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„Das unerschrockene Wort“ an Stephan Krawczyk

Zum fünften Mal wurde der Preis „Das unerschrockene Wort“ der Luther-Städte vergeben. Preisträger ist der Schriftsteller und Sänger Stephan Krawczyk. Er war vom Eisenacher Stadtrat vorgeschlagen worden. Die Anregung dazu hatte eine Bürgerin nach einer öffentlichen Ausschreibung gegeben.
Oberbürgermeister Gerhard Schneider und Dezernentin Ute Lieske waren bei der Preisverleihung in Halle zu Gast. Die Laudatio hielt die ehemalige Eisenacherin Margot Friedrich. Sie ist Autorin und veröffentlichte Mitte der 90er Jahre ihr Tagebuch aus Wendezeiten in Eisenach („Eine Revolution nach Feierabend“). Sie war außerdem Mitglied des ersten frei gewählten Eisenacher Stadtrats.
In ihrer Laudatio auf Stefan Krawzcyk ging Margot Friedrich vor allem auf die DDR-Zeit ein und die Rolle, die der Autor und Liedemacher im Widerstand spielte. Sie sagte unter anderem: „Der Narr wäre keiner, wenn er nicht das Komische im Tragischen sähe, nicht das Lächerliche im wenig Lachhaften. Und wer wüsste das besser, als der Mann, der heute geehrt werden wird? Der ,Wieder stehen‘ – so der Titel einer CD von ihm – bitter gelernt hat. Welche Doppeldeutigkeit ,Wieder stehen, und ,widerstehen‘. Martin Luther hätte seine Freude an seinem Kollegen Krawczyk.“
Margot Friedrich hat Stephan Krawczyk früher auch persönlich getroffen: „Da saß er nun vor einem gespannten Publikum junger Pfarrer, mit seinem Bandoneon, diesem altmodischen Gerät, und sang seine den ,Staat untergrabenden und den Weltfrieden gefährdenden‘ Lieder. Welch ein Irrsinn! Ein junger Mann damals, eher bescheiden, denn aufmüpfig in seinem Auftreten und gelassen, bis er zu singen anfing. Böse Lieder, böse Texte, kritisch, frech, aber nicht so umstürzlerisch, dass erst Verfolgung, dann Haft und schließlich die Ausweisung aus dem Arbeiter- und Bauern-Staat zu rechtfertigen gewesen wären. Er war kein Feind, er war nur jemand, der denken konnte und sich das Denken nicht verbieten ließ, aber zu denken war und ist immer noch gefährlich genug. Er stellte sie bloß, alle jene, die sich für mächtig hielten. Er kroch nicht zu Kreuze. Er hat ein politisches System infrage gestellt und mit ihm die, die diesem System bedingungslos dienten.“
Abschließend sagte die Laudatorin: „Martin Luther hat den Menschen seiner Zeit Orientierung geben, mehr noch, er hat ihnen über das irdische Leben hinaus eine Vision geschenkt, für die sich Auflehnung, Widerspruch und – ja – auch Leid, lohnte. Nahrung für die Seele und einen Platz für das Herz. Dichter, Liedermacher können das auch – Nahrung für die Seele geben und einen Platz für das Herz. Ich bin überzeugt: Die Jury hat eine ausgezeichnete Wahl getroffen.“

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