Werbung

Der beste Linkshänder im rechten Rückraum von Motor Eisenach

Bildquelle: © Archivfoto Th. Levknecht
Lutz Sinke für Motor Eisenach in der 1. Liga der DDR am Ball.

Handball-Idol Lutz Sinke feiert seinen 70. Geburtstag

Die oberste Handball-Liga Männer (Oberliga) der ehemaligen DDR bestritt zumeist mit nur 10 Mannschaften den Punktspielbetrieb. Fünf privilegierte Sportclubs und fünf BSG-Mannschaften waren dabei. Zu den Dauerbrennern gehörten die Handballer der BSG (Betriebssportgemeinschaft) Motor Eisenach. Lutz Sinke gehörte über viele Jahre zu dieser legendären Motor-Truppe.

Der beste Linkshänder im rechten Rückraum von Motor Eisenach, zollt ihm sein einstiger Mitspieler und Kapitän Rainer Osmann noch heute ein dickes Lob.

Am Sonntag, 08.03.2020 feiert Lutz Sinke seinen 70. Geburtstag. Er warf über 2.000 Tore für Motor Eisenach. Der ThSV Eisenach wird ihm während des Zweitbundesliga-Traditionsderbys am 28. März 2020 gegen den EHV Aue gratulieren. Zu seinem Ehrentag weilt Lutz Sinke nicht in Eisenach.

Wir kennen uns seit über 50 Jahren, haben zusammen in der Jugendauswahl Erfurts gespielt, sind nach wie vor befreundet, auch wenn unsere Freundschaft während unserer aktiven Handballzeit noch viel enger war, gemeinsame Freizeit, gemeinsamer Urlaub. Lutz ist einer der bescheidensten Menschen und Sportler, die ich kenne. Leider war das gerade in den Jahren der politischen Wende bei einer Neuorientierung nicht einfach und hilfreich. Als Handballspieler war Lutz ein großartiger Sportkamerad mit einer tollen Einstellung zum damaligen Leistungshandball in einer BSG, mit 7- bis 8-maligem Training in der Woche, erinnert sich Rainer Osmann.

Lutz Sinke kam 1968 von Optima Erfurt als Jugendspieler nach Eisenach. Horst Schmidt, damaliger Eisenacher Oberligatrainer, war auch Bezirksauswahl-Trainer und entdeckte faktisch den jungen Lutz Sinke. Dieser schaffte rasch den Sprung in die 1. Mannschaft. Er zählte über ein Jahrzehnt auch zu den besten Linkshändern im rechten Rückraum der DDR. Er spielte noch mit Frieder Singwald und Horst Ehrhardt zusammen, die 1958 mit Motor Eisenach den Titel des Deutschen Meisters im Feldhandball der DDR eroberten. Lutz Sinke war der Angriffsgarant für Eisenachs Erstklassigkeit! Unvergessen eines seiner ersten Spiele gegen den SC DHfK Leipzig um National-Torwart Klaus Franke, in dem Lutz Sinke 9 Treffer zum überraschenden Sieg erzielte. Heute unvorstellbar, Motor Eisenach bestritt seine Erstliga-Heimspiele bis Mitte der 70er Jahre in der Jahnsporthalle, einem ehemaligen Stall für die Pferde der Kasernierten Volkspolizei der DDR. Nahezu 500 Zuschauer drängten sich in der Halle und von außen an den Fenstern. Lutz Sinke spielte bis zur Saison 1985/86 in der ersten Mannschaft. Er lebte Vereinstreue.

Ja, es gab Anfragen, aber ein Wechsel kam für mich nicht in Frage, erklärt Lutz Sinke rückblickend.

Während seiner Armeezeit spielte er in Rudolstadt, gemeinsam mit Bernd Schreiter aus Aue.

Wir wurden zwei Mal NVA-Meister, berichtet der Jubilar augenzwinkernd.

Nach 1986 spielte Lutz Sinke noch in der 2. Mannschaft von Motor Eisenach, die in der DDR-Liga, der zweithöchsten Spielklasse um Punkte am Ball war, unterstützte junge Sportler in ihrer Entwicklung. Ab 1993 war er noch viele Jahre für die TSG Ruhla am Ball. Die Bindung in die Bergstadt hat Bestand.

Die alte Truppe trifft sich freitags noch zum lockeren Fußball, berichtet Lutz Sinke.

Er freut sich, dass der ThSV Eisenach die Traditionspflege neu belebt hat. Ein im vergangenen Jahr auf Initiative von Hans-Joachim Ursinus, Rainer Osmann und Jürgen Beck initiiertes Wiedersehens-Treffen soll regelmäßig wiederholt werden.

Wir sprachen mit Lutz Sinke über seine Karriere:
Zu Ihrer aktiven Zeit gab es Doppelspiele?
Ja, in der 10- oder 12 Teams umfassenden 1. Liga der DDR wurden jeweils zwei Heim- oder zwei Auswärtsspiele ausgetragen. Samstag um 16.00 und Sonntag um 11.00 Uhr. Zuvor, um 14.30 und 9.30 Uhr, spielten die jeweiligen Jugendoberliga-Mannschaften. Wir spielten beispielsweise Samstag in Frankfurt/Oder und Sonntag in Berlin oder Samstag in Schwerin und Sonntag in Rostock. Analog dann auch die Heimspiele. Zu den Spielen in die Nordbezirken waren wir mit unserem Robur-Bus 9 Stunden unterwegs. In sechs Wochen war eine Halbserie schon beendet. Wir bestritten viele Turniere, auch in der CSSR, an die ich mich gern erinnere.

Lutz Sinke trug sein blau-weißes Motor-Herz auf der Zunge?
Ja, deswegen habe ich etliche Zeittrafen kassiert. Das war mein Manko. Es wurden sogar „Erziehungsmaßnahmen“ ergriffen. Für jede Zeitstrafe wegen Reklamierens oder Meckern musste ich 20 Mark zahlen. Das wäre dann zu teuer geworden….

Apropos Geld. Gab es Prämien?
Wir waren überwiegend im Automobilwerk Eisenach angestellt, wurden zum Training freigestellt. Kleine Prämien, nicht vergleichbar mit heutigen, gab es für besondere Leistungen, wie Teilnahme an der Endrunde im FDGB-Pokal. Ich bin auch vom AWE als „Sportler des Jahres“ und „Verdienstvoller Mitarbeiter“ ausgezeichnet worden.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Heimspielstätten?
Die Jahnsporthalle mit ihrer einzigartigen Atmosphäre war der Garant für unseren Klassenerhalt. Post Schwerin spielte seinerzeit schon in der 5.000 Zuschauer fassenden Stadt- und Kongresshalle. Alle hatten Dampf, wenn sie nach Eisenach mussten. Die Luft brannte besonders gegen die Sportclubs, denen Motor das Fürchten lehrte. Nach einem Heimsieg über den SC Dynamo Berlin legte dieser Protest ein. Das Wiederholungspiel wurde in Leinefelde ausgetragen. Wir gingen erneut als Sieger vom Parkett. Ende der 70er Jahre wurde die Jahnsporthalle für Erstligaspiele nicht mehr zugelassen. Wir zogen nach Mühlhausen in die Damaschke-Sporthalle um. Es kam keine Heimspielatmosphäre auf. Als Volltreffer erwies sich hernach der Wechsel nach Erfurt, in die Sporthalle am Beethoven-Platz, die „Schalenhalle“. Schalenhalle deshalb, weil es da schon seinerzeit Schalensitze für die Zuschauer gab. Wir spielten praktisch in meiner Heimat vor einem fantastischen Publikum. Mit 1.200 Zuschauern war sie regelmäßig ausverkauft. Ich erinnere mich, wenn wir mit dem Mannschaftsbus nach Erfurt fuhren, überholten uns hupende Autos mit winkenden Menschen aus Eisenach. In Erfurt feierten wir etliche Erfolge über die Sportclubs. Im Jahr 1984 erhielten wir dann in Eisenach mit der Sporthalle Katzenaue eine echte Heimspielstätte. Ein Quantensprung!

Welches waren die Highlights Ihrer Laufbahn?
Da stehen natürlich ganz oben die Siege über die Sportclubs aus Rostock, Berlin, Leipzig, Magdeburg und Frankfurt/Oder. Die Spiele gegen die anderen BSG-Mannschaften, wie gegen Wismut Aue, atmeten stets Rasse und Klasse. Wir schafften auch zwei Einzüge in die in Rostock stattfindende Pokal-Endrunde. Einmal qualifizierten wir uns im Siebenmeter-Werfen über Dynamo Berlin. In der Hauptstadt hatten wir 21:24 verloren, im Rückspiel 24:21 gewonnen. Das Siebenmeter-Werfen musste entscheiden. In der Jahnsporthalle! Die Dynamos verstanden die Welt nicht mehr. Im Jahr 1982 wurde Motor Eisenach zur Mannschaft des Jahres im Bezirk Erfurt gewählt. Das war eine große Auszeichnung für uns alle.

Unter welchen Trainern waren Sie am Ball?
Das waren zuerst Horst Schmidt, Werner Aßmann und Dieter Illert. Und natürlich Hans-Joachim Ursinus. Mit seinem fundierten Fachwissen kitzelte er Höchstleistungen aus uns heraus, sorgte für beste körperliche Fitness als Grundlage für handballerischer Erfolge. Ganz oben stand unser Kampfgeist. Gemeinsam konnten wir Berge versetzen!

Wer waren Ihre härtesten Gegenspieler?
Da gibt es einige. Genannt seien Dietmar Schmidt, Michael Wahl und der Berliner Brutschin.

Welche Mannschaftskameraden sind Ihnen besonders in Erinnerung?
Das waren alles durchweg tolle Kerle und dufte Typen! Stellvertretend nennen möchte ich Rainer Osmann, Jochen Mascher, Edmund Nositschka, Viktor Eiser, Franz Fischer, Horst Ehrhardt und Frieder Singwald.

Was unterscheidet den Handball von heute zum Handball Ihrer Zeit?
Er ist athletischer und viel schneller. Die Spielzüge sind vielfach die gleichen, nur unter anderem Namen. Bei uns hieß einer Dynamo Berlin rechts.

Verfolgen Sie die Spiele der aktuellen Eisenacher Handballgeneration?
Ich bin noch oft in der Werner-Aßmann-Halle, freue mich, dass mich noch viele Zuschauer kennen. Die Neuauflage des Traditionsderby gegen den EHV Aue werde ich mir nicht entgehen lassen. Etliche alte Handballkämpen aus Aue kommen auf Einladung des ThSV Eisenach. Beim Hinspiel der Saison war eine Delegation alter Motor-Kämpen auf Einladung des EHV Aue im Erzgebirge. Ich war dabei und traf viele alte einstige Gegenspieler. Um insgesamt über den Handball informiert zu sein, kaufe ich mir jeden Mittwoch die „Handballwoche“.

Th. Levknecht

Werbung
Werbung
Top