Eisenach war auch eine Ringerhochburg

Vor 60 Jahren gelang der Aufstieg in die oberste Liga der DDR • Peter Idler erinnert sich

Peter Idler ist in Eisenach „bekannt wie ein bunter Hund“. Im Vorjahr feierte er mit seiner Luzie „Diamantene Hochzeit“. Zur Familie gehören zwei Töchter, zwei Enkel und inzwischen auch vier Urenkel. Trifft man sich mit Peter Idler in dessen Garten am Siebenborn, hat er viel zu erzählen. Von seiner Zeit als Ringer bei Motor und Dynamo Eisenach, seiner harten Arbeit im Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb (mit Seiltrassen in 40 Meter Höhe zum Bergen des Bruchholzes an den Steilhängen der Drachenschlucht) und wie nach der Wiedervereinigung in Kaiserslautern und im Hessischen gestaunt wurde über das Können der Kollegen aus dem Osten.

Der Wald ist mein Leben, so Peter Idler.

Da gibt es natürlich auch noch die Zeit von Peter Idler als Fußballer bei Dynamo Eisenach (u.a. mit Dieter Garwe, Willi Grünewald, Walter Morr, Norbert Griethe). Anlässlich seines 60. Geburtstages wurde der einstige Ringer mit der Ehrennadel des Thüringer Fußballverbandes ausgezeichnet. Bei einem Tornado am Campingplatz „Altenberger See“ im Juni 1980 gehörte Peter Idler zu den ersten Helfern am Unglücksort. Im März 2013 hatte ein Räuber in einer Eisenacher Kaufhalle nicht mit der Vitalität des einstigen Ringers gerechnet. „Mit einem gelernten Ringergriff den Ganoven besiegt“ titelte die Lokalzeitung. Als der 18-jährige Kriminelle sich in Boxerhaltung aufbaute, brachte ihn der knapp 70-jährige Peter Idler mit einem „Durchschlüpfer“ zu Fall. Und auch beim Weihnachtsbaumfällen sowie Aufstellen und Entfernen vom Eisenacher Markplatz hilft der pensionierte Forstmitarbeiter seit 17 Jahren.

Glanzvolle Ringer-Zeiten bei Dynamo Eisenach
Kommt die Sprache auf Ringen, glänzen die Augen von Peter Idler. Als Schüler trat er der Sektion Ringen der 1949 gegründeten Betriebssportgemeinschaft Motor Eisenach bei. Sektionsleiter war Fritz Bachmann. Schon als 17-Jähriger stand er mit den Männern in der DDR-Liga auf die Matte. Ein Jahr später durfte er sogar zu einem Wettkampf nach Darmstadt. Ende der 50er Jahre gab es Unstimmigkeiten bei Motor Eisenach, Peter Idler und andere Ringer wechselten zu Dynamo Eisenach. Auch, weil hier die Trainingsbedingungen besser waren. Die Sporthalle der Theodor-Neubauer-Schule (heute Elisabeth-Gymnasium) stand als Trainingsstätte zur Verfügung. Im Jahr 1963 wurde der Aufstieg in die Oberliga, die höchste Wettkampfklasse seinerzeit, bejubelt. Dabei waren u.a. Manfred Maca, Hans Hering, Lothar Jonek, Thomas Schmuck, Dietmar Kranch, Dieter Schlütter, Günter Noll, Lothar Jonek und Peter Idler. Letzterer hat 1966 in der Meisterklasse mit Günter Jähn gerungen.

Es hat riesigen Spaß gemacht, in der ganzen Republik unterwegs zu sein, Wettkämpfe zu bestreiten, Titel bei DDR-Meisterschaften und Medaillen auf verschiedensten Ebenen zu erringen, erinnert sich Peter Idler.

Der Staatliche Forstwirtschaftsbetrieb, bei dem der Großteil der Ringer arbeitete, unterstützte diese mit Freistellungen.

Mittags konnten wir zum Training. Die Busse für die Auswärtsfahrten stellte der Polizeisportverein Dynamo zur Verfügung, erzählt Peter Idler. Wir hatten reichlich Zulauf. Übungsleiter Werner Herbst kümmerte sich um die vielen Nachwuchssportler. Gerd Gräfenstein musste verletzungsbedingt seine Karriere vorzeitig beenden, schaffte es dann als Kampfrichter sogar auf die internationale Ebene, ergänzt Peter Idler.

Er habe allen Abwerbungsversuchen widerstanden. Der Kontakt mit den Erstliga-Handballern von Motor Eisenach sorgte für gemeinsame sportliche Einheiten.

Der Abstieg 1971 in die 2. Liga beendete die Zeit im Ringer-Oberhaus. Trotz guter Nachwuchsarbeit misslang auch in den 80er Jahren der Wiederaufstieg. Jochen Enders leitete mit viel Herzblut und Engagement die Sektion Ringen bis 1989. Mit der politischen Wende und des einhergehenden Endes von Dynamo Eisenach endete auch die Zeit der „Ringerhochburg Eisenach“. Kurt Schneider ging nach Frankfurt/Oder. Klaus Baumhauer zog es zum Ringerverband nach Berlin. Es fanden sich – im Gegensatz zu anderen Sportarten – keine Leute, die Verantwortung übernehmen wollten.

Kürzlich fand in Tambach-Dietharz ein Treffen ehemaliger Thüringer Ringer statt. Von Dynamo Eisenach waren Gerd Gräbenstein, Manfred Maca, Lothar Jonek, Heinz König, Volkmar Jonek, Mario Kallenbach, Fred Schmuck, Gerd Stoll, Norbert Mende, Micha Herrmann, Thomas Fink, Jochen Enders und Peter Idler teil. Mit „weißt Du noch“ begannen viele Sätze. Eine Wiederholung des Treffens der alten Ringer-Haudegen soll es geben….

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