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Armend Alaj der zweite in Eisenach geborene Handball-Nationalspieler

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Sportbegeistert Armend Alaj (li.) und Qendrim Alaj (re) mit Vater Shpetim Alaj (Mitte).

Nach Länderspieldebüt für den Kosovo läuft er nun in den Hafen der Ehe ein

Eisenach, die geschichtsträchtige Kleinstadt unter der Wartburg, ist stolz auf den zweiten in ihren Gemäuern geborenen Handballnationalspieler. Stephan „Apollo“ Just, als 17-Jähriger 1997 mit dem ThSV Eisenach unter Trainer Rainer Osmann in die 1. Bundesliga aufgestiegen, bestritt 14 A-Länderspiele für Deutschland (18 Treffer). Der mittlerweile 41-Jährige ist aktuell Trainer der SCM-Youngster. Armend Alaj, 1995 in Eisenach geboren und mit dem ThSV Eisenach in der 2. Handballbundesliga am Ball, feierte kürzlich sein Debüt in der Nationalmannschaft des Kosovo. Der Rechtsaußen besitzt die deutsche und die kosovarische Staatsbürgerschaft. Seine Eltern flüchteten Anfang der 90er Jahren vor den Kriegswirren nach Deutschland und wurden in Eisenach heimisch. Vater Shpetim Alaj führt seit einigen Jahren den „Zoll-Service Alaj“, ist ein in Eisenach geschätzter Mann, auch wegen seines sozialen Engagements. Seit 2018 steht er dem ThSV Eisenach als Präsident vor. Er wurde im September ohne Gegenstimmen in diesem Ehrenamt bestätigt. Qendrim Alaj, der zweite Sohn, 28 Jahre, trägt im Thüringenligateam des ThSV Eisenach II die Kapitänsbinde. Die Familie um Vater Shpetim und Ehefrau Besime Alaj restaurierte und renovierte eine alte Villa in Eisenachs Südstadt, die heute als Pension „Villa Kleine Wartburg“ Gäste empfängt.

Kurz nach dem Länderspieldebüt steht die Hochzeit an
Armend Alaj bittet seine Freundin Drenusha am Freitag, 20.11.2020 auf dem Standesamt in Eisenach um das Ja-Wort. Familienzuwachs ist bereits unterwegs. In den jüngsten EM-Qualifikationsspielen des Kosovo debütierte Armend Alaj.

Das werde ich in meinem Leben nicht vergessen, erklärt der 25-Jährige.

Im feurigen Balkan-Derby gegen die Auswahl des Montenegro markierte Armend Alaj seine ersten beiden Treffer. Dennoch leuchte beim Abpfiff eine 25:32-Niederlage an der Anzeigetafel der Halle in Podgorice, der Hauptstadt von Montenegro, auf. Gegen die körperlich klar überlegenen mit international bekannten Assen gespickten Schweden zog der Handballzwerg Kosovo klar mit 16:30 den Kürzeren.

„Superliga“ im Kosovo mit überwiegend Profis

Anfang Juli erhielt ich die Nachricht, dass ich in die engere Wahl für die Nationalmannschaft gekommen bin. Schon das war eine große Ehre für mich, berichtet Armend Alaj.

Eine Woche vor dem EM-Qualifikationsspielen erfuhr der Eisenacher von seiner Berufung in den 20er Kader. In diesem stehen zwei in Deutschland aktive Handballer, Enis Kabashi (Landshut) und Armend Alaj. Drei Spieler sind in der Schweiz, zwei in Schweden unter Vertrag. Die im Kosovo aktiven Nationalspieler sind mit ihren Clubs in internationalen Wettbewerben am Ball. Der Spielbetrieb im Kosovo erfolgt in der höchsten Spielklasse, der „Superliga“ mit 12 Teams, die nach Hin- und Rückrunde in Play-Off-Spielen den Titelträger und die zwei besten Teams ermitteln, die dann auch im EHF-Cup starten. In dieser „Superliga“ sind nahezu ausschließlich Profis am Ball. Zu den Top-Spielen kommen, weiß Armend Alaj, bis zu 4.000 Zuschauern. Da die Rückennummer 22, die er beim ThSV Eisenach trägt, schon vergeben war, entschied er sich für die 95 seinem Geburtsjahr.

Gänsehaut pur am ganzen Körper
Mit einem vom Handballverband des Kosovo gebuchten Tickets fuhr Armend Alaj mit dem Zug von Eisenach nach München und bestieg dort ein Flugzeug nach Prishtina. Dort bezog er mit den Auswahlkollegen Quartier in einem internationalen 5-Sterne-Hotel. Armend Alaj kannte einige Teamkollegen aus seinen Heimatbesuchen. Während der Tage der EM-Qualifikation teilte er sich ein Doppelzimmer mit dem zweiten Rechtsaußen im Team, Doillon Tahiruvaj. Gleich am ersten Tag erfolgte die erste Corona-Testung. Alle Ergebnisse waren negativ. Es gab die komplette Ausrüstung an Trainings- und Wettkampfsachen. Eine gemeinsame Trainingseinheit schloss sich an. Am nächsten Tag ging es nach Montenegro, wo die Auswahl erneut in einem 5-Sterne-Hotel untergebracht war.

Auf die Einhaltung der Corona-Hygieneregeln wurde stets geachtet, betont der Eisenacher.

Die Partie fand ohne Zuschauer statt. Der Mannschaftsbus wurde von der Polizei eskortiert zur Halle gefahren. „Gänsehaut pur am ganzen Körper“ sei das erste Länderspiel gewesen, in dem er etwa 30 Minuten auf dem Parkett stand. Es war aber auch körperlich schmerzhaft. Kurz vor der Halbzeitpause, beim Versuch einer schnellen Mitte, bekam Armend Alaj einen Schlag ins Gesicht, der zu einer kurzen Bewusstlosigkeit führte. Die Referees ahndeten das nicht. Nicht nur hier wurde mit den bulgarischen Schiedsrichtern gehadert. Nach einem knappen 13:15-Rückstand zur Halbzeitpause blieb der Kosovo auch im zweiten Abschnitt zunächst auf Tuchfühlung.

Wir lagen nur mit zwei Toren zurück, da stand der Gegenspieler bei meiner Aktion ganz klar im Kreis. Da hätte es Siebenmeter geben müssen, berichtet Armend Alaj.

Anschließend setzten sich die Montenegriner ab, was angesichts der individuellen Klasse von Akteuren wie Milos Vujovic (Füchse Berlin) oder Vladan Lipovina (HBW Balingen) nicht unerwartet kam.

Nach erneutem Corona-Test ging es am nächsten Tag zurück in das Mannschaftshotel im Kosovo. Vor dem Spiel gegen Schweden wurden drei Trainingseinheiten absolviert.

Alles unter strenger Einhaltung der Corona-Hygieneregeln, betont Armend Alaj.

In der Partie selbst war der Kosovo krasser Außenseiter.

In den ersten 20 Minuten haben wir noch ganz gut mitgehalten, doch dann dominierten die körperlich klar überlegenen Schweden um den bei der SG Flensburg/Handewitt unter Vertrag stehenden Regisseur Jim Gottfridson, erläutert Armend Alaj.

Nach einem Fünf-Tore-Rückstand zur Pause (10:15) fanden die Kosovaren kaum noch eine Lücke in der schwedischen Deckung. Am Ende hieß es 16:30. Erfolgreichster schwedischer Werfer war der für Montpellier HB spielende Lucas Pellas mit neun Toren.

Leider waren sie einfach eine Nummer zu groß für uns, gab der Rechtsaußen-Spieler vom Fuße der Wartburg unumwunden zu.

Der Gastgeber bemängelte auch die fehlenden Zuschauer.

Mit den euphorischen Fans im Rücken spielt der Kosovo mit noch mehr Herz. Da wäre das Ergebnis sicher etwas besser ausgefallen, glaubt Armend Alaj, der gegen Schweden ohne eigenen Torerfolg blieb.

Auch die folgenden Corona-Tests erbrachten negative Ergebnisse. Einen Tag nach dem Schweden-Spiel ging es mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland.

Während der EM-Qualifikationsspielen lebten wir wie in einer Blase, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, unterstreicht Armend Alaj.

Wie geht es für Armend Alaj mit der Auswahl des Kosovo weiter?

Ich bin auch für die nächsten Auswahlaufgaben vorgesehen, berichtet Armend Alaj mit Stolz.

Im März des nächsten Jahres stehen die nächsten EM-Qualifikationsspiele an: am 10.03.21 im Kosovo gegen Rumänien, am 13.03.21 das Rückspiel in Rumänien, am 28.04.21 im Kosovo gegen Montenegro und am 02.05.21 in Schweden. Doch zunächst gilt seine ganze Kraft dem ThSV Eisenach. Am Mittwoch wurde ein hochwichtiger 24:23-Erfolg über den TV Emsdetten bejubelt. Der Punktspielplan bis zum Jahresende ist gespickt. Am Sonntag, 22.11.2020 ist der TV Großwallstadt Gastgeber.

Th. Levknecht

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Thomas Levknecht (re.), seit 30 Jahren Pressesprecher des ThSV Eisenach kennt Armend Alaj von Kindesbeinen an.

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