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Nun auch ein Schweizer beim ThSV Eisenach auf dem Spielfeld

Timothy Reichmuth folgte Trainer Misha Kaufmann und gehört seit dem Sommer zum Linksaußenteam der Wartburgstädter

Seit einem Jahr hat der ThSV Eisenach mit Misha Kaufmann einen Schweizer Trainer auf der Bank. Mit Erfolg! Im Sommer kam mit Timothy Reichmuth ein Schweizer für die Linksaußenposition. Zufall? Nein! Beide kennen sich aus ihrer gemeinsamen Zeit beim HSC Suhr Aarau. Der 23-jährige Spieler hat den Vorteil „das System Kaufmann“ zu kennen.

Timothy Reichmuth hat vorn eine gute Quote, gewinnt hinten viele Bälle, passt bestens zu uns, erklärt Misha Kaufmann.

Der 1,79 Meter große und lediglich 72 Kilo auf die Waage bringende Linksaußen ist ledig, aber in einer festen Beziehung. Er hat Sportwissenschaften und Mathematik studiert, sein Bachelor abgeschlossen. Ein Fernstudium zum Master hat er im Blick, wobei sich aktuell alles auf Handball konzentriert. Timothy Reichmuth nennt Thai Curry als Lieblingsessen. Musikalisch bevorzugt er aktuelle Charts. Im Urlaub, am Strand, greift er schon mal gern zu einem guten Buch.

Wir sprachen mit dem am 09.11.1998 in Basel geborenen Timothy Reichmuth, den alle nur Timmy rufen:

Wann sind Sie zum Handball im Verein gekommen?
Bis zum 9. Lebensjahr habe ich mich im Fußball und auch beim Tennis probiert. Mein Vater war Handballer, weckte zumindest das Interesse für diesen Sport. Der ortsansässige Handballverein organisierte eine Sportwoche, an der ich teilnahm. Es hat mir Spaß gemacht. Bis zu meinem 18. Lebensjahr spielte ich beim TV Birsfelden. Danach wechselte ich zum HSC Suhr Aarau.

Was fasziniert Sie am Handball?
Zum einen, es ist ein Mannschaftssport. Da ist der Zusammenhalt im Team. Handball ist ein schnelles Spiel mit Dynamik und taktischen Finessen. Das gefällt mir.

Wann sind Sie auf die Linksaußenposition gerückt?
Ich habe bis zu meinem 14. Lebensjahr auf Rückraum Mitte und auf Linksaußen gespielt. Zunehmend kam ich dann immer mehr auf Linksaußen zum Einsatz, ab dem Männerbereich nur noch. Da fühle ich mich wohl, identifiziere mich voll mit dieser Aufgabe.

Welcher Sportler imponiert Ihnen?
Da ist der Basketballer Michal Jordan zu nennen. Es gibt viele Top-Sportler, von denen ich versuche, das eine oder andere abzuschauen, was zu mir passt.

Sind Sie eher der ruhige oder der impulsive Typ?
Bei Leuten, die ich nicht oder kaum kenne, bin ich der ruhige Typ, später dann deutlich impulsiver. Vielleicht bin ich eine Mischung aus ruhigem und impulsivem Typ.

Kommen wir kurz auf den Handball in der Schweiz zu sprechen. Wieviel Zuschauer kommen zu den Erstligaspielen?
Das sind im Schnitt 600 bis 800. In Aarau war das auch so. In Play-off oder internationalen Spielen kommen dann auch schon mal 1.000 und mehr Zuschauer.

Was unterscheidet den Handball in der 1. Liga in der Schweiz von dem in der 2. Liga in Deutschland?
Der körperliche Einsatz ist in Deutschland größer. Hier sind starke Würfe aus 9 Metern Normalität, der direkte Zweikampf im 1 gegen 1 prägt das Spiel. Der große Unterschied, das Spiel in deutlich mehr von der Taktik entschieden. Trainiert wird in der 1. Liga der Schweiz obligatorisch 5-mal, jeweils am Abend. Profis kommen auf zehn Trainingseinheiten in der Woche. In der 1. Liga der Schweiz wird auf die berufliche Ausbildung der Spieler großen Wert gelegt.

Weshalb ging es im Sommer nach Deutschland, von einem international erfolgreichen Schweizer Erstligisten zum deutschen Zweitligisten ThSV Eisenach?
Mich reizte das Abenteuer Ausland. Für den ThSV Eisenach sprach: Trainer Misha Kaufmann kennt mich, ich kenne ihn. Für die Anfrage war ich gleich offen. Schnell war der Kontakt mit Manager Rene Witte hergestellt, ich überzeugte mich vor Ort von den Rahmenbedingungen. Die tolle Zuschauerunterstützung, die Atmosphäre zu den Heimspielen, war für meine Entscheidung nicht unerheblich. Sportlich gesehen, weist die 2. Liga in Deutschland ein hohes Niveau auf, vergleichbar mit dem Mittelfeld der 1. Liga in der Schweiz.

Was ist beim ThSV Eisenach anders als beim HSC Suhr Aarau?
Die Gesamtstruktur ist deutlich professioneller. Zum übergroßen Teil sind alle Profis. Die Fankultur bei diesem Traditionsverein ist sehr ausgeprägt.

Wie haben die Teamkollegen in der Schweiz auf den Wechsel reagiert?
Auch wenn mit meinem Weggang sicherlich ein Stück Qualität in der Mannschaft verloren ging, die Teamkollegen haben sich für mich gefreut, mir empfohlen, die Chance in Deutschland und bei Misha Kaufmann zu nutzen.

Liegt Ihnen das 5:1-Abwehrsystem oder spielen Sie lieber in einer defensiven Abwehrformation?
Ich mag das offensive Abwehrspiel, das Antizipieren, das es mir auch ermöglicht, körperliche Defizite zu kaschieren. In einer 6:0-Abwehr kann ich wenig Einfluss auf das Spiel ausüben.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, wo noch Nachholbedarf?
Das Antizipieren gehört zu meinen Stärken. Verbessern muss ich noch meine Abschlussqualität, muss noch kaltschnäuziger werden.

Wie sehen Sie Ihre Rolle im 3-Mann-Team auf Linksaußen?
Ich werde wohl zunächst viel Verantwortung in der Abwehr übernehmen. Ivan Snajder ist ein Super-Spieler. Den Konkurrenzkampf werde ich annehmen, um noch mehr im Angriff zu spielen. Cedrik Marquardt werde ich helfen, werde versuchen, meine Erfahrung an ihn weiterzugeben.

Aufgrund von Energieeinsparmaßnahmen in Eisenach wird nach dem Training kalt geduscht….
Das ist schon sehr ungewohnt. Ja, es kostet Überwindung. Aber man gewöhnt sich dran.

Wo könnte es in dieser Saison mit dem ThSV Eisenach hingehen?
Wir wollen in der Tabelle so weit wie möglich nach oben. Nach 8:2-Punkten rangieren wir auf dem 2. Tabellenplatz. Jedes Spiel wird schwer. Bei Rückständen versuchen wir, die Partie noch zu drehen. In Dresden haben wir von Beginn dominiert und einen klaren 30:22-Erfolgbeim HC Elbflorenz gelandet. Wie ich erfuhr, war es der erste Sieg des ThSV Eisenach in Dresden überhaupt.

Aarau ist eine 21.000 Einwohner-Stadt, eine Kleinstadt. Eisenach ist auch eine Kleinstadt, mit 43.000 Einwohnern. Mögen Sie lieber die Wärme einer Kleinstadt oder die Anonymität einer Großstadt?
Beides hat seine Vorteile. Eine Kleinstadt, mit einem familiären Umfeld, so wie in Eisenach, erleichtert einem Neuankömmling den Einstieg. In einer solchen Phase kann man sich in einer Großstadt schon mal verlassen vorkommen.

Haben Sie von Eisenach schon mehr gesehen als die Aßmannhalle?
Die Drachenschlucht habe ich mit meiner Familie durchwandert. Die Wartburg werde ich mir noch genauer anschauen. Eine Führung ist für unsere gesamte Mannschaft vorgesehen. Die Südstadt ist ausgesprochen interessant. Was die Geschichte des Handballs angeht, da konnte ich in einem Gespräch mit dem ehemaligen Kapitän Michael Dubiel beim Sponsorentreffen einiges aus erster Hand erfahren.

Th. Levknecht

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