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Die immer schreibt

Dorfschreiberin Vera Vorneweg verabschiedet sich aus Kaltenlengsfeld

Der Andrang im Dorfgemeinschaftshaus am letzten Freitag war groß. Immer mehr Stühle musste der Kulturverein Kaltenlengsfeld stellen, damit auch alle Platz fanden. Am Ende waren es über 80 Bewohner des Ortes, die ihrer „Dorfschreiberin“ Vera Vorneweg zuhören wollten. Eine Stunde las die junge Düsseldorferin, nachdem sie von den Kindern des Ortes mit Glücksbändern und guten Wünschen versehen war.

Seit Anfang September lebte Vera Vorneweg als Stipendiatin der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, der Wartburg-Sparkasse und der SV SparkassenVersicherung in Kaltenlengsfeld. Mit dem Projekt „Roman der Vielen“ hatte sie sich im Frühjahr auf das Stipendium beworben. Einen Roman aus den Geschichten der Leute, dem Dorf eine Stimme geben, war ihr Plan.

Die Geschichten des Ortes sammelte sie, zunächst auf dem Platz unter der Linde, nach kurzer Zeit auch in der Schlachterei, dem Fußballverein, beim „Anschellen“ in den Wohnungen, auf der Kirmes und in der Landschaft der Rhön. Sie kam ins Gespräch mit Alt und Jung. Die Kinder führten sie an den „magischen Baum“. Die Kaltenlengsfelder öffneten der aufgeschlossenen und herzlichen Vera Vorneweg ihre Türen und ihre Herzen.

Am Freitag präsentierte sie erste Ergebnisse. Ihr Fremdsein, ihr Ankommen, aber auch ihren Perspektivwechsel als Städterin aufs Dorf. Unter Schmunzeln thematisierte sie ihre Reaktionen als Vegetarierin auf eine Einladung zum Schlachten und ihr Verhältnis als Frau und Schriftstellerin in einer Runde heimischer Dachdecker und Bauern. Sie sprach über Gemeinschaft, Hippies, Licht in Fenstern und die Pfade durch eine Landschaft. Die Zuhörer lauschten mit großer Konzentration und dankten ihrer Dorfschreiberin mit ebensolchem Applaus. Am Ende sang der Chor ein eigens getextetes Lied „Die immer schreibt“ und ließ den Abend beim Mitsingen zu einem wahrhaft gemeinschaftlichen Erlebnis werden. Dies bestätigte auch Bürgermeister Eric Thürmer, der feststellte, dass die Künstlerin etwas „mit unserem Dorf gemacht“, die „Menschen zusammengebracht“ habe. Dies kann Kunst. Nun sind die die Kaltenlengsfelder gespannt auf den Roman, der aus den Notizen entstehen soll. Etwas bewegt hat die Kunst aber schon jetzt.

Andrea T. | | Quelle:

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