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Geschichte bekommt ein Gesicht: Nachlass jüdischer Ehrenbürgerin kommt nach Eisenach

Der Nachlass der 2017 verstorbenen Eisenacher Ehrenbürgerin Avital Ben-Chorin kommt in die Wartburgstadt. Das verkündeten heute Oberbürgermeisterin Katja Wolf und Dr. Reinhold Brunner (Leiter Bildungsamt) im Rahmen der Pressekonferenz der ACHAVA-Festspiele.

Die 1923 als Erika Fackenheim in Eisenach Geborene hatte unter dem Druck der NS-Diktatur 1936 ihre Heimatstadt verlassen müssen. Verheiratet mit dem Religionsphilosophen Shalom Ben-Chorin hat sie, in Israel lebend, ihr Leben in den Dienst der christlich-jüdischen Verständigung gestellt. 2012 hatte ihr die Stadt Eisenach die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Trotz leidvoller Erfahrungen hat sie stets den Gedanken der Versöhnung und der Partnerschaft von Israelis und Deutschen, von Juden und Christen gepflegt, sagte Katja Wolf.

Die Oberbürgermeisterin gab bekannt, dass Teile des Nachlasses in einer Erinnerungsecke im Bereich der früheren Schule Avital Ben-Chorins (heute Regelschule „Goetheschule“) öffentlichkeitswirksam als archivpädagogisches Angebot präsentiert werden sollen. Für Zwecke der wissenschaftlichen Nutzung wird der Nachlass im Stadtarchiv Eisenach aufbewahrt, erschlossen und der Forschung zur Verfügung gestellt.

Damit bekommt Geschichte ein Gesicht, betonte Katja Wolf.

Dr. Brunner informierte, dass es das Material ermöglicht, das Leben und Wirken Avitals detailreich zu erforschen und nachzuzeichnen. Zum Nachlass gehören unter anderem persönliche Dokumente, zahlreiche Informationen zur jüdischen Geschichte Eisenachs und Bilder, die vielleicht wie keine andere Quelle das Schicksal einer jüdisch-deutsch-israelischen Familie widerspiegeln. Insbesondere das lebenslange Engagement Avital Ben-Chorins für christlich-jüdische Verständigung widerspiegeln viele Dokumente des Nachlasses, ebenso aber lassen sich auch ihre intellektuelle und religiöse Sozialisation anhand der vorhandenen Dokumente nachzeichnen

Unterstützung erhält die Stadt Eisenach von dem Vertrauten der Familie Ben-Chorin, Tobias Raschke. Er bereitet den Nachlass in Israel vor und sorgt für das Übersenden nach Deutschland. Die Thüringer Staatskanzlei, die Wartburg-Sparkasse und der Eisenacher Geschichtsverein fördern das Projekt.

Offiziell überreicht wird der Nachlass im Rahmen der ACHAVA-Festspiele. Sie werden am 19. September in Eisenach eröffnet. Zu diesem Ereignis werden Nachkommen Avital Ben-Chorins in der Wartburgstadt erwartet. Unterzeichnet wird dann der Schenkungsvertrag zum Nachlass. 

Zum Nachlass gehören:
Unterlagen zur Person: Fotos, persönliche Korrespondenzen, Lebenszeugnisse (alle Art von Dokumenten: Pässe, amtliche Schreiben mit Bezug zur Person, Zeugnisse usw.), sämtliche Unterlagen, die das familiäre Umfeld im engeren Sinne betreffen, Korrespondenzen, Fotos.
Unterlagen zum „Werk“ der Person (Buch- und Redemanuskripte, Korrespondenzen, die das Werk betreffen, also mit Verlegern, Veranstaltern usw.).
Sammlungen der Person: Dokumente, Zeitungen und Ausschnitte, Bilder, Bücher usw.. Eine Sammlung also, die aus intellektuellen Intentionen/Interessen der betreffenden Person heraus entstanden ist.
„Mehrdimensionales“: Im Grunde all das, was den „Haushalt“ der Person ausmachte.

Andrea T. | | Quelle:

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