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Bundeskanzler zu 15 Jahre Mauerfall

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat zum 15. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer am 9. November 2004 erklärt: Der 9. November ist ein besonderes Datum in der Geschichte Deutschlands. Mit diesem Tag verbinden sich große historische Einschnitte für unser Land. Er ist ein Tag der Freude, aber er ist auch ein Tag der Scham und des Nachdenkens.

In der Pogromnacht, am 9. November 1938, begann der Weg in einen Abgrund an Unmenschlichkeit. Daher wird dieser Tag eine stetige Mahnung sein, Rassismus und Antisemitismus schon in den Anfängen zu wehren.

Aber der 9. November ist auch ein Tag des Triumphes von Freiheit und Demokratie. Vor 15 Jahren haben die Menschen in der DDR die Mauer eingedrückt und eine menschenverachtende Diktatur überwunden.

Gegen Bevormundung und Entrechtung hatte sich bereits in den Monaten vor dem 9. November 1989 eine Massenbewegung gebildet. Die Mauer wurde von mutigen und unerschrockenen Menschen zu Fall gebracht. Mit diesem Akt der Zivilcourage haben die Menschen in der DDR die deutsche Geschichte um ein einmaliges Ereignis bereichert: Sie haben in einer friedlichen Revolution eine Diktatur zu Fall gebracht.

Die feste Verankerung Deutschlands im europäisch-transatlantischen Bündnis, aber auch die Entspannungspolitik haben diese Entwicklung ermöglicht. Wir gedenken heute auch den friedlichen Revolutionen in Ost- und Mitteleuropa. Der mutige Einsatz der Völker dort war auch eine Voraussetzung dafür, dass wir Deutschen die Einheit unseres Landes wiedererlangen konnten

Deshalb war Deutschland immer Anwalt für den Beitritt dieser Länder in die Europäische Union. Diesen historischen Moment haben wir in diesem Jahr gefeiert. Damit haben wir die Spaltung Europas endgültig überwunden und die großartige Möglichkeit, Europa zu einem Ort des dauerhaften Friedens und des Wohlergehens seiner Menschen zu machen.

In den 15 Jahren seit dem Fall der Mauer haben wir viel in Deutschland erreicht. Dies verdanken wir der Tatkraft und der Leistungsbereitschaft der Menschen in Ost wie West. Aber wir dürfen in unseren Anstrengungen bei der Vollendung der deutschen Einheit nicht nachlassen. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es weiterhin einer wirklich nationalen Kraftanstrengung.

Als Schicksalstag der deutschen Geschichte bleibt der 9. November ein Tag des Gedenkens und der Freude zugleich. In diesem Sinne ist dieser Tag eine Mahnung zum Kampf gegen Unmenschlichkeit, eine Verpflichtung zur Zivilcourage und ein Aufruf, die Einheit unseres Landes zu vollenden.

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