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Ein Talent vom Rhein will in Thüringen nächsten Schritt vollziehen

Jannis Schneibel wechselte von den Rhein-Neckar Löwen zum ThSV Eisenach

Handball-Zweitbundesligist ThSV Eisenach reagierte unmittelbar vor dem Weihnachtsfest auf seine Verletzungsmisere, verpflichtete den 20-jährigen Rückraum-Mitte-Spieler Jannis Schneibel aus dem Profikader der Rhein-Neckar Löwen sowie den 24-jährigen linken Rückraumspieler Daniel Hideg, in der Vorsaison per Zweitspielrecht der Eulen Ludwigshafen bei Drittligist HG Oftersheim/Schwetzingen am Ball. Beide ThSV-Neuzugänge betonen unabhängig voneinander, dass sie sich durch die Anfrage aus Thüringen wertgeschätzt fühlen.

Der ThSV Eisenach ist eine sehr gute Adresse, ein Verein mit einer unglaublichen Tradition, mit einer coolen Mannschaft, in der viel Potential steckt.

Mit Martin Potisk, Jonas Ulshöfer und Kristian Volar fehlten am zweiten Weihnachtsfeiertag (im Heimspiel gegen den HSV Hamburg) und am 30.12.2020 (im Auswärtsspiel beim HC Elbflorenz) alle drei zu Saisonbeginn im Kader stehenden Spielgestalter. Jannis Schneibel wurde wenige Tage nach seinem Eintreffen beim ThSV Eisenach „ins kalte Wasser geworfen“ und erntete positive Kritiken.

Wer ist dieser ledige, aber liierte, 1,90 Meter große und 86 Kilo auf die Waage bringende junge Mann, der einen Vertrag über 1 ½ Jahre beim ThSV Eisenach abschloss?
Jannis Schneibel wurde am 06.07.2000 in Ludwigshafen am Rhein geboren. Im März des Vorjahres hat er sein Abitur abgelegt und im November an der Universität Heidelberg ein Studium in der (recht ungewöhnlichen) Kombination Sportwissenschaft und Philosophie begonnen. Dieses wird er, wohl auch angesichts seines Engagements in der Wartburgstadt, nicht fortsetzen. Er tendiert nun zu einem Fernstudium Sportmanagement. Wie viele Knaben, sein sportliches Interesse richtete sich zunächst auf König Fußball.

Beim Training bekam ich kaum einen Ball, das hat mich frustriert, erinnert sich Jannis Schneibel.

Am 18.01.2007 nahm ihn sein Vater mit zum Handball zum TV Hochdorf. Der Mannschaftssport mit dem kleinen runden Leder begeisterte. Jürgen Schneibel, sein Vater, war der erste Übungsleiter bei den Minis. Bis zum Sommer 2016 Jannis Schneibel das Trikot des TV Hochdorf. (Am 26.09.2012 gastierte der ThSV Eisenach im DHB-Pokal beim TV Hochdorf und kam mit einem 28:21-Erfolg in die nächste Runde. Der 12-jährige Jannis Schneibel weilte unter den Zuschauern.) Im C-Jugend-Alter wurde er Torschützenkönig in der Rheinland- Pfalz–Saar Oberliga. Die Rheinland-Pfalz-Auswahl der B-Jugend wurde von Daniel Meyer trainiert, der auch zum Nachwuchstrainerstab der Rhein-Neckar Löwen gehörte. Schnell stand Jannis Schneibel auf dem Zettel der Rhein-Neckar Löwen. Im zweiten-B-Jugend-Jahr, im Sommer 2016, erfolgte dann der Wechsel. Ein Umzug in das Sportinternat kam für ihn aber nicht in Frage.

Da bin ich viel zu viel Familienmensch, begründet der ThSV-Neuzugang. Papa, Mama und Opa haben mich zwei Jahre vier Mal in der Woche die 100-Kilometer zum Training nach Kronau und zurückgefahren, erzählt Jannis Schneibel.

Mit der B-Jugend und mit der A-Jugend der Rhein-Neckar-Löwen wurde er Deutscher Vizemeister.

In beiden Fällen entschied nach Hin- und Rückspiel jeweils die Zahl der Auswärtstore für die SG Flensburg-Handewitt, erinnert sich Jannis Schneibel.

Bereits im A-Jugend-Alter lief er für die von Michael Abt betreute zweite Männermannschaft der Rhein-Neckar-Löwen, der U 23, in der 3. Liga Süd auf.

Besten Anschauungsunterricht durch Andy Schmid
Nachdem er beim TV Hochdorf vornehmlich im linken Rückraum gespielt hat, wurde bei den Rhein-Neckar Löwen die Rückraum-Mitte-Position die seinige.

Die Besetzung dieser Position war vakant. Ich habe mich wohl ganz gut angestellt und blieb fortan hier, wobei im Rückraum während der 60 Minuten ja ständig rotiert wird, so Jannis Schneibel und fügt hinzu, bei Daniel Meyer habe ich viel gelernt.

Mit Beginn der Vorsaison rückte Jannis Schneibel in den Profikader der Rhein-Neckar-Löwen auf. Da hatte er nun täglich mit Andy Schmid einen Weltklasse-Spielgestalter als Vorbild in den eigenen Reihen.

Andy führt das Team über Spielintelligenz, forciert stetig das Tempospiel, hat seine Stärken auch im Einsatz der Mitspieler. Lernen konnte ich von allen Spielern im Team, auch was Persönlichkeit, Mentalität und Einstellung betrifft. Martin Schwalb tut den Löwen als Trainer ungemein gut. Er strahlt eine unfassbare Autorität aus, beeindruckt mit seiner extremen Führungsqualität, berichtet der ThSV-Neuzugang.

Zum Einsatz kam er allerdings nur in der 2. Mannschaft, aufgrund der Corona-Pandemie pausieren die 3. Ligen allerdings schon länger. Ein Vereinswechsel im Sommer stand ohnehin auf der Agenda.

Als junger Spieler hat man es bei einer Mannschaft, die in der 1. Liga ganz oben mitspielen will, ganz schwer. Bei kleineren Vereinen bekommen junge Spieler eher eine Chance, befindet Jannis Schneibel.

Nächsten Schritt in Eisenach gehen

Die Anfrage vom ThSV Eisenach, von einem klassischen und zugleich lebendigen Traditionsverein mit einer großen Anhängerschar, kam für mich zum richtigen Zeitpunkt, um in meiner Entwicklung den nächsten Schritt zu gehen, schildert Jannis Schneibel den Vereinswechsel.

Die Verletzungsmisere beim ThSV Eisenach habe sicherlich dazu beigetragen.

Mein Ziel ist es, langfristig Handball-Profi in der 1. Liga zu werden. Der Weg über die 2. Liga und meine damit verbundene Entwicklung soll mich dahin führen, so Jannis Schneibel.

Vor dem Probetraining sei er noch nie in Eisenach gewesen, bekennt der 20-Jährige. Die Stadt unter der Wartburg mit ihrer großen kulturellen Geschichte und Automobilbaustandort sowie ihrer Handballbegeisterung sei ihm freilich bekannt, auch habe er sich schon über die 2. Liga und damit den ThSV Eisenach informiert.

Die Atmosphäre einer Kleinstadt wie Eisenach kommt mir, der in einer kleinen Gemeinde aufgewachsen ist, sehr entgegen. Ich brauche nicht jeden Tag Action wie in einer Großstadt, unterstreicht der ThSV-Neuzugang auf der Spielgestalter-Position. Von der Mannschaft bin ich mit offenen Armen empfangen worden. Die Spieler kommunizieren viel und helfen mir. Ein junges Team, aber dennoch mit einer Portion Erfahrung, denke ich an Blaz Voncina. Adrian Wöhler, Ante Tokic, Willy Weyhrauch, Kristian Beciri und die beiden Ösis, schildert Jannis Schneibel die erste Etappe bei seinem neuen Verein. Die Spielzüge und die Auslösehandlungen sind ähnlich wie bei meinem bisherigen Verein, tragen nur andere Bezeichnungen. Bei der überaus jungen und unerfahrenen 2. Mannschaft der Rhein-Neckar Löwen ist ganz viel über das Tempo gelaufen, beim ThSV Eisenach wird auch viel mit Tempo, aber auch mit Kopf gespielt, konstatiert Jannis Schneibel.

Er selbst liebt den schnellen taktischen Handball, bei dem er seine Ausbildung bei den Löwen zum Tragen bringen kann. Zu seinen Stärken zählt er Spielübersicht und eigene Torgefahr.

Auch nach Fehlwürfen stecke ich nicht den Kopf in den Sand, trauere ausgelassenen Torchancen nicht nach. Meine Devise: Nur der Dumme macht einen Fehler zwei Mal, so der junge Rückraumspieler.

„Nudeln gehen immer.“
Er weiß aber auch, er muss seine Abwehrarbeit verbessern und noch 5 bis 10 Kilo Körpergewicht zulegen. Die gute Thüringer Küche sollte da helfen. Allerdings, ganz oben stehen bei ihm Nudelgerichte.

Nudeln gehen immer. Bevorzugt von mir, die Pfälzer Küche im Elternhaus, lässt der Familienmensch wissen.

Hoffungsvoll stimmender Einstand
Am 2. Weihnachtsfeiertag, wenige Tage nach seinem Eintreffen in Eisenach, musste Jannis Schneibel gleich gegen den HSV Hamburg ran.

Das war nicht selbstverständlich, dass ich über 60 Minuten gegen den Tabellenführer spiele. Das Vertrauen unseres Trainers konnte ich mit einer guten Leistung zurückzahlen. Na klar, ich war aufgeregt, mir ist noch der eine oder andere Fehler unterlaufen, bilanziert der Neuzugang über sein Debüt.

Der ThSV Eisenach unterlag den inzwischen als heißen Aufstiegsanwärter gehandelten Hansestädter mit 24:30. Jannis Schneibel gefiel nicht nur wegen seiner 5 Treffer, mit denen er erfolgreichster Werfer seines Teams war. Einen Tag vor dem Jahreswechsel eroberte Jannis Schneibel mit dem ThSV Eisenach beim 26:26 in Dresden einen Zähler. Der erste Punktgewinn der Wartburgstädter gegen den HC Elbflorenz überhaupt!

Einzug in eine eigene Wohnung in Eisenach steht an
Nach einer kurzen Pause steigt der ThSV Eisenach mit seinen beiden Neuzugängen wieder in den Trainingsbetrieb im Hinblick auf die Fortsetzung der Punktspiele im Februar ein. Jannis Schneibel ließ es sich in der Pfälzer Küche seiner Eltern schmecken, ehe er in den nächsten Tagen seine neue kleine Wohnung in Eisenach bezieht.

Th. Levknecht

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