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Die Stimme des ThSV Eisenach feiert heute 60. Geburtstag

Jürgen Hausburg begleitet seit 35 Jahren am Hallenmikrofon die Spiele der 1. Mannschaft

Seit 1985 begleitet Jürgen Hausburg die Heimspiele des ThSV Eisenach (und vormals Motor Eisenach) am Hallenmikrofon. Die „Stimme des ThSV Eisenach“ feiert am heutigen Montag, 06.04.2020 seinen 60. Geburtstag.

Er sagte für Generationen Eisenacher Handballer die Tore an, brachte wichtige (erfreuliche und unerfreuliche) Informationen unter die Zuschauer, er feierte mit dem Team Siege und Aufstiege, saß auch bei Abstiegen am Hallenmikrofon. Höhepunkte gab es etliche. Das Highlight, das absolute Highlight, sei der Aufstieg 1997 unter Leitung von Rainer Osmann in die 1. Handballbundesliga gewesen. „Fast ausschließlich mit Männern aus unserer Region. Ein Titel Raduta war längst ein Eisenacher. Bongo Beck, den ich schon als Schuljunge aus gemeinsamen Begegnungen auf der Sängerwiese kannte, sein Bart musste dran glauben. Wir fuhren auf einem Tieflader der Firma Lindig zum Markt, überall winkende Menschen am Straßenrand und an den Fenstern. Auf dem Markt erwarteten uns gemeinsam mit Oberbürgermeister Hans-Peter Brodhuntausende Menschen.“ Emotional sei auch das Jubiläumstreffen dieser Mannschaft 10 Jahre später gewesen, unter Leitung der legendären Schiedsrichter Hagen Becker und Axel Hack. „Bei einem von ihm verhängten Siebenmeter stellte sich Axel Hack selbst ins Tor“, erinnert sich Jürgen Hausburg schmunzelnd. „Ich begleitete unsere Mannschaft am Hallenmikrofon bei den Punktgewinnen gegen Top-Teams der Liga von 1997 bis 2004, gegen den THW Kiel, Wallau-Massenheim, TBV Lemgo und die SG Flensburg-Handewitt, moderierte den ThSV-Sieg über den SC Magdeburg mit einem überragenden Stephane Joulin und einem entnervt das Parkett verlassenden Stefan Kretzschmar, erlebte Weltklasse-Handballer Talant Dujshebaev“, schwelgt Jürgen Hausburg in Erinnerungen. Ganz schmerzlich sei vor zwei Jahren der Abstieg in die 3.Liga gewesen, der ja ganz schnell repariert worden sei.

Seriös und emotional
Nein, ein Einpeitscher sei und wolle er nicht sein. „Seriös und emotional gleichermaßen“ bezeichnet sich der Jubilar selbst. Bei der Frage nach der „Gage“ lacht er: „Ich bekomme zwei Eintrittskarten, für meine Frau und meine Tochter.“ Er verfolgt natürlich das aktuelle Handballgeschehen, um am Spieltag auf dem Laufenden zu sein. Neueste Vereinsmeldungen bekommt er am Spieltag vom Pressesprecher des ThSV Eisenach zugearbeitet. Und auch das gehört zur Vita des Jürgen Hausburg. Die von ihm 1999 erbaute HME-Tankstelle in Eisenach (Langensalzaer Straße) fungierte 17 Jahre (bis zu seinem Ausscheiden2016) als Vorverkaufsstelle für Eintrittskarten und Fanartikel (Aufkleber. T-Shirt, Schal, Mini-Trikot) des ThSV Eisenach. „Bis zu 600 Tickets gingen manchmal über unseren Ladentisch“, erinnert sich Jürgen Hausburg.  „Im persönlichen Verkaufsgespräch“, fügt er mit Betonung hinzu. Es gab Zeiten, da war eine Verkäuferin überwiegend mit ThSV-Eintrittskarten beschäftigt. Das war dann vielfach meine Frau“, blickt der Jubilar zurück, dankt gleichermaßen seiner einstigen Belegschaft für die Unterstützung „seiner Herzenssache“. „Mein ganzes Engagement für den ThSV Eisenach war nur möglich, weil meine Frau Ramona stets hinter mir stand und steht. Wir haben unseren Urlaub vielfach nach dem Heimspielplan des ThSV Eisenach geplant, Familienfeierlichkeiten so gelegt, damit ich in der Halle sein konnte“, berichtet Jürgen Hausburg. Das Hallenmikrofon zur Seite zu legen, danach ist ihm noch lange nicht. „ThSV-Heimspiele in einer neuen Arena zu moderieren, das reizt mich natürlich besonders“, lässt er wissen. „Steigt ein junger neuer Stern am Eisenacher Hallensprecher-Himmel auf, will ich ihn in ein paar Jahren mit meiner Erfahrung unterstützen, mein Wissen an den Mann oder die Frau (warum nicht?) weitergeben.Dann könne er Handballspiele in Eisenach auch mal aus einer anderen Sicht, ohne Hallenmikrofon, verfolgen. Doch bis dahin dürften noch einige Jahre vergehen

Im Jugendclub Sonne begann alles
Jürgen Hausburg, in jungen Jahren mit dem Waldhorn im Pionierblasorchester, später im Blasorchester des Wartburgensemble, nach einem Studium in Suhl als Diplom-Ingenieur Fachrichtung Instandhaltung in Eisenach tätig, war seit 1976 in seiner Freizeit als „staatlich geprüfter Schallplattenunterhalter“ im FDJ-Jugendclub „Sonne“. Hier wurden er und sein „Schallplattenunterhalter“-Kollege Eckhard Hopf angesprochen, ob sie bei Heimspielen der von Hans-Joachim Ursinus betreuten Erstliga-Handballer von Motor Eisenach in der 1984 eröffneten Sporthalle Katzenaue (der späteren Werner-Aßmann-Halle) die Ansagen übernehmen könnten. Beide lösten 1985 Dieter Kuhla ab, nahmen im Wechsel – noch am Kampfgericht sitzend – die Ansagen vor. Diese bestanden nur aus der Nennung des gerade ein Tor erzielenden Spielers, der Minute und des neuen Spielstandes. „Mehr war nicht erlaubt“, berichtet Jürgen Hausburg. „Die Atmosphäre war stets hitzig, insbesondere in den Spielen gegen die privilegierten Sportclubs; doch ich musste Ruhe bewahren“, erinnert sich der Jubilar. Abends waren dann die Motor-Spieler um „Edi“ Nositschka, Jürgen „Bongo“ Beck, Stefan Scheidt, Michael „Dubse“ Dubiel und Lutz Sinke in der „Sonne“. Nach der Heirat und der Geburt der Tochter bekam die junge Familie in Creuzburg eine Wohnung. Nach der politischen Wende eröffnete Jürgen Hausburg gemeinsam mit seiner Frau als „rechte Hand“ einen Mineralöl- und Kohlehandel. „Weiße LkWs unserer Firma waren mit schwarzen Kohlen unterwegs“, grinst Jürgen Hausburg rückblickend. Die Kohl-Nachfrage sank in den Folgejahren, nach zähem Ringen mit den Behörden gab es die Genehmigung für den Bau einer Tankstelle im Osten Eisenachs, die 1999 eröffnet wurde.

Vom „Ansager“ zum „Moderator“
Jürgen Hausburg moderierte, mit Norbert Knuth von der „Sonne“ als Assistent, seit 1990 die Spiele des aus der Sektion Handball der BSG Motor Eisenach gegründeten ThSV Eisenach, der die Qualifikation für die zweigleisige 1. Handballbundesliga geschafft hatte.  „Aus dem hessischen Obersuhl, vom leider gerade verstorbenen Günter Breitbart der dortigen SG Heringen/Obersuhl, erfuhren wir viel Hilfe. Eckhard Hopf und ich wurden zur Moderation eines Schwimmbadfestes nach Obersuhl eingeladen“, erinnert sich Jürgen Hausburg. Aus dem Jugendclub „Sonne“ waren viele Freunde mitgekommen. Inzwischen war er vom „Ansager“ zum „Moderator“ geworden. Handballmannschaften aus ganz Deutschland kamen nach Eisenach. Jürgen Hausburg bezog seinen Platz auf der Haupttribüne, allerdings nicht in einer Sprecherkabine, begrüßt vor dem Anpfiff vom Parkett. „Um die Nähe zu den Zuschauern zu haben, die mich manchmal auch auf was aufmerksam machen, sitze ich direkt unter ihnen“, begründet Jürgen Hausburg seinen „Arbeitsplatz“. Er weiß auch, welche „Macht“ er am Mikrofon hat, um auf die Zuschauer einzuwirken. Das Fair playsteht ganz oben. Schiedsrichterpfiffe werden nicht kommentiert, auch wenn es manchmal juckt. In jüngster Zeit ist der Hallensprecher bei der technischen Besprechung vor der Partie in der Schiedsrichterkabine dabei. „Zu langjährigen Schiedsrichtern habe ich heute noch Kontakt“, lässt der ThSV-Hallensprecher wissen. In der HUK-Coburg Arena moderierte Jürgen Hausburg mit dem einheimischen Hallensprecher Stefan Apfel zwei fränkisch-thüringische Nachbarschaftsvergleiche.

Titel Raduta – der Sportsmann vom Scheitel bis zur Sohle
An wen erinnert sich Jürgen Hausburg aus den eigenen Reihen? Natürlich an Titel Raduta, dem Sportsmann vom Scheitel bis zur Sohle, von den ThSV-Fans auch zum Spieler des Jahrzehnts gewählt. „Eine überaus bescheidener Klasse-Rückraumspieler. Er war gegenüber allen sehr freundlich, selbst in der unmittelbaren Spielvorbereitung, wenn ich zu ihm kam. Rundherum ein toller Mensch“, so Jürgen Hausburg. Rainer Osmann hat er noch als spielenden Co-Trainer von Motor Eisenach erlebt. „Osse hatte stets ein offenes ehrliches Wort, sehr fundamentiert, rettete uns nach seiner Rückkehr aus Obersuhl 1992 vor dem Abstieg in die 3. Liga, gehörte zu den Vätern des Erstbundesliga-Aufstieges 1997“, erklärt der langjährige Hallensprecher

Viel Emotionales in 35 Jahren am Hallenmikrofon
Viele emotionale Momente erfuhr Jürgen Hausburg am Hallenmikrofon.  Freudige, kuriose, dramatische und traurige. Einmal habe er die Gäste vom Lok RAW (Reichsbahnausbesserungswerk) Cottbus als Lok RAW Dresden vorgestellt. Der einstige Rückraumkanonier Frank Gießler nenne ihn deshalb spaßig „Lok RAW Dresden“. Das Übermitteln von Todesnachrichten berühre ihn vielfach ganz persönlich, wie die des ehemaligen Präsidenten Frank Seidenzahl und des ehemaligen Schatzmeisters Horst Rabe. Da versagte ihm schon mal die Stimme. „Leider gehört das auch zu den Aufgaben eines Hallensprechers“, weiß Jürgen Hausburg. Beim Herzinfarkt eines Zuschauers wurde das Zweitbundesligaspiel gegen den TV Korschenbroich abgebrochen. Auch das moderierte Jürgen Hausburg einfühlsam. Emotional für ihn die Ehrungen für die Spieler des „Deutschen Meisters im Feldhandball der DDR“ des Jahres 19958“ zum 50. und 60. Jubiläum. Emotional die Verabschiedungen der Spieler am Saisonende. Manchmal gehe da ein Stück langjähriger Eisenacher Handballgeschichte. Die Verabschiedung des „Turbo“ Tomas Sklenak sei eine der emotionalsten gewesen, aber ebenso dessen Aufnahme in die „Hall of Fame“ im vergangenen Jahr.

Geht es nach dem Eisenacher Handballpublikum und auch ihm selbst, Jürgen Hausburg wird noch einige Jahre die „Stimme des ThSV Eisenach“ bleiben.

Th. Levknecht

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