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Volkskundliche Ausstellung im Thüringer Museum: Das Binsenei

Zur Frühlingszeit Eier mit Binsenmark zu verzieren, ist eine alte Tradition und wird heute, außer in Eisenach, noch im Odenwald und im Lahn-Dill-Kreis gepflegt, wobei die einzelnen Orte spezielle Muster haben.

Woher in Eisenach die Tradition kommt, ausgeblasene Hühnereier mit Stoff und Binsenmark zu bekleben, weiß heute keiner mehr genau zu sagen. Allerdings wurden bereits um 1700 in der Vorfrühlingszeit kunstvoll verzierte Eier den Täuflingen  als Zeichen des Glücks in die Wiege gelegt. Frisch vermählten Paaren sollten die Eier reichen Kindersegen bescheren.

Max Kürschner berichtet aus der Zeit um die Mitte des 19. Jahrhundert von bunten Eiern und aus Binsenmark gefertigten bunten Vögeln, sog. heiligen Geistern, hergestellt von den Insassen des Weibersiechens St. Spiritus vor dem Ehrensteig. Für die Dekoration der Binseneier  braucht man kleingemusterten Stoff und das Mark der Binse.

Die schnittlauchähnlichen Stängel sind mit gelblich-weißem Mark gefüllt und wachsen an Bachrändern, auf feuchten Wiesen und an Waldrändern. Das Mark wird mit einem Streichholz aus denn Halmen geschoben und lässt sich dann wieder langziehen.

Die vorher mit kleingemusterten Stoffen beklebten, ausgeblasenen Hühnereier, werden nun mit dem Binsenmark verziert.

Ende der 1960er Jahre übergab der Volkskundler Max Kürschner dem Thüringer Museum seine umfangreiche Sammlung mit Binseneiern und verschiedenen Sommergewinnssymbolen. Ergänzt wurde die Sammlung  in den 1980er Jahren  durch Eier  von Preisträgern aus dem Wettbewerb „Das schönste Binsenei“, ausgeschrieben vom damaligen Kreiskabinett  für Kulturarbeit Eisenach. Eisenacher Binseneier wurden zum Sommergewinn 1995 das letzte Mal in einer kleinen Ausstellung im Thüringer Museum gezeigt.

Inzwischen wird die Tradition der Binseneier wieder gepflegt und die Eier zum Sommergewinn und Ostern an Freunde und Bekannte verschenkt.

Die Ausstellung „Das Binsenei im volkskundlichen Bestand des Thüringer Museums Eisenach am Markt“ ist noch bis zum 25. April im Westflügel des Thüringer Museums zu sehen.

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