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Thüringer Altbischof Werner Leich wird 95

Landesbischof Kramer dankt für Einsatz für Menschen in Not und Suche nach Kompromissen

Dr. Werner Leich, Landesbischof der früheren Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen, wird am kommenden Montag (31. Januar) 95 Jahre alt. Er hatte das Bischofsamt von 1978 bis zur Verabschiedung in den Ruhestand im Frühjahr 1992 inne. Im Jahr 2009 fusionierte die Thüringer Landeskirche mit der Kirchenprovinz Sachsen zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

Friedrich Kramer, Landesbischof der EKM, dankt dem Altbischof ausdrücklich für seinen langjährigen und segensreichen Dienst. Leich sei besonders für seine Freundlichkeit und Offenheit, seinen klaren Standpunkt in theologischen und gesellschaftspolitischen Fragen sowie sein unerschütterliches Bekenntnis zur lutherischen Theologie bekannt. Besonders würdigt er dessen Einsatz für Menschen in Not und seine Beharrlichkeit bei der Suche nach Kompromissen. Mutig habe er statt eines unkritischen kirchenpolitischen Kurses oder der Resignation auf eine größere Unabhängigkeit der Kirche gegenüber dem Staat gedrungen und das Gespräch mit der Staatsführung der DDR gesucht.

Er hat in Verhandlungen mit dem Staat immer wieder aufs Neue den Balanceakt gewagt, einerseits so viele Zugeständnisse wie möglich für die Christen in Thüringen zu erreichen, gleichzeitig aber auch die kirchliche Arbeit nicht durch Widerstand zu gefährden. Dabei konnte er so manches kleine positive Ergebnis für die Kirche, für Pfarrer und Gemeindeglieder erreichen, erinnert Kramer.

Unvergessen seien auch die Friedensgebete in der Zeit der friedlichen Revolution in der Georgenkirche in Eisenach, wo sich Leich klar und öffentlichkeitswirksam für eine radikale Wende eingesetzt habe. Dass Leich sich nach dem Zusammenbruch der DDR selbstkritisch als zu ängstlich und rücksichtsvoll bezeichnete, sei ihm hoch anzurechnen und mache ihn zum Vorbild für alle, die sich einer Einschätzung ihrer eigenen Rolle verweigert hätten.

Tobias Schüfer, Regionalbischof der EKM, gratuliert dem Altbischof mit sehr persönlichen Worten – so bedankt er sich bei ihm für die Hilfe für seine Mutter, die anlässlich Schüfers Dienst als Bausoldat Probleme bekommen hatte. Und er erzählt ihm eine Anekdote von einem Besuch im vorigen Jahr in einer Gemeinde in Südthüringen, als ein Gemeindekirchenrat mit der Bezeichnung „Regionalbischof“ wenig anfangen konnte und sagte:

Ich kenne nur den Landesbischof. Landesbischof Leich.

Für Schüfer ist es ein Zeichen, dass sich viele Gemeindeglieder dankbar an den Dienst des Altbischofs erinnern.

Die Würdigung des Leitenden Bischofs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Ralf Meister:

Werner Leich hat die Position der evangelisch-lutherischen Kirche in politisch bewegten Zeiten maßgeblich geprägt und gestärkt. Als Landesbischof und als Leitender Bischof der VELK DDR hat er die Freiheit des christlichen Glaubens und die Bedeutung des evangelisch-lutherischen Bekenntnisses betont und sich um die Vereinigung der Kirchen in Ost und West sehr verdient gemacht. Die Schwerpunkte seines theologischen Denkens und kirchlichen Handelns – die Ökumene, der Kontakt zu den Kirchen in Osteuropa, die Gemeinschaft der Landeskirchen, die Relevanz des christlichen Glaubens für die gesellschaftlichen Fragen der Gegenwart – sind Themen, die die Arbeit der VELKD bis heute prägen. Die evangelisch-lutherischen Kirchen haben ihm viel zu verdanken.

Werner Leich wurde am 31. Januar 1927 im thüringischen Mühlhausen geboren. Seinen Dienst in der Thüringer Landeskirche begann er 1951 als Vikar in Angelroda bei Arnstadt. Von 1954 bis 1969 war er Pfarrer in Wurzbach und Oßla bei Lobenstein, ab 1969 Superintendent in Lobenstein. 1966 bis 1977 war er 1. Vorsitzender der Lutherischen Bekenntnisgemeinschaft der Thüringer Kirche. Im Mai 1978 trat Werner Leich die Nachfolge von Landesbischof Ingo Braecklein an. Von 1980 bis 1983 leitete er das Lutherkommitee der Evangelischen Kirchen, von 1983 bis 1986 war er Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche der DDR und von 1986 bis 1990 Vorsitzender der Konferenz der Kirchenleitungen in der DDR. Anlässlich des Lutherjahres 1983 erhielt Leich die Ehrendoktorwürde der Friedrich-Schiller-Universität Jena und 1984 die Franklin D. Roosevelt Four Freedoms Medal. 1989 verlieh ihm die Theologische Akademie Budapest die Ehrendoktorwürde, ebenso 1990 die Wittenberg University Springfield/Ohio. Im selben Jahr bekam Werner Leich den Wittenberg-Preis des Lutherinstituts Washington D.C. Der Altbischof ist verheiratet, hat einen Sohn und eine Tochter. Derzeit lebt er in einem Diakonischen Zentrum in Tambach-Dietharz im Landkreis Gotha.

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