des TAM wird auf jeden Fall weitergeschrieben.

Andrea T. | | Quelle:

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