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Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten wählt neuen Vorstand und Ehrenvorsitzende

Auf seiner 16. Landesdelegiertenkonferenz am 17. Oktober in Erfurt wählte der TVVdN/BdA seine langjährige Landesvorsitzende, Elke Pudszuhn, zur Ehrenvorsitzenden. Als neue Landesvorsitzende wurde die Landtagsabgeordnete, Kati Engel, gewählt. Karin Schrappe wurde von den Delegierten in ihrem Amt als stellvertretende Landesvorsitzende bestätigt.

Seit 1946 gibt es in Thüringen eine “Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes”. Überlebende der faschistischen Haftstätten und Konzentrationslager sowie Frauen und Männer des antifaschistischen Widerstandes gründeten damals diese Organisation, welche allerdings in der DDR 1953 wieder aufgelöst wurde. Nach der politischen Wende bildeten sich 1990 auf Initiative von Verfolgten und von Anntifaschist:innen vielerorts neue „Vereinigungen der Verfolgten des Naziregimes“ und des „Bundes der Antifaschisten“. In Thüringen gründeten Delegierte der Basisgruppen auf ihrer ersten Landeskonferenz am 4. Oktober 1990 den Verband der Verfolgten des Naziregimes und ihrer Angehörigen. Dieser wurde damit Rechtsnachfolger der 1953 aufgelösten VVN. Acht Jahre später wurde auf der Landesdelegiertenkonferenz am 17. Oktober 1998 die Vereinigung mit dem Bund der Antifaschisten beschlossen und damit der „Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten – TVVdN/BdA – e.V.“ in seiner heutigen Form begründet.

Elke Pudszuhn gehörte 1990 zu den Gründungsmitgliedern. Seitdem war sie in leitenden Funktionen und seit 2010 sogar als Landesvorsitzende tätig. Als Tochter der von den Nationalsozialisten verfolgten Widerstandskämpfern, Hans und Else Raßmann, hat Pudszuhn ihr Leben dem Kampf gegen Faschismus und Willkür gewidmet. Bis heute ist die Kameradin überall dort zur Stelle, wo Menschen sich dem Rechtsruck entgegenstellen. Aufgrund ihres sozialen Engagements, ihres Einsatzes für den Antifaschismus sowie ihrer Verdienste um den Verband, wurde Elke Pudszuhn nun einstimmig zur Ehrenvorsitzenden des TVVdN/BdA ernannt.

„Ich bin 30 Jahre im Landesvorstand des Verbandes der Verfolgten des Naziregimes gewesen, von Anfang an, bin mit dem Verband durch gute und schlechte Zeiten gegangen, habe immer den Schwur von Buchenwald vor meinen Augen gehabt und danach mein Handeln ausgerichtet. In Erinnerung bleiben mir viele Begegnungen mit antifaschistischen Weggefährten und die Begegnungen mit jungen Antifas, die an unserer Seite stehen, wo wir Alten nicht mehr stehen können. In deren Hände übergebe ich nun die Arbeit.“ resümiert die scheidende Vorsitzende.

Als neue Landesvorsitzende des TVVdN/BdA wurde Kati Engel gewählt. Engel ist seit 2014 Mitglied des Thüringer Landtages und dort die Sprecherin für Kinder- und Jugendpolitik der LINKEN. „Ich habe hohen Respekt vor den mir übertragenen Aufgaben. Schließlich sind wir die Interessenvertretung der antifaschistischen Widerstandskämpferinnen und -kämpfer, der Verfolgten des Naziregimes, deren Hinterbliebenen sowie aller Antifaschistinnen und Antifaschisten im Land Thüringen. Wir bewahren ihr Andenken und halten die Erinnerung wach, was angesichts der europaweit erstarkenden Rechten wichtiger ist denn je“, beschreibt Engel ihr neues Amt.

Als stellvertretende Landesvorsitzende wurde Karin Schrappe einstimmig in ihrem Amt bestätigt. Neu im geschäftsführenden Vorstand sind Christiane Schütze als Schatzmeisterin und die beiden Beisitzer, Matthias Adorf und Joachim Richar. Als weitere Mitglieder des Landesvorstandes wurden gewählt: Bernd Ahnicke, Karl Enders, Christa Geisler, Felix Ihle, Ingrid Krauss, Carolin Pfeifer, Elke Pudszuhn, Jürgen Powollik, Hans-Ulrich Schmoll und Karl-Heinz Voigt.

„Wir bedanken uns bei allen Kameradinnen und Kameraden, die aus dem Landesvorstand ausscheiden, für ihre geleistete Arbeit und ihr Engagement. Ganz besonders möchten wir uns bei unserem alten Schatzmeister, Josef Metze, bedanken, der in den vergangen Jahren eine wichtige Stütze des geschäftsführenden Vorstandes war. Allen neugewählten Landesvorstandsmitgliedern wünschen wir viel Freude und stets gutes Gelingen bei ihren bevorstehenden Aufgaben“, äußert sich Karin Schrappe nach der Wahl.

Und Aufgaben gibt es mehr als genug. So gibt es nicht nur Mahn- und Gedenktage, die vorbereitet werden wollen, auch den Erhalt und die Pflege von Gedenkstätten in ganz Thüringen hat sich der Verband auf die Fahnen geschrieben. Außerdem kämpft die Bundesvereinigung des VVN/BdA derzeit immer noch um den Wiedererhalt ihrer Gemeinnützigkeit, welche der Vereinigung im November letzten Jahres durch das Berliner Finanzamt entzogen wurde. Hierzu gibt es auch eine Online-Petition, welche gern unterzeichnet und weiterverbreitet werden kann: https://www.openpetition.de/petition/online/die-vvn-bda-muss-gemeinnuetzig-bleiben

„Ich will es noch mal deutlich machen: Wir fordern, die Anerkennung der Gemeinnützigkeit für die VVN/BdA, das Ende der geheimdienstlichen Arbeit gegen die VVN/BdA in Bayern und anderswo, die Abschaffung des Artikels 51, Absatz 3 der Abgabenordnung und ein modernes Gemeinnützigkeitsrecht, das die tatsächlichen großen gesellschaftlichen Strömungen für Demokratie und Klimaschutz anerkennt und fördert! Denn Antifaschismus ist und bleibt das Gebot der Stunde“, appelliert Elke Pudszuhn abschließend.

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