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Weihnachtsausstellung im Thüringer Museum

Mit der Weihnachtszeit verbunden sind Düfte, Genüsse und vielerlei Geschäftigkeit, die sich nicht in der Stube, sondern in der Küche abspielen. An den Duft von Plätzchen, Weihnachtsbraten und Bratäpfeln kann sich fast jeder erinnern. Kinder backen und kochen auch heute noch gern mit ihren Eltern und Großeltern. Die Küche war der Ort, an dem sich die Familie traf, während die Mutter oder Oma kochte. Heute ist es gleich, wer in der Küche steht oder mit einer Puppenküche spielt. Aber noch bis in die 1920/30er Jahre war es für die Mädchen auch eine spielerische Vorbereitung auf ihre Rolle als künftige Hausfrau.
Puppenküchen sind heute beliebte Sammelobjekte, egal ob sie mit industriell oder mit selbst gebauten Möbeln ausgestattet sind. Die Puppenstubenmöbel entstanden meist in Handarbeit in den traditionellen Spielzeugmacherdörfern in Thüringen und im Erzgebirge. Das Zubehör aus Blech, Porzellan, Keramik, Glas und Holz konnte es in seiner Vielfalt mit den Küchenausstattungen der Erwachsenen durchaus aufnehmen und begeistert heute noch große und kleine Betrachter.
Puppenküchen, Puppenstuben und Kaufläden wurden erst ein erreichbares Spielzeug, als sie aus dem prunkvollen Puppenhaus des 18. Jahrhunderts herausgelöst wurden. Damit gespielt wurde vorwiegend in der Weihnachtszeit, hier konnte der Alltag lebendig werden.
Die ersten Puppenküchen waren sogenannte Rauchfangküchen aus Holz – auch »Nürnberger Küche” genannt. Sie hatten eine offene Feuerstelle mit einem Rauchfang darüber. Zur Ausstattung gehörten Blasebalg, Holzkorb, Bratspieß, Dreibeintopf und ein eingebauter Hühnerstall. Ringsum laufen Borde zur Aufnahme der Küchenutensilien, der Fußboden war oft schachbrettartig bemalt.
Die zunehmende Industrialisierung im 19. Jahrhundert zeigte sich auch im Kinderspielzeug. Während für die Jungen technisches Spielzeug aus Blech aufkam, zeigte sich ab 1850 die Puppenküche ebenfalls in diesem Material. Küchen aus bemaltem und lithografiertem Blech gab es noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Nach 1850 findet man in den Puppenküchen außenliegende Wassertanks, Pumpen oder Spülsteine. Um 1900 gab es die modernen Jugendstilküchen, danach die »Reformküche” nach dem Einbauprinzip, mit Gas- oder Elektroherd.
In den 1970er Jahren waren in der DDR fast alle Puppenmöbel und das Zubehör aus Plaste, Holzpuppenmöbel waren wegen des Rohstoffmangels schwerer zu bekommen. Die moderne Einbauküche setzte sich aber auch hier in der Puppenküche durch. Der VEB Vero in Olbernhau entwickelte zusammen mit Spielzeuggestaltern in dieser Zeit eine Puppenküche aus Holz. Sie kann nach dem Baukastenprinzip variabel zusammen gebaut werden und ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.
Der Streifzug durch die Welt der Puppenküchen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Das Thüringer Museum Eisenach dankt allen Museen und privaten Leihgebern dafür, dass sie ihre Schätze für die Ausstellung zur Verfügung gestellt haben. Ermöglicht wurde die Weihnachtsausstellung auch durch die Unterstützung von Sponsoren aus Eisenach wie dem Autohaus Göthling , dem Reisebüro Lufthansa City-Center und dem Küchenstudio Kehr, das dem Museum kostenlos eine Küche zur Verfügung stellt, in der zur Adventszeit gebacken werden kann.
Für die Weihnachtsausstellung des Thüringer Museums werden in diesem Jahr Räume in der zweiten Etage des Stadtschlosses genutzt. Die fünf restaurierten Räume sind mit dieser Ausstellung erstmals wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Dazu gehört das sogenannte Tapetenzimmer, für das die Wandbekleidung nach historischem Vorbild nachgefertigt wurde. Hier wird während der Ausstellung ein weihnachtlich geschmücktes Biedermeier-Zimmer zu sehen sein. Restauriert wurden in allen Räumen außerdem die historischen Fußböden, Türen und Stuckverzierungen.
Die privaten und öffentlichen Leihgeber sind: Freilichtmuseum Hohenfelden, Deutsches Spielzeugmuseum Sonneberg, Mühlhäuser Museen, Museen der Stadt Nürnberg / Spielzeugmuseum / Museum Lydia Bayer, Museen der Stadt Gotha / Regionalmuseum, Rülke GmbH Kleinhartmannsdorf, Seiffener Stübelmacher.

Die Weihnachtsausstellung »Lirum, Larum, Löffelstiel – Puppenküchen aus Museums- und Privatbesitz” wird bis zum 28. Februar 2010 im Eisenacher Stadtschloss gezeigt und ist geöffnet: montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr.

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