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Ein Leben mit und für den Sport

Fleischermeister Günter Oppel feiert am Donnerstag seinen 80. Geburtstag

In Eisenach kennt ihn jeder, den sportbegeisterte Fleischermeister Günter Oppel. Auf seiner eigenen sportlichen Vita stehen 4 DDR-Meister-Titel und der Vize-Weltmeistertitel im Motorboot-Rennen 1970, unterstützt von Manfred Lindig als Monteur. Ab 1979 widmete sich Günter Oppel dem Windsurfing. Er nahm über Qualifikationen in den damaligen Bezirken Erfurt, Gera und Suhl 10-fach an DDR-Meisterschaften teil. Rang 6 war seine beste Platzierung unter 44 Finalteilnehmern. Ab 1992 richtete sich sein sportlicher Fokus auf das Golfspielen.

Ich habe mich bis Handicap 21, einem sehr guten Wert heruntergespielt, blickt Günter Oppel zurück.

Er, in jungen Jahren in seinem Geburtsort Falken selbst Handball spielend, zu DDR-Zeiten die in der 1. Liga spielenden Handballer von Motor Eisenach aktiv unterstützend, krempelte nach der Wiedervereinigung die Ärmel mit hoch, um mit der Gründung des ThSV Eisenach dem Leistungshandball in der Wartburgstadt eine neue Basis zu schaffen. Gemeinsam mit Horst Ehrhardt, dem Deutschen Meister im Feldhandball der DDR von 1958, Gerhard Sippel und anderen ehrenamtlichen Helfern gründete Günter Oppel den Förderverein des ThSV Eisenach. Bis zur Aufgabe seines Geschäftes unterstützte er den ThSV Eisenach als Sponsor überaus vielfältig. Wenn es finanziell brannte, und das war oft, sprang er ein, übernahm beispielsweise Anfang dieses Jahrtausends eine Bürgschaft, die noch bis zum Vorjahr verlängert wurde. Aber auch sportlich blieb er weiter selbst aktiv, spielt jeden Dienstag Tennis; im Sommer auf der wunderschönen Anlage im Eisenacher Johannistal, im Winter in einer Tennishalle im Wartburgkreis. Im Team der 6. Mannschaft von Blau-Weiß Eisenach-Nord bestreitet er noch immer Tischtennis-Punktspiele.

Ich spielte da oft gegen ganz junge Burschen, die meinen, mit dem alten Sack leichtes Spiel zu haben, grinst Günter Oppel.

Am vergangenen Freitagabend standen Punktspiele gegen Möhra an.

Einmal gewonnen und einmal verloren, berichtet Günter Oppel schelmisch.

Am Donnerstag, 12.03.2020 feiert Günter Oppel seinen 80. Geburtstag. Groß wird die Schar der Gratulanten sein. Eines möchte der Jubilar aber unbedingt erwähnt haben:

Ohne die Rückendeckung meiner Frau Hannelore wäre das alles nicht möglich gewesen!

Günter Oppel unterstützte uns schon als Mannschaft zu Motor-Zeiten. Damals war ja vieles Mangelware, auch bestimmte Produkte aus der Fleischerei, erinnert sich Rainer Osmann, Spieler und Kapitän von Motor Eisenach.

Mutig sei die Entscheidung von Günter Oppel gewesen, das Haus in der Georgenstraße zu kaufen, zu renovieren und eine moderne Fleischerei einzurichten, so Rainer Osmann, dem sich dadurch die Möglichweit bot, in der ersten Etage ein Büro seiner von ihm gegründeten Versicherung zu beziehen.

Günter Oppel half nach der Wende immer wieder, geeignete Kandidaten für das Präsidentenamt des ThSV Eisenach zu gewinnen, damit es weiter geht, erinnert sich Rainer Osmann.

Günter Oppel sei es auch gewesen, der alle Möglichkeiten inklusive erheblichen privaten Einsatzes ausschöpfte, um ihn, Rainer Osmann, nach der Klärung aller vertraglicher Modalitäten mit dem damaligen Eisenacher Trainer Nicolai Nedef, zur Rückkehr von Obersuhl zum ThSV Eisenach zu bewegen. Der Beginn einer erfolgreichen Ära, mit dem Aufstieg des ThSV Eisenach unter Trainer Rainer Osmann 1997 in die 1. Handballbundesliga der Männer.

Im kleinen Clubraum über der Fleischerei Oppel in der Julius-Lippold-Straße durften wir uns bei einem kleinen Imbiss mehrfach zur Spielvorbereitung oder Mannschaftsbesprechung treffen, berichtet Rainer Osmann.

Wir trafen uns kurz vor der Geburtstagsparty mit dem vitalen Jubilar Günter Oppel, der als zusätzliches Hobby Klavier und Keyboard spielt, mit dem „Zerrwanst“ (Schifferklavier) schon manche stimmungsvolle Feier bereicherte:

Sprechen wir zunächst über Ihren beruflichen Werdegang…
Nach dem Schulbesuch in meinem Heimatort Falken absolvierte ich in Eisenach eine Fleischerlehre, legte im Jahr 1962 meine Meisterprüfung ab, war ab 1963 in der Eisenacher Julius-Lippold-Straße selbständig. 1992 kaufte ich das Gebäude in der Georgenstraße 9, renovierte es grundlegend. In der Julius-Lippold-Straße wurde ein neues Ladengeschäft gebaut, im Marktkauf eine Filiale eröffnet. Vor 15 Jahren ging ich in den beruflichen Ruhestand.

Motorboot-Rennen, ein ausgefallener Sport in der ehemaligen DDR?
Ich war zunächst mit einem kleinen Faltboot auf der Werra unterwegs. Ich habe dann den Rennboot-Bauer Bernhard Danisch kennengelernt, der in einer Einzelproduktion mir mein Rennboot entworfen und gebaut hat. Auf dem Anhänger meines PkW „Wartburg“ habe ich dann das Motorboot zum Training an die Bleilochtalsperre und zu den Wettkämpfen gefahren. An einer abgesperrten Strecke konnte ich an der Bleilochtalsperre trainieren. Ich war für die Weltmeisterschaft in Italien nominiert, also NSW-Reisekader. Den Begriff kennt heute kaum noch jemand. Ich durfte in die Nichtsozialistische Welt (NSW) fahren, wurde 1970 Vizeweltmeister im Motorboot-Rennen. Neun Jahre bin ich Rennen gefahren.

Es folgte der Wechsel auf das Surfbrett, ein in der DDR auch nicht weit verbreiteter Sport?
Nun, es gab immerhin 40.000 Surfer, zumeist aus der Region um die Ostsee. Ich musste mich für die DDR-Meisterschaften, an denen 44 Surfer teilnahmen, über Ausscheidungsrennen qualifizieren. Platz 6 bei DDR-Meisterschaften war meine beste Platzierung. Zur Teilnahme an der DDR-Meisterschaft musste ich mir vom „Rat der Stadt“ die Genehmigung einholen, um eine Woche meine Fleischerei schließen zu dürfen. Zu meinen größten Erfolgen rechne ich, dass es mir gelungen ist, eine Surfregatta auf der Bleiloch-Talsperre zu organisieren. Mein Konterfei auf dem Surfbrett zierte sogar die Titelseite der NBI, einer Illustrierten in der DDR.

Surfen an der Ostsee im damaligen Grenzbereich war sicherlich nicht einfach?
Zu einer DDR-Meisterschaft vor Warnemünde musste ich vorab meinen Personalausweis abgeben und erhielt ihn nach dem Rennen zurück. Das war schon verrückt, ist heute unvorstellbar.

Günter Oppel, zu Wasser, zu Land und in der Luft, und dann gab es später sogar Günter Oppel im Formel 1 Wagen…?
Als nachträgliches Geschenk zu meinem 60. Geburtstag, also vor 20 Jahren, organisierte mir ein Freund aus Wallau ein ganz besonderes Geschenk, um mir einen großen Wunsch zu erfüllen, einmal im Formel 1 zu fahren. Ich verbrachte eine Woche in Italien, absolvierte einen Lehrgang mit Formel 3 Autos, durfte am 4. Tag in einen Formel 1 Wagen umsteigen, drehte mit einem Fahrzeug von Michael Schumacher sechs Runden. Zum Abschluss erhielt ich ein Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme an einem Formel 1-Lehrgang.

Der Handball in Eisenach, eine Herzensangelegenheit, der Ihnen viele Freundschaften und Erlebnisse bescherte?
Fürwahr. Ganz viele! Um den 1990 neu gegründeten ThSV Eisenach zu unterstützen habe ich mit Freunden den Förderverein gegründet. Wir haben zu jedem Heimspiel die Versorgung mit Speisen und Getränken übernommen. Tausende Bratwürste haben wir gebraten und verkauft. Zu den fleißigen ehrenamtlichen Helfern gehörte auch der Kriegsflüchtling Shpetim Alaj, heute der Präsident des ThSV Eisenach. Alle Einnahmen aus dem Verkauf flossen in unseren Verein. Mit vielen renommierten Schiedsrichtern schloss ich Freundschaften, die mir noch heute Grüße ausrichten lassen.

Der ThSV Eisenach mit dem Flugzeug zum Auswärtsspiel….
Im Jahr 1995 habe ich meinen Flugschein abgelegt, habe 18 Jahre ein eigenes Flugzeug gehabt. Als erster Handballbundesligist ist der ThSV Eisenach zu einem Punktspiel geflogen. Drei kleine Flugzeuge, gesteuert von Michael Haufe, Helge Schubert und mir flogen mit unseren Spielern vom Flugplatz Eisenach-Kindel zu den Auswärtsspielen nach Flensburg und Kiel. Ein mdr-Fernsehteam begleitete uns.

Günter Oppel versäumt auch heute kein Heimspiel des ThSV Eisenach in der 2. Handballbundesliga, ist aber auch zu den Spielen des Nachwuchses in der Werner-Aßmann-Halle anzutreffen. Wie sieht er die derzeitige Situation?
Was unsere erste Mannschaft betrifft, zehren wir jetzt noch von unserem Vorsprung, ich hoffe, wir kommen nicht noch in Bedrängnis. Ich freue mich sehr über die aktuellen Nachwuchserfolge und wünsche mir, dass eigene Talente wieder den Sprung in unsere erste Mannschaft finden.

Th. Levknecht

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