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Dass sich der erste Mann des Staates mit einem kleinen Rockmusiker beschäftigt

Bildquelle: © Th. Levknecht
Andreas Schirneck im Forsthaus Thiemsburg

Hommage auf Klaus Renft im Hainich Forsthaus Thiemsburg • Ein besondere Abend, nicht nur für Ostrockfans!

Sollte es jemals eine ostdeutsche Rocklegende gegeben haben, dann war das zweifellos der im Dörfchen  Gernewitz  (Nähe Jena) geborene Klaus Renft, dessen Namen auch die legendäre Klaus-Renft-Combo trug, die 1975 von den DDR-Oberen verboten wurde. Gerulf Panach und Kurt Demmler schrieben die Texte zu „Der Apfeltraum“, „Wer die Rose ehrt“, „Gänselieschen“, „Nach der Schlacht“ oder „Lied auf dem Weg“. AMIGA veröffentlichte diese noch. Spätere fielen die Titel der Zensur zum Opfer, einschließlich Auftrittsverboten und dem endgültigen Aus. Die Klaus-Renft-Combo spielte vornehmlich mit Peter Gläser, Jochen Hohl, Klaus Jentzsch (Renft), Peter Kschenetz, Christian Kunert und Thomas Schoppe. Letzterer tourt noch immer durch die Lande.

Der Thüringer Musiker Andreas Schirneck nimmt den 80. Geburtstag des Anfang Oktober 2006 verstorbenen Klaus Renft zum Anlass, mit einer Hommage auf Tour zu gehen. Kürzlich gastierte er in Schönstedt/ Hainich, Forsthaus Thiemsburg. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hatte die Veranstaltung organisiert. Der Raum war gut gefüllt, mit Personen zwischen 30 und über 70 Jahren. Manche kannten Klaus Renft aus eigenem Erleben, von Konzerten, von Tonträgern oder aus öffentlichen Verlautbarungen. Mittels selten gezeigter Fotos und Originaldokumente aus dem Privatarchiv wurde ein Porträt von Klaus Renft gezeichnet, bei dem es natürlich nicht nur um Renft`s Bedeutung für die Rockmusik ging. Es gab private Einblicke in das Leben des „grummeligen Chaoten“, untersetzt mit Zitaten aus den Stasi-Akten sowie seinen Tagebüchern.

Bildquelle: © Th. Levknecht
Andreas Schirneck im Forsthaus Thiemsburg

 Dass sich der erste Mann des Staates mit einem kleinen Rockmusiker beschäftigt, Klaus Renft wollte es nicht glauben.

Der Briefwechsel zwischen ihm und Erich Honecker war einzusehen, die unzähligen Schreiben an die Kulturverantwortlichen vom Rat des Kreises und des Bezirkes. Für eine 30-Jährige, die mit ihrem 63-jährigen Vater ins Forsthaus Thiemsburg gekommen war, unvorstellbare Vorgänge. Zeugnisse des real existierenden Sozialismus im Arbeiter- und Bauern-Staat DDR.

„Was kostet die Welt? Ich möchte zwei“

Wer war der Mann, dessen Bassgitarre im Bonner „Haus der Geschichte“ ausgestellt ist (ausgerechnet neben der Strickjacke von Helmut Kohl!)? „Was kostet die Welt? Ich möchte zwei!“ Das war einer seiner Lieblingssprüche und könnte auch als Motto über seinem Leben stehen. Wer weiß zum Beispiel schon, dass Renft auch souverän mit Farbe und Pinsel umgehen konnte, sogar Ausstellungen auf Malta hatte. Gewürzt wurde der viel zu schnell vergehende Abend mit derart skurrilen Storys, die nur das wirkliche Leben schreiben kann.

Im Wechsel mit Wortbeiträgen spielte Andreas Schirneck live einige ausgewählte Stücke auf dem Programm, mit dem beide Musiker über Jahre als LSD-Löhmaer Song Duo“ unterwegs waren.

Die nächste Hommage „80 Jahre Klaus Renft“ findet am 03.11.2022 um 19.00 Uhr in Gotha, im „Tivoli“ statt. Nicht nur für Fans von Klaus Renft empfehlenswert“!

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