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Neujahrsbrief des Landrates

2019 war ein ereignisreiches Jahr mit wegweisenden Entscheidungen für die Zukunft des Wartburgkreises. Seit 1998 hat es keinen so markanten Einschnitt in der Kreishistorie gegeben, wie den 12. September 2019. An jenem, geradezu historischen Tag, hat der Thüringer Landtag mit der Zustimmung zum Gesetz zur freiwilligen Neugliederung des Wartburgkreises und der kreisfreien Stadt Eisenach entschieden, dass Eisenach seine Kreisfreiheit zum 1. Juli 2021 aufgibt und ab Januar 2022 mit Aufgabenübergang auch verwaltungsseitig wieder Teil des Wartburgkreises wird. Dieses Gesetz sorgt für Sicherheit und  legt die Rahmenbedingungen für das künftige Zusammengehen fest. Aktuell sind wir in den Verwaltungen von Stadt und Landkreis dabei, auf Arbeitsebene Vereinbarungen und Kooperationen zu entwickeln, damit der Übergang 2022 fließend gelingen kann. Schon 2021 wählen wir einen neuen Kreistag und bestimmen, wer im künftigen Wartburgkreis mit Eisenach als Großer Kreisstadt politische Verantwortung übernehmen wird.

Die Einkreisung Eisenachs ist insbesondere für die regionale Wirtschaft eine große Chance: Endlich wird auch administrativ nachvollzogen, was seitens der Unternehmen schon immer zusammen gedacht wurde. Verwaltungsabläufe und die Wirtschaftsförderung können durch den Wegfall administrativer Grenzen und getrennter Zuständigkeiten nun gemeinsam besser aufgestellt und optimiert werden. Aktuell sind wir mit einer anhaltenden Umkehrung langjähriger Verhältnisse konfrontiert: statt des vormaligen Arbeitskräfteüberschusses sehen wir uns mit einem anhaltenden und zunehmenden Fachkräftemangel konfrontiert. Hinzu kommen die aktuellen Entwicklungen in der Automobilindustrie und ihrer Zulieferer. Diese Herausforderungen können wir nur gemeinsam bewältigen.

Stadt und Kreis werden aktiv Hand in Hand den Strukturwandel in der Automobilindustrie begleiten und sich als attraktiver Wirtschaftsstandort positionieren. Nur so kann es gelingen, gut ausgebildete und erfahrene Fachkräfte im Wartburgkreis zu halten, die Branchenvielfalt zu fördern und höherwertige Arbeitsplätze in der Region zu generieren.

Die künftige gemeinsame Handlungsfähigkeit wird darüber hinaus mit dem Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit der Stadt Eisenach mit den Gemeinden des Wartburgkreises, insbesondere des Umlandes, verbessert. Stadt und Landkreis – jeweils für sich genommen – erreichen bereits jetzt thüringen- und teils auch deutschlandweit Spitzenwerte in Rankings und Statistiken. Nach der Einkreisung wird der Wirtschaftsstandort in der überregionalen Wahrnehmung an Bedeutung und Aufmerksamkeit gewinnen, da in amtlichen Statistiken und Landkreisrankings nun Stadt und Kreis zusammen geführt werden und gemeinsam weit besser abschneiden. Gemeinsames Gewicht in die Waage werfen Stadt und Landkreis künftig auch bei nachdrücklichen Forderungen zum Ausbau der Verkehrs-Infrastruktur des Kreises. Ich erwarte aktuell täglich den Anruf von der Landesstraßenbauverwaltung, dass der Planfeststellungsbeschluss für die Werraquerung der B 62 fertig ist. Ich hoffe, dass im Frühjahr die Ortsumfahrung Leimbach-Kaiseroda freigegeben werden kann und dass auch eine Lösung für die Entlastung der Ortsdurchfahrt Merkers gefunden wird. Mein langfristiges Ziel: die B 19 muss wieder im Bundesverkehrswegeplan als vordringlicher Bedarf aufgenommen werden. Dies ist entscheidend für die Nord-Südverbindung im Landkreis. Sowohl für die Anbindung von Bad Salzungen und der südlichen Industrie- und Gewerbegebiete an die Autobahnen als auch für die schnellere Erreichbarkeit des Industriegebiets Kindel für Fachkräfte aus dem südlichen Wartburgkreis.

Ich sehe eine große Chance darin, dass wir in Bälde eine Region mit Autobahndreieck sein werden. Wer die A 4 in Richtung Gerstungen fährt, sieht heute schon die Baustelle der A 44, die künftig unsere direkte Anbindung an das Ruhrgebiet und die Häfen ist.

All dies ist für das wirtschaftliche Wohlergehen unserer Region wichtig und notwendig. Gleichzeitig müssen unsere Dörfer aber auch Dörfer bleiben dürfen. Mit allem, was das Leben im ländlichen Raum attraktiv macht: mit gesundem Grün und gesunder Landwirtschaft, mit gelebten Traditionen, mit lebendigen Dorfgemeinschaften und jenem Zusammenhalt, den man in solcher Weise eben nur in Dörfern findet. Dörfer sind keine Städte, auch wenn einige der größten Flächengemeinden Thüringens inzwischen im Wartburgkreis liegen und auf stadtähnliche Einwohnerzahlen verweisen können. Ich wünsche mir darum engagierte Ortsteilräte und Vereine, die die Identität ihres Ortes ebenso im Auge behalten, wie den Zusammenhalt der Dorfbewohner untereinander. Vorbildlich ist hier das Dorf Steinbach, das inzwischen zur Stadt Bad Liebenstein gehört und dennoch ein so aktives und eigenständiges Dorfentwicklungsprogramm auf die Beine gestellt hat, dass es unterdessen vom Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft als Teilnehmer des Wettbewerbs um den Europäischen Dorferneuerungspreis  nominiert wurde.

Ich nutze die Gelegenheit, mich auf diesem Wege bei allen ehrenamtlich aktiven Menschen im Landkreis zu bedanken – sie sind der eigentliche Motor des Lebens in unserer Region!

Ohne sie wären Jubiläen wie das 30. Jahr des Mauerfalls – dessen wir hier in der Region mit einem prallvollen Programm an vielen verschiedenen Orten in wirklich großartiger Weise gedacht haben – nicht möglich gewesen. Insbesondere auch dafür meinen Dank!

Mir ist bewusst, dass vor allem für die älteren Menschen in unseren Städten und Gemeinden eine gut funktionierende medizinische Versorgung (hier sind wir mit unseren beiden starken Krankenhäusern und den MVZs im Thüringenvergleich sehr gut aufgestellt) ebenso wie ein guter öffentlicher Nahverkehr immens wichtig ist.

Auch für die Berufspendler und für unsere Schulkinder ist das Funktionieren des Öffentlichen Nahverkehrs unabdingbar. Ich möchte nicht verhehlen, dass wir dabei in den letzten Wochen und Monaten einige Schwierigkeiten zu bewältigen hatten. Zum ersten Mal seit fast 60 Jahren haben wir den Nahverkehrsplan umfassend verändert und damit zukunftsfähig gemacht. Neue Strukturen und Verantwortlichkeiten wurden geschaffen und ein ganz neuer Liniennetzplan erarbeitet. Hier sind viele gute Verbindungen und neue Taktverkehre entstanden. An anderen Stellen hat – insbesondere bei der Anbindung kleinerer Orte – die Säge geklemmt. Im Nachhinein ist auch deutlich geworden, dass bei der Erstellung der Fahrpläne aufgrund der unterschiedlichen Schulträgerschaften von Stadt und Kreis die Gestaltung der Fahrpläne, gerade was das Stadtgebiet Eisenach angeht, nicht immer optimal gelaufen ist.
Wir arbeiten intensiv daran, gemeinsam mit den Beförderungsunternehmen finanzierbare Lösungen zu entwickeln. So ist am 15. Dezember bereits ein ganzes Bündel neuer Verbindungen in Kraft getreten und auch die Fahrplanzeiten für den Schülerverkehr wurden den Bedürfnissen der Schulen noch besser angepasst. Weitere Anpassungen werden folgen. Um einen wirklich guten ÖPNV im ländlichen Raum vorhalten zu können, benötigt der Landkreis jedoch künftig eine bessere Finanzausstattung durch Bund und Land, die dem Klimawandel Rechnung trägt und einen Ausbau des ÖPNVs ermöglicht.

Mit Sorge erwarte ich in diesen Tagen die Entscheidung der Bundesnetzagentur zum künftigen Verlauf der Stromtrasse Suedlink. Die großflächigen Anzeigenschaltungen in unseren Tageszeitungen und die verfrühten Anfragen an Grundstückseigentümer bzw. Nutzungsberechtigte, bevor das Planfeststellungsverfahren überhaupt begonnen hat, lassen befürchten, dass hier entgegen dem Willen der Bürger, des Landkreises und des Freistaats agiert werden soll.

Entscheidungen stehen auch zu den Windvorranggebieten an. Hier hoffe ich, dass es uns gelingt, in der Planungsversammlung mit hohem Verantwortungsbewusstsein Lösungen zu finden, die für die Bevölkerung, für unsere zerbrechliche Natur und die künftige Energiegewinnung tragbar sind.
Nicht zuletzt stehen wir vor der großen Herausforderung, unsere Wälder im Landkreis trotz Klimakrise zu bewahren. Hier habe ich den Forstämtern meine vollste Unterstützung bei dieser schwierigen Aufgabe bereits zugesichert.

Es gilt also, in diesem Jahr vieles anzupacken, anderes weiter voran zu treiben und sich darüber hinaus auch auf schöne Ereignisse und besondere Veranstaltungen zu freuen! Lassen Sie uns gemeinsam und mit gutem Mut in das neue Jahr blicken!

Ihr Landrat
Reinhard Krebs

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