Lebenserwartung der Männer und Frauen in Thüringen sinkt

Rückgang der Lebenserwartung auf das Niveau von vor 10 Jahren

Die Lebenserwartung der Thüringer Frauen und Männer ist im letzten Jahr erneut gesunken. Dies geht aus der berechneten Sterbetafel(1) für den Zeitraum 2020/2022 hervor. Nach Mitteilung des Thüringer Landesamtes für Statistik wird demnach ein in Thüringen neugeborenes Mädchen rechnerisch 82,72 Jahre alt (-0,28 Jahre im Vergleich zur Sterbetafel 2019/2021). Ein neugeborener Junge kann statistisch ein Alter von 76,94 Jahren erwarten (-0,27 Jahre). Hauptursache für den Rückgang dürfte die Corona-Pandemie sein, durch welche in den Jahren 2020 bis 2022 eine deutlich gestiegene Sterbefallzahl auch in jüngeren Altersgruppen zu beobachten war.

Die Lebenserwartung sank bei den Männern somit fast auf das Niveau der mit der Sterbetafel 2010/2012 errechneten Werte, bei den Frauen auf das Niveau der Berechnungen aus dem Zeitraum 2011/2013. Infolgedessen sind die teils zaghaften, aber dennoch kontinuierlichen Steigerungen bei der Lebenserwartung von Thüringer Frauen und Männern der vergangenen 10 Jahre vorerst wieder verloren. Dennoch gewannen die Jungen und Mädchen in den letzten 32 Jahren bis zu 7 Jahre Lebenszeit (Lebenserwartung 1988/1990: 69,94 Jahre bei den Jungen und 76,03 Jahre bei den Mädchen).

Der Rückgang der Lebenserwartung im Zeitraum 2020/2022 ist sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen in allen Altersgruppen zu beobachten. Ein derzeit 65-jähriger Mann hat rein rechnerisch eine weitere Lebenserwartung von 16,90 Jahren (-0,23 Jahre im Vergleich zur Sterbetafel 2019/2021). Eine derzeit 65-jährige Frau hat eine Lebenserwartung von weiteren 20,70 Jahren (-0,11 Jahre im Vergleich zur Sterbetafel 2019/2021). Im hohen Alter von 80 Jahren beläuft sich die restliche Lebenserwartung bei den Männern auf 7,51 Jahre (-0,09 Jahre im Vergleich zur Sterbetafel 2019/2021) und bei den Frauen auf 9,09 Jahre (-0,05 Jahre im Vergleich zur Sterbetafel 2019/2021).

Die Berechnungen des Statistischen Bundesamtes für den Zeitraum 2020/2022 zeigen zudem, dass im gesamtdeutschen Vergleich die in Thüringen neugeborenen Mädchen im Durchschnitt eine um 0,46 Jahre geringere Lebenserwartung haben als alle neugeborenen Mädchen in Deutschland. Somit ist der Rückstand im Vergleich zur vorherigen Zeitspanne größer geworden (2019/2021: -0,39 Jahre). Neugeborene Jungen haben derzeit eine um 1,39 Jahre kürzere Lebenserwartung im Vergleich zum gesamtdeutschen Durchschnitt. Im vorherigen Zeitraum lag dieser Vergleichswert bei -1,33 Jahren.

1) Eine Sterbetafel ist ein demografisches Modell, das die zusammenfassende Beurteilung der Sterblichkeitsverhältnisse einer Bevölkerung unabhängig von ihrer Größe und Altersstruktur ermöglicht. Die hier veröffentlichten Ergebnisse der sogenannten Periodensterbetafel für Thüringen stellen die Sterblichkeitsverhältnisse in einem jeweils 3-jährigen Berichtszeitraum dar.

Bitte beachten: Die durchschnittliche Lebenserwartung ist eine wichtige theoretische Kennziffer der Sterbetafel und umfasst die durchschnittliche Zahl von zusätzlichen Lebensjahren, die ein Mensch auf Basis der für einen bestimmten Zeitraum (zumeist 3 Jahre) geltenden altersspezifischen Sterblichkeitsverhältnisse voraussichtlich noch leben würde. Sie wird sowohl für Neugeborene als auch für jedes bereits erreichte Alter als fernere durchschnittliche Lebenserwartung berechnet. Dabei hat das überstandene Risiko, vor Vollendung des nächsten Lebensjahres zu sterben, stets einen Gewinn an Lebenserwartung zur Folge. Jedoch können die individuellen Überlebensperspektiven je nach gesundheitlicher Verfassung, Lebensverhältnissen, Lebensführung, ausgeübtem Beruf und weiteren Faktoren ganz erheblich von den genannten Durchschnittswerten abweichen.

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